MySpace.de - Deutschlands heißeste Domain

David Harnasch

MySpace.com, die Musik-Community aus den USA, kommt nach Deutschland. Doch wer die künftige deutsche Seite unter MySpace.de aufrufen möchte, landet bei der Arkanum GmbH aus Berlin. Die im Prenzlauer Berg ansässige Firma besitzt damit die heißeste Domain Deutschlands... David Harnasch hat Rechtsanwalt Udo Vetter (bekannt als der Lawblogger) gefragt, ob sich die Berliner nun auf einen Geldregen - oder Ärger mit der Justiz - freuen dürfen.

fudder: Laut Denic besitzt Arkanum mindestens seit Juni 2003 die Domain MySpace.de. Tom Anderson ging erst einen Monat später mit der Community myspace.com online. Dürfen sich die Berliner nun auf einen riesigen Scheck aus Amerika freuen oder müssen sie eher ein seitenlanges Schreiben der Anwälte fürchten?

Vetter: Es ist mittlerweile gefestigte Rechtsprechung, dass derjenige mit dem besseren Recht am Namen auch die Domain beanspruchen kann. Wenn man selbst keinen vernünftigen Grund angeben kann, warum die Domain reserviert wurde, hat man gegenüber Firmen in der Regel das Nachsehen, welche tatsächlich den Namen im Geschäftsverkehr verwenden. Auf den Zeitpunkt der Registrierung kommt es dabei nicht an. Allerdings prüfen Gerichte sehr genau die Details und wägen sorgfältig ab, so dass der Einzelfall immer offen ist.

fudder: Es reicht also im Zweifel nicht die Begründung: "Ich fand den Namen hübsch für meine eMailadresse und er war ja frei". Man könnte argumentieren, dass bei myspace.com die Topleveldomain ".com" integraler Bestandteil des Namens ist. Auch mit anderen wichtigen Topleveldomains ist myspace auf lokale Unternehmen registriert. Hätte myspace.com Ihrer Einschätzung nach vor Gericht überhaupt Chancen? Wäre das ihr Mandant: Würden Sie überhaupt zur Klage raten, oder eine außergerichtliche Einigung vorschlagen?

Vetter: Sicherlich kann sich jedermann eine beliebige freie Domain registrieren lassen. Wenn jedoch eine Firma bzw. eine Privatperson das bessere Namensrecht hat, wird der Betreffende die Domain herausgeben müssen. Teilweise wird bereits die Registrierung offenkundig verwendeter Firmennamen ohne sachlichen Grund (Domaingrabbing) als rechtswidrig angesehen mit der Folge, dass der Abgemahnte gleich auch die Anwaltskosten zu tragen hat.Die Domainendung wird heute von vielen Firmen quasi automatisch mitbenutzt. Für die "Firma" kommt es aber eher auf den Namensbestandteil vor der Domainendung an; dieser ist "prägend". Der Fall MySpace ist mir nicht bekannt. Ich kann (und darf) mich hierzu also nicht konkret äußern, insbesondere keine Ratschläge erteilen.

fudder hat übrigens auch direkt bei Arkanum recherchiert - per Telefon. In Berlin ist man sich der heiklen Rechtslage durchaus bewusst. Auf MySpace.de angesprochen bestritt man dort zunächst jede Kenntnis, legte dann großen Wert darauf, mit myspace.com nichts zu tun zu haben und wollte sich anschließend zunächst „nicht über finanzielle Details“, und schließlich überhaupt nicht zu diesem Thema äußern.

Myspace.com kann auf zweierlei Arten versuchen, die Rechte an der deutschen Domain zu erlangen: Wenn die Amerikaner sie außergerichtlich kaufen wollen, sollten sie den Wert möglichst gering schätzen. Die Drohung mit einem Rechtsstreit wirkt dagegen um so beeindruckender, je höher der Streitwert (und damit die Anwalts- und Gerichtskosten) angesetzt werden. Daimler-Chrysler hat in ähnlichen Fällen sechsstellige Streitwerte angesetzt.

Vielleicht verdient die Arkanum mit einer einzigen Domain mehr als mit dem normalen Kerngeschäft – http://www.hotels.eu brachte 250.000 Euro, http://www.sex.com ging angeblich für 14 Millionen US-$ weg.