Nach dem Politikstudium in die Politik? Fehlanzeige! Heute im Studiengangcheck: Politikwissenschaft

Lisa Göllert

Jeder Jurist ist ein Schnösel, jede Psycholgie-Studentin hat einen Knacks: Vorurteile über Studierende gibt es viele. fudder erklärt, womit sich Freiburger Studiengänge wirklich beschäftigen und was an den Klischees dran ist. Heute: Politikwissenschaft.

Worum geht’s?

Politik ist eine Sozialwissenschaft und beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Fragestellungen. Die Inhalte sind vielfältig: Vom politischen System Deutschlands, über das Funktionieren Internationaler Organisationen bis zur Staatstheorie Platons ist alles dabei. Politik ist interdisziplinär und hat viele Überschneidungen mit Wirtschaft, Recht oder Philosophie.

Das Studium besteht in Freiburg aus drei Teilbereichen: Vergleichende Regierungslehre, Politische Theorie und Internationale Politik. In den ersten Semestern gibt es zu jedem Bereich Vorlesungen, zur Vertiefung folgen im Studienverlauf Pro- und Hauptseminare in kleineren Gruppen. Nicht abschrecken lassen: Das Studium beinhaltet Mathe, wenn auch nicht viel. Denn das erste Semester startet mit Methoden und Statistik. Dort lernt man, wie man am besten eine wissenschaftliche Umfrage erheben und mit Statistikprogrammen umgehen kann. Und wer jetzt bei Sorge um seine Unterkurse in Mathe aus der Schulzeit kurz die Luft anhält: Tief ein- und ausatmen, ist alles halb so wild.

Gender-Check

Die Männer dominieren leicht: 232 Studierende sind im Sommersemester 2018 männlich, weiblich sind 160.

Ein Vorurteil, das völlig erfunden ist

Du willst Bundeskanzlerin werden? Oder auch schon gehört: Was willst du mit dem Studium machen? Und ich sage: Völliger Quatsch. Weder müssen wir mit einem Politikstudium eine parteipolitische Karriere machen (außer man will natürlich), noch landen wir auf der Straße. Das Studium bietet genügend Inhalte und Freiraum, den Job zu finden, der zu Euch passt. Für die Eltern zur Beruhigung: Das ist schon etwas Gscheides.

Was ich im ersten Semester auch häufig gehört habe, dass viele Studienanfänger Angst haben, nicht genügend politisches Allgemeinwissen zu haben. Keine Panik: Ihr müsst nicht die Tageszeitung zitieren können oder alle Bundespräsidenten aufsagen, um im Politikstudium durchzukommen. Ganz im Gegenteil, teilweise wünscht man sich eher mehr aktuellen Politikbezug.

Ein Vorurteil, an dem was dran ist

Den Politikstudierenden trefft Ihr eher in Birkenstock als in Bootsschuhen. Ihr seht ihn eher Marx als Maschmeyer lesen. Natürlich ist nicht jeder Politikstudierende bei der Antifa, aber grundsätzlich ist die politische Meinung eher links. Viele engagieren sich wirklich bei politischen Hochschulgruppen oder direkt bei Parteien.

Und noch ein Vorurteil, an dem leider was dran ist: Du liest viel im Studium – sehr viel. Und das musst du in möglichst kurzer Zeit. Zu Beginn des Studium geht’s noch, aber bei Pro- und Hauptseminaren wird es zunehmend mehr.

Warum man Politikwissenschaft studieren sollte

Viele engagierte junge Dozenten, ein großes Themenspektrum und ganz gute Jobchancen. Gerade die Methodenlehre durch den Umgang mit Statistik ist ziemlich gefragt. Ansonsten bietet sich nach dem Studium die Arbeit bei Institutionen, NGOs, in der Politikberatung oder auch in den Medien an. Abseits des ganzen "Jobkrams" sollte man vor allem Politik studieren, weil man auf ziemlich viele Leute trifft, die wirklich interessiert an ihrem Fach sind und gerne mal über die ein oder andere politische Frage fachsimpeln.

Das nervt

Das Politikstudium hätte noch so viel mehr Potential! Durch inhaltliche Überschneidungen mit Wirtschaft, Recht und Co. wünscht man sich mehr gemeinsame Veranstaltungen und Praxisbezug. Nur 8 ECTS-Punkte müssen im interdisziplinären Bereich gemacht werden. Im Vergleich zu 120 zu erwerbenden ECTS im Hauptfach Politik sind 8 ECTS also fast nichts.

Außerdem nervt: Die häufig geringe Wertschätzung von außen. Politik gilt nicht als "Elitestudiengang" und wird teilweise als unwichtig und nur "Blabla" abgetan. Die Uni sollte den Studierenden mehr Mut machen, dass Politik so viele Chancen bietet und keinem anderen Fach nachstehen muss!

Wo Politikstudierende anzutreffen sind

Die natürliche Umgebung des Politikstudierenden ist wahrscheinlich das KG IV. Oder genauer gesagt, der Kaffeeausschank des KG IV. Ansonsten noch beliebt: ASTA, der allgemeine Studierendenausschuss oder Vorträge zu Trump, Feminismus oder Eurozentrismus in der Politik.

Work-Life-Balance

Kommt ganz auf Dich an. Sicherlich kommt man bei einigen Veranstaltungen auch mit Minimalaufwand – irgendwie – durch. Spätestens in den Seminaren kommen aber Sitzungsgestaltungen, Essays und Hausarbeiten auf Euch zu. Es nervt dann schon, wenn man wegen Hausarbeiten nicht mal in den Semesterferien "richtig" frei hat. Notendruck gibt’s aber nicht: Einen Masterplatz für Politik in Freiburg bekam man bisher ab einem NC von 2,5.

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