Freiburg / Schliengen

Mutter fahndet nach mutmaßlichem Täter auf Facebook – Polizei warnt

Alexander Huber

Eine Mutter postet auf Facebook einen selbstverfassten Fahndungsaufruf. Ihre Tochter soll sexuell belästigt worden sein. Die Bilder verbreiten sich rasant, doch die Polizei stoppt den Alleingang.

Der Fall einer mutmaßlichen sexuellen Belästigung eines jungen Mädchens in einem Zug der Rheintalbahn hat am Sonntag und am Montag für größeres Aufsehen in den sozialen Medien gesorgt. Am Sonntagnachmittag postete eine Mutter auf Facebook eine Art privaten Fahndungsaufruf, wonach ihre 12-jährige Tochter in einem Zug von Freiburg nach Schliengen um die Mittagszeit von einem Unbekannten sexuell belästigt worden sein soll.


Angehängt an den Post waren mehrere Bilder, auf denen ein dunkelhäutiger Mann auf einem Sitz im Großraumabteil des Regionalzuges zu sehen ist. "Wer kennt diesen Mann?", schrieb die Mutter auf Facebook. Nähere Angaben dazu, was sich genau zugetragen haben soll, machte sie nicht. Der Eintrag entwickelte innerhalb kurzer Zeit eine enorme Reichweite. Am Montagvormittag war er bereits 8000 Mal geteilt worden, um die Mittagszeit war die 10.000-Marke überschritten.

Klare Ansage der Polizei: "So nicht!"

Ein Sprecher der Bundespolizei bestätigte gegenüber der BZ, dass dort der Vorfall bekannt sei und man sich der Sache angenommen habe. Weitere Auskünfte wollte die Polizei zunächst nicht erteilen – sowohl aus ermittlungstaktischen Gründen als auch aus Gründen des Opferschutzes, wie es hieß. Am Montagnachmittag veröffentlichte die Polizei Freiburg ihrerseits einen Facebook-Eintrag mit einer stark verpixelten und bearbeitete Version des ursprünglichen Posts und der klaren Ansage: "So nicht!"

Die Polizei erklärte: "Wir weisen an dieser Stelle darauf hin, dass das Veröffentlichen von Porträtfotos ohne Einverständnis des Abgebildeten eine Straftat darstellt und auf Strafantrag durch die Polizei verfolgt wird. Die Öffentlichkeitsfahndung im Internet samt Lichtbild des Gesuchten obliegt der Polizei und Staatsanwaltschaft und wird nach Beschluss eines Gerichts durchgeführt. Auch das Teilen eines entsprechenden Beitrags kann bereits eine Veröffentlichung darstellen." Der ursprüngliche Beitrag der Mutter ist inzwischen offline.