Freiburg

Nachrüstungen der Uni-Bibliothek haben eine Million Euro gekostet

Manuel Fritsch

Die Nachrüstungen der Freiburger Universitätsbibliothek haben bis heute siebenstellige Kosten verursacht. Allein der Bauzaun um das Gebäude verschlang schon 40.000 Euro

Das geht aus der Antwort der Ministerien für Finanzen sowie für Wissenschaft, Forschung und Kunst auf eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Rainer Podeswa hervor, die der BZ vorliegt. Die Kosten seien zum Teil durch Dritte verursacht worden und sollen von den Verantwortlichen zurückgefordert werden. Zudem sei ein Teil der Arbeiten während des Baus absichtlich zurückgestellt worden, um Erfahrungen aus dem laufenden Betrieb miteinfließen lassen zu können. Ein anderer Teil sei nötig geworden, um auf die höheren Nutzerzahlen reagieren zu können.


Allein der Bauzaun hat 40.000 Euro gekostet

Die Probleme mit der Fassade sind in den Zahlen noch nicht einberechnet. Sie könnten derzeit noch nicht beziffert werden. Im Sommer war ein Blechstück der Fassade abgefallen, seitdem ist die Bibliothek von einem Bauzaun gesäumt. Dieser hat bis heute rund 40.000 Euro gekostet, wie aus dem Schreiben der Ministerien hervorgeht.

Am Rosenmontag fiel erneut ein Blech herunter, zwei weitere hatten sich gelöst. Das zuständige Amt "Vermögen und Bau" macht eine mangelnde Sicherung der Bleche für die Schäden verantwortlich. Sie seien lediglich verklebt, nun sollen sie mechanisch befestigt werden.

"Normal wäre es, die ausführende Firma den Schaden prüfen zu lassen." Anton Früh
In dem Schreiben der beiden Ministerien heißt es dazu: "Metallverklebungen sind eine Sonderkonstruktion, die in Deutschland einer besonderen Zulassung bedürfen." Eine solche habe die Fassadenbaufirma bis heute nicht vorgelegt. Anton Früh, Geschäftsführer der Firma, widerspricht auf BZ-Anfrage energisch. Bei den an der Bibliothek eingesetzten Verfahren seien keine speziellen Genehmigungen nötig. Dass die Bleche herabgefallen waren, hatte die Firma auf eine Beschädigung der Fassade zurückgeführt und darauf, dass entgegen ihrem Rat Fassadenkletterer eingesetzt wurden. Die Ministerien bezeichnen das als "haltlos", da sich Aufhängungen auch an Stellen gelöst hätten, an denen keine Kletterer eingesetzt worden seien. Anton Früh kritisiert, wie das Land mit den Schäden umgehe. "Normal wäre es, die ausführende Firma den Schaden prüfen zu lassen", sagt er. In diesem Fall werde dagegen eine externe Firma beauftragt.

"So etwas ist mir in ganz Europa noch nicht untergekommen"

Früh wartet außerdem noch auf mehr als vier Millionen Euro, die er dem Land für die Bibliotheksfassade in Rechnung gestellt hat. Das Land bestreitet die Forderungen, die auf Verzögerungen im Ablauf zurückzuführen seien. Der Streit ist inzwischen vor Gericht. Von Seiten der Ministerien heißt es, das Land habe "sämtliche bauliche Leistungen in voller Forderungshöhe von rund 7,5 Millionen Euro ausbezahlt". Früh dagegen beharrt auf Forderungen von über 10 Millionen Euro, von denen er aber nur rund 6,3 Millionen bekommen habe. "So etwas ist mir in ganz Europa noch nicht untergekommen", sagt der Unternehmer.

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