MyJobVideo: Video statt Bewerbungsmappe?

Kristina Bieda

Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse – so sieht eine Bewerbungsmappe normalerweise aus. Auf dem Video-Portal myJobVideo.de haben Arbeitssuchende die Möglichkeit ein Bewerbungsvideo hoch zu laden. Wie sinnvoll das ist und ob es überhaupt etwas taugt, hat fudder-Autorin Kristina - gerade selbst auf Arbeitssuche - getestet.



"MyJobVideo.de ist eine Plattform für Deine Bewerbung per Internet und eine tolle Möglichkeit, Dich Deinem zukünftigen Arbeitgeber gleich persönlich vorzustellen – und zwar per Videobotschaft. Seine Aufmerksamkeit wird Dir sicher sein, denn eine Videobotschaft hat er von seine Bewerbern noch nicht zu sehen bekommen", verspricht das Portal. "Damit lässt Du alle anderen hinter Dir, deren Bewerbungsmappen sich auf den Schreibtischen der Personaler türmen."


Statt tagelangem Feilen am richtigen Anschreiben und sorgfältigen Zusammenstellen einer Bewerbungsmappe soll die Bewerbung jetzt eine schnelle Sache sein. "Dein eigenes Video – das ist die beste Werbung für Deine Person, das dauert keine Minute. Das ist kinderleicht und hast Du bestimmt auch schon auf Partys mal gemacht. Dann den Spot unter der gewünschten Rubrik einfach uploaden, fertig!"

Dieses Versprechen ist schon Grund genug, das Portal einmal genau anzugucken.
 

Wie funktioniert’s?

Um bei MyJobVideo Bewerbungsvideo hoch zu laden, muss man sich registrieren. Da ich bei solchen Angeboten immer skeptisch bin, schaue ich mir lieber erst mal die schon vorhandenen Videos an. Denn die kann man sich auch ohne Registrierung zu Gemüte führen. Dabei fällt mir auf, dass die meisten der Protagonisten der schon veröffentlichten Videos hauptsächlich Hauptschul- oder Realschulabschluss besitzen und sich dementsprechend für eine Ausbildung bewerben wollen.

Gymnasiasten, geschweige denn Hochschulabsolventen sind Mangelware. Aber es sind nicht nur Teenager, die ihre Bewerbung vorstellen, sondern auch bereits ausgebildete Mittvierziger, die so vermutlich hoffen aus der Langzeitarbeitslosigkeit herauszukommen. Im Prinzip wirkt das Portal wie YouTube nur mit einem ernsthafteren Anliegen, als Katzenvideos und Konzertmitschnitte.

Also schaue ich mich mal ein wenig auf der Seite um, um herauszufinden, ob denn myJobVideo vielleicht nur eine bestimmte Ziel- oder Nutzergruppe hat. Unter „Was ist myJobVideo?“ wird erklärt, welche Vorteile diese Möglichkeit der Bewerbung bringen soll, eine Beschränkung der Bewerbergruppe gibt es nicht. Das ist sowohl für Bewerber als auch für Arbeitgeber nicht sehr praktisch.

Die Tatsache, dass man sein Video auch mit einem Foto-Handy aufnehmen kann, finde ich etwas seltsam. Klar, im Zeitalter der neuesten Technologien ist mittlerweile alles möglich, aber welche Auflösung das Handy mindestens haben sollte, damit die Qualität des Videos auch wirklich gut ist, sollte angegeben werden. Allerdings bieten die Betreiber eine Art Drehbuch an, dass man sich als .pdf-Datei speichern kann. Jedoch werden da nur unzählige Fragen aufgelistet, die man im Video beantworten sollte.



Zeitaufwand

Da ein kurzer Eindruck der Bewerber reichen soll, um den Arbeitgeber zu überzeugen, sollen die Bewerbervideos nur zwischen 40 und 90 Sekunden lang sein. Das Bewerbungsvideo von Simonejedoch schafft es sogar noch unter 40 Sekunden. Sie braucht nur schlappe 14 Sekunden, um sich vorzustellen und spricht dabei so schnell, als würde sie von jemandem verfolgt werden.

