Pfandbecher

Nachschub der Freiburg-Cups lässt auf sich warten

Simone Höhl, Robin Wille & Sara Li Bogenschütz

Cafés und Bäckereien stehen Schlange für den Freiburg-Cup. Viele wollen sich an das Pfandsystem für Kaffeebecher anschließen. Doch der Lieferant hat einen Engpass beim Nachschub.

Das Projekt "Pfandbecher to go" soll ein Müllproblem lösen und läuft unter Regie der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF). Der Freiburg-Cup wurde am 21. November in 16 Cafés und Bäckereien in der Innenstadt eingeführt, die erste Auflage mit 5000 Cups schwand schnell. Die ASF erhielt mehr Anfragen von Läden, die sich ans Pfandsystem anschließen wollten, als erhofft, zudem putzte sie Türklinken. Zum Dezember wurde die Marke von 50 Teilnehmern geknackt. "Wir haben jetzt 57 Betriebe, die mitmachen", sagt Michael Broglin.

Stichproben der BZ zeigen: Der Freiburg- Cup ist nicht überall ausverkauft, und von allein geht er nicht übern Tresen. Der anfängliche Rummel verursacht keinen dauerhaften Run. Zum Kommentar

Doch in der Stadt sind kaum Cups zu sehen. Eine Stichprobe zeigt: Aus der Bäckerei Lienhart beim Schwabentor kommen in einer halben Stunde zwei Kaffeetrinker mit Pappbecher raus, keiner mit Cup. Das täuscht, erklärt Petra Lienhart: "Freiburger und Stammkunden nehmen’s gerne an." Doch das Bild ist bei allen Stichproben ähnlich: Beim Aspekt an der Bertoldstraße sind es ein Cup, zwei Pappbecher, beim Café Europa in der Uni steht es 0:5, beim Eis-Lazzarin am Rathausplatz 0:8. "Ich habe gedacht, da geht mehr", so Teilhaber Paolo Franceschi.

Pappbecher aus Gewohnheit

Draußen auf dem Weihnachtsmarkt hält Birgit Lencrerot einen Pappbecher. "Die Macht der Gewohnheit." Sie habe auch nicht die Zeit, nach dem Cup zu fragen. Das Café Légère bietet den Pfandbecher immer eigens an. "Es hat noch keiner Nein gesagt", meint Mitarbeiterin Linda Dreier. Den "Markt am Gleis" im Hauptbahnhof verlässt bei der Stichprobe kein Kunde mit Cup. Der Supermarkt hat auch keine, steht aber auf der Liste der ASF. Vor einer Bäckerei erzählt Kunde Dominique Fat, dass er öfter nach dem Cup fragt, aber keinen bekommt.

Die Cafés und Bäckereien haben noch nicht alle Cups im Schrank. Der Engpass hat sich schon zwei Tage nach dem Start abgezeichnet, sagt ASF-Chef Broglin. Er orderte gleich 10 000 Becher nach. Dann hieß es warten und Tee trinken: Die Kaffeecups kamen nicht, sagt Broglin, die Speditionen seien vor Weihnachten überlastet. Jetzt ist der Nachschub da, noch am Mittwoch wollte die ASF beginnen, sie auszuliefern. Wenn die 10 000 im Umlauf sind, sind die Cups auch in der Stadt zu sehen, meint Broglin. Der Müllberg ist noch nicht sichtlich geschrumpft.

Daimler zeigt Interesse

50 der teilnehmenden Läden liegen im Zentrum, sieben in angrenzenden Stadtteilen wie Wiehre und Stühlinger. Die ASF führt zudem Gespräche mit mehreren Bäckereiketten und will im neuen Jahr jenseits der Innenstadtgrenze gezielt für den Cup werben. Auch außerhalb gibt’s Interesse am System: Andere Städte sowie Daimler fragten nach dem Konzept. Im neuen Jahr soll noch ein größerer Becher kommen. Broglin ist mit dem ersten Muster noch nicht zufrieden, hofft aber, im ersten Quartal einen 0,4-Liter-Cup anbieten zu können.
Freiburg-Cup

In Freiburg fallen rund zwölf Millionen Pappbecher im Jahr an. Das Pfandbechersystem funktioniert nicht wie bei privaten Mehrwegbechern, die man behält, spült und füllen lässt, sondern wie bei Pfandflaschen: Kaffeetrinker zahlen einen Euro Pfand, den bekommen sie bei jedem der teilnehmenden Läden wieder, die den Cup spülen und erneut in Umlauf bringen.

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