Nachtgastronomen ärgern sich, dass das QU als Club betrieben wird - ohne Genehmigung

Simone Lutz

Es gibt Ärger in Freiburgs Nachtgastronomie. Dass das QU am Fahnenbergplatz laut Bebauungsplan keine Disko sein darf, trotzdem Tanzveranstaltungen am laufenden Band macht, stößt der Konkurrenz sauer auf. Im Rathaus will man nichts von den ungenehmigten Veranstaltungen gewusst haben.

Christoph Schneider, der ehemalige Mitgesellschafter der Riva Freiburg Bar UG nahe dem Martinstor, ist nicht gut auf das Amt für öffentliche Ordnung (AfÖ) zu sprechen. Dem Riva, sagt er, habe das Amt musikalische Darbietungen und Tanzveranstaltungen Anfang 2015 ausdrücklich untersagt. Bei der Konkurrenz QU-Bar am Fahnenbergplatz aber schaue das Amt weg, obwohl die Bar wie ein Tanzclub betrieben werde. „Da wird mit zweierlei Maß gemessen“, so Schneider.


Auch andere Nachtgastronomen ärgern sich über die Praktiken der QU-Bar – doch öffentlich äußern will sich außer Schneider niemand. Das liegt auch daran, dass Tanzveranstaltungen in Freiburg mehr oder weniger geduldet werden, wenn es keinen Ärger damit gibt – auch, wenn die entsprechende Gaststätte gar keine Konzession dafür hat. „Jeder muss selber gucken, wie er klarkommt“, sagt ein Betreiber. Dennoch: Über die vielen Parties in der QU-Bar ist die Konkurrenz verwundert und verstimmt: „Ist doch total offensichtlich, dass die das nicht dürfen“, so ein anderer Nachtgastronom.

Tatsächlich war die QU-Bar 2013 nur mit Auflagen genehmigt worden, die sicherstellen sollen, dass dort keine Disko betrieben wird. Der Bebauungsplan schließt eine Vergnügungsstätte nämlich aus – das hatte die Bauherrin und Verpächterin der Bar, die Firma Unmüssig, im Vorfeld übersehen. Misslich, zumal die Pächter Thomas Rauhut und Filipos Klein bereits Hunderttausende investiert hatten. Man einigte sich mit der Stadtverwaltung, statt eines Tanzclubs lediglich eine Bar zu eröffnen. Teil der Auflagen ist auch, dass nur zwölf Sonderveranstaltungen „mit Vergnügungsstättencharakter“ – als Tanzveranstaltungen – im Jahr stattfinden dürfen.Nun, nach fast anderthalb Jahren Betrieb, ist offensichtlich: Die Ausnahmen sind zur Regel geworden.

Der QU-Club, wie sich die Bar auch nennt, wirbt auf seiner Facebook-Seite – auf der Videos mit der tanzenden Gästeschar zu sehen sind – munter für seine Events: Am Donnerstag gab’s die „Big&Bigger Easter Party“, jeden zweiten und vierten Samstag legt DJ Boran Ece auf, Ende März war die „Fashion Show & Black is Beautiful-Party“, jeden dritten Freitag im Monat ist „I love 80s & 90s-Party“ – kurz: Im Januar dieses Jahres stiegen im QU-Club laut Programm zehn Parties, im Februar acht und im März neun.



„Das hat sich so ergeben“, sagt Betreiber Thomas Rauhut. „Eigentlich ist klar, dass wir das nicht dürfen, aber wir machen es trotzdem. Wir haben Glück, dass wir geduldet werden.“ Der Club mache keinen Lärm, Beschwerden habe es praktisch keine gegeben: „Das spricht für uns“, so Rauhut. Er gibt zu bedenken, dass praktisch in jeder Freiburger Bar ein DJ aufspiele, „das ist üblich in Freiburg, das können Sie jeden Abend sehen“, warum also nicht im QU-Club. Nicht alle Locations hätten eine Konzession dafür – „aber ich werde meine Mitbewerber sicherlich nicht verpfeifen“, so Rauhut.

Unterschiedliche Konzessionen gibt es viele. Zum Beispiel die „Schankwirtschaft als Barbetrieb als Rauchergaststätte“ wie das Räng Teng Teng in der Grünwälderstraße, die „Schank- und Speisewirtschaft mit regelmäßigen Musikdarbietungen und Tanz“ wie Schmitz Katze in der Haslacher Straße, die „Schank- und Speisewirtschaft als barähnlicher Betrieb mit Karaokeveranstaltungen sowie Live-Musikdarbietungen“ wie das Guten Abend an der KaJo oder die Konzession als „Schank- und Speisewirtschaft mit eingeschränkter Speisenabgabe und regelmäßigen Musikdarbietungen“, die der Passage 46 im Stadttheater gerade erteilt wird. Die Gebühr für die Konzessionen kann von 325 bis 3250 Euro reichen plus 600 Euro Verwaltungsgebühr.

Ob aber nun getanzt wird oder nicht in den Gaststätten mit ihren Musikdarbietungen, das kontrolliert das AfÖ nicht. Und die Polizei auch nicht, wenn es keine Probleme gibt – sie hat anderes zu tun. Wie Patrick Ries, der Vize-Chef des Polizeireviers Nord erklärt, gibt es regelmäßige Treffen zwischen Polizei, Nachtgastronomie und Türstehern, und zwar mindestens zwei Mal im Jahr. Doch kontrollieren werde die Polizei nur, wenn das Amt für öffentliche Ordnung dies so wolle – bei der QU-Bar sei das jedoch noch nie der Fall gewesen.Genau das ist für Christoph Schneider nicht nachzuvollziehen.

Bereits im Oktober 2014 – als das Amt der Riva-Bar den Gewerbebetrieb in Absprache mit dem Finanzamt Freiburg wegen einer Schätzung untersagt hatte – hatte er das AfÖ inklusive Amtsleiter Walter Rubsamen auf die Tanzveranstaltungen im QU-Club aufmerksam gemacht.  Der zuständige Sachbearbeiter mailte zurück, er sei nicht zuständig: „Die Regelung, in welcher Weise in besagtem Gastronomiebetrieb Musik-/Tanzveranstaltungen zulässig sind, ist baurechtlicher Natur und somit kein unmittelbares Aufgabenfeld des Amtes für öffentliche Ordnung.“

Eine Anfrage der BZ, warum das Amt nicht zuständig sei, wurde trotz mehrerer Nachfragen nicht beantwortet. Das Baurechtsamt wiederum ließ ausrichten, diese Veranstaltungen seien ihm nicht bekannt gewesen. Ein Blick in Facebook hätte gereicht.

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[Bild 1: Leopold Dzajkic, Bild 2: Thomas Kunz]