Im Gegensatz dazu, bricht das Video von Johannabei 53 Sekunden einfach ab, obwohl sie offensichtlich noch nicht fertig ist mit erzählen, wie das so war mit den Kindern zu arbeiten. Damit rückt der Job wohl eher in die Ferne.

Wie oft die Bewerber jeweils probiert haben bis sie mit ihrem Video zufrieden waren, ist nicht ersichtlich. Allerdings glaube ich nicht, dass es tatsächlich von ihnen beabsichtigt war, dass die meisten Videos am Ende einfach abbrechen. Also stellt sich mir die Frage, sind die Bewerber allesamt unfähig ihr eigenes Video zu produzieren oder liegt es an der Seite?

Erfolgsquote

Eine Bewerbung über MyJobVideo scheint mir nicht sehr erfolgversprechend. Es verwundert, dass die Betreiber nirgendwo darüber berichten, dass schon erste Angebote bei den Bewerbern eingetroffen wären, was ja für den Erfolg der Seite sprechen würde.

Auch ist die Qualität der Videos teilweise so schlecht, dass man sie eigentlich keinem Arbeitgeber präsentieren dürfte.

Enige Bewerber kaum, weil sie entweder in sich rein nuscheln oder von den Hintergrundgeräuschen übertönt werden. Dazu kommt, dass die Zuordnungen der Videos nicht immer stimmen. So bewirbt sich zum Beispiel Jasminaals Stewardess, ihr Video ist allerdings unter IT/Kommunikation eingeordnet. Gleiches gilt für Benedikt, der sich laut Video für einen kaufmännischen Beruf interessiert, aber in den Bereichen Ingenieurwesen und Medizinische Berufe abgespeichert ist. Entweder sind auch hier die Bewerber nicht in der Lage mit einem Klick ihren Berufswunsch deutlich zu machen oder auch hier gibt es technische Mängel der Seite.



Das sagt der Experte

Hanspeter Fakler, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Freiburg, gibt Arbeitssuchenden folgende Tipps:
  • Bevor man so eine Plattform benutzt, muss auf jeden Fall geprüft werden, ob es sich auch um einen seriösen Anbieter handelt. Theoretisch könnte sich schließlich jeder auf so einer Seite präsentieren. Wenn es allerdings ein seriöser Anbieter ist, dann prüft der auch den Inhalt der Videos und stellt so sicher, dass die Nutzer und ihre Videos geschützt sind.
  • Eine Videobewerbung ist generell nur als Ergänzung zur normalen Bewerbung zu empfehlen. Der traditionelle Bewerbungsweg ist immer noch effektiver, vor allem in klassischen Branchen, wie dem Finanz- oder Rechtswesen. Wo sich so eine Videobewerbung anbieten könnte, wäre zum Beispiel in der IT- oder Medienbranche.
  • Außerdem ist zu bedenken, dass eine Bewerbung etwas persönliches ist. Eine Bewerbung geht eigentlich nur den Arbeitssuchenden und den Arbeitgeber etwas an. Wenn man sich und seine Bewerbung also öffentlich präsentiert, dann besteht die Gefahr, dass die Daten von Dritten missbraucht werden. Hinzu kommt, dass der Kandidat oder die Kandidatin sich eventuell lächerlich macht und sich somit jede Chance auf den Job verbaut.
  • Generell gilt, bevor man sein Bewerbungsvideo auf einer Plattform präsentiert, sollte man sich genau überlegen, ob das für den Beruf, den ich ausüben will, tatsächlich geeignet ist. Und wenn man sich tatsächlich für diese Art entscheidet, dann sollte sie nur ergänzend zu den normalen Bewerbungsunterlagen angegeben werden. Denn so ein Video alleine wird sicher nicht ausreichen, um einen Job zu bekommen.

Fazit

Für mich kommt ein Bewerbungsvideo auf myJobVideo.de definitiv nicht in Frage. Was meine Bewerbungen angeht, bleibe ich doch lieber bei der altmodischen Variante per Post und wenn gewünscht auch mal per Mail. Denn selbst wenn das Video nur als Ergänzung zur eigentlichen Bewerbung angeboten wird, so würde ich es eher auf eine CD-Rom oder als Video-Datei mitschicken als es für alle Welt sichtbar ins Internet stellen.

Mehr dazu:

Web: myJobVideo