Freiburg

Nach zwölf Jahren wird das Gerüst am Münsterturm abgebaut

Joachim Röderer

In mehr als 200.000 Arbeitsstunden werkelten Handwerker und Restauratoren auf Freiburgs höchster Baustelle. Ende August soll der Münsterturm dann erstmals wieder gerüstfrei in voller Pracht zu sehen sein.

Die Operation ist gelungen, der gotische Patient gilt als geheilt und wiederhergestellt. "Wir gehen davon aus, dass wir die nächsten Jahrzehnte da nicht mehr ranmüssen", sagt Münsterbaumeisterin Yvonne Faller zum Ende der Sanierung des 40 Meter hohen Münsterturmhelms.


Von Mitte Juli an muss der Münsterplatz für sechs Wochen gesperrt werden

Noch wird am Turm gearbeitet. Der Bauaufzug an der Nordseite bringt jeden Morgen das Team der Münsterbauhütte an seinen Arbeitsplatz hoch über dem Münsterplatz. "Es laufen noch Restarbeiten", sagt Thomas Laubscher, heute Betriebsleiter der Münsterbauhütte und vorher Projektleiter für die Turmsanierung. Die letzten Fugen werden geschlossen. Dann kommt die Endreinigung. Der Turm wird noch einmal bis zur Spitze hoch für ein Monitoring beklettert. "Da schauen wir uns noch einmal genau die Sachen an, die wir schon vor Jahren abgeschlossen haben", so Laubscher.

"Damals dachten wir noch, dass wir nach fünf Jahren damit fertig sind."Münsterbaumeisterin Yvonne Faller
Nach dem 30. Mai wird nach und nach das Gerüst abgebaut. Von Mitte Juli an muss der Münsterplatz für rund sechs Wochen gesperrt werden, wenn der weit auskragende Fangboden abgebaut wird. Der Bauaufzug wird am Turm bleiben. Die Basisstation der Münsterbauhütte, in der heute die Steinmetze an Fialen und Figuren arbeiten, wird ebenfalls wieder abgebaut. Ende August soll der Münsterturm dann erstmals wieder gerüstfrei und in voller Pracht zu sehen sein.

Rund zwölf Millionen Euro hat die Sanierung gekostet. Münsterbaumeisterin Yvonne Faller erinnert sich noch an das Jahr 2006, als die Arbeiten begannen: "Damals dachten wir noch, dass wir nach fünf Jahren damit fertig sind." Das wäre auch möglich gewesen, wenn sich die Arbeiten auf die Schäden beschränkt hätten, die man vorab vermutet hatte. Doch im Jahr 2009 haben die Untersuchungen ergeben, dass der Turmhelm mit seinem durchbrochenen Maßwerk Probleme mit der Statik hatte. Die Suche nach der Ursache der statischen Schäden dauerte rund zwei Jahre. Die Arbeit am Turm lief in dieser Zeit "mit gebremstem Schaum" weiter, wie die Münsterbaumeisterin sagt. Am Ende entschieden sich die Experten dafür, den Turmhelm mit Titanverspannungen zu stabilisieren.

Ein zehnköpfiges Team war zwölf Jahre beschäftigt

Alle hätten viel dazugelernt, sagen Münsterbaumeisterin Faller und Betriebsleiter Laubscher. Bisher habe man immer gedacht, dass man die Statik des wagemutig gebauten Turmes gar nicht berechnen könne. Nun sei dies aber doch gelungen. "Wir haben Theorie und Praxis in Übereinstimmung gebracht", so Yvonne Faller. Der Respekt vor den Turmerbauern, die vor mehr als 700 Jahren am Werk waren, ist noch gewachsen: "Die neuen Erkenntnisse zeigen, wie genial unsere Vorgänger waren. Ihr System von Material und Konstruktion hat perfekt zusammengepasst."

Ein zehnköpfiges Team arbeitete in den vergangenen zwölf Jahren ständig am Turmprojekt. Die ersten Steinmetze haben die Stadt verlassen und sind weitergezogen, zur nächsten Baustelle. In der Münsterbauhütte gibt es nicht genug Arbeitsplätze, um die Turmexperten weiterzubeschäftigen. "Natürlich ist es traurig, dass wir so ein Hochleistungsteam auflösen müssen", meint die Münsterbaumeisterin.

An der Turm-Nordseite hängt eine Digitaluhr, welche die Tage, Stunden und Minuten bis zum Ende der enorm langen Bauzeit herunterzählt. Am Samstag, 15. Juni, wird mit dem Münstertreff der Handwerkskammer die geleistete Arbeit gewürdigt. Nach einer Feierstunde um 18.30 Uhr im Münster wird vor dem Hauptportal des Münsters mit einem Hock in geselliger Atmosphäre weitergefeiert. Ein großes Turmfinale mit großem Programm folgt dann Mitte Oktober. Dann werden auch die Arbeiten des Erzbischöflichen Bauamtes in der Türmerstube und am Glockenstuhl abgeschlossen sein.

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