Musikarena A5: Start mit Schwierigkeiten

Carolin Buchheim

Am Freitag eröffnete in den Räumen des ehemaligen Funparks die Musikarena A5, und der Andrang war groß. "Rappelvoll war es", sagt Tobi, einer der Gäste des Abends, der früher gerne im Funpark gefeiert hat. "Bis drei Uhr war es super. Ganz so, wie der Funpark ganz früher einmal war." Doch dann ging das Licht an, die Musik aus und an den Kassen gab es Probleme.



"Kurz vor drei Uhr gab es eine Durchsage, dass sie wegen fehlender Sperrzeitverkürzung jetzt aufhören müssten", sagt Tobi. "Dann wurde das Licht an und die Musik ausgemacht. Sie wollten halt, dass die Leute bezahlen gehen. Dann sind alle zum Ausgang gestürmt, doch dort ging es nicht weiter. An den Kassen waren lange Schlangen."


Der Grund: Das elektronische Kassensystem. "Zunächst hat rund die Hälfte der Kassen für eine kurze Zeit versagt, dann kam es für eine halbe Stunde zu einem Totalausfall", erklärt Ulrich Brecht, Pressesprecher der Polizeidirektion Freiburg. "Dann haben die Gäste ihren Unmut entsprechend geäußert."

"Sie haben Aufstand gemacht", nennt das Tobi. " 'Wir wollen hier raus' haben einige geschrien'. Dann haben die DJs wieder Musik angemacht, um die Leute zu beruhigen." Später habe es dann zusätzlich auch noch Freibier und Frei-Tequila gegeben, um die Gäste milde zu stimmen.

Tobi gab sein Vorhaben, die Musikarena zu verlassen, erst einmal auf. "Ich habe mich raus in den Biergarten gesetzt. Da konnte ich sehen, wie manche versucht haben, über den Zaun raus zu kommen, weil sie nicht warten wollten, aber das hat nicht funktioniert. Der Zaun war zu hoch." Tobi blieb schließlich bis um fünf. "Da standen immer noch Leute an. Ich habe von anderen gehört, dass sie eine dreiviertel Stunde angestanden haben."

Trotzdem ist der Fünfundzwanzigjährige nicht ganz unzufrieden mit dem Abend. "Ich habe danach gleich gesagt, ich gehe da nie mehr hin. Aber jetzt, mit ein bisschen Abstand muss ich sagen, dass es bis um drei im Prinzip eben nicht schlecht war, wie früher im Funpark eben. Ich bin keiner von denen, die den Funpark früher verteufelt haben."

Tobi gefielen zum einen die Sauberkeit der frisch renovierten Diskothek, die zumindest bis zu den 3-Uhr-Tumulten anhielt, zum anderen die strengere Türpolitik. "Es waren nicht nur 16-jährige da, und auch als Normalo konnte man einen schönen Abend haben. Es gab mal endlich keine Goldkettchen-Pflicht."

Tobi will der Musikarena noch eine Chance geben. "Wenn die Tür weiterhin so streng ist, dann gehe ich aber vielleicht weiter hin."

Auch die Polizei bewertet den ersten Musikarena-Abend keineswegs als Katastrophe. "Es war nun einmal der enorme Zustrom an Besuchern, der zum Ausfall des Systems und den Wartezeiten geführt hat", sagt Ulrich Brecht. "Der Ablauf ging nicht schnell genug vonstatten, aber am Schluss lief es ruhig und friedlich ab. Außer diesen auffälligen Begebenheiten gab es aus polizeilicher Sicht nichts Nennenswertes zu berichten." Die Polizei war in überschaubaren Rahmen im Einsatz: Es gab eine einzige Körperverletzung, deutlich weniger als zu Funpark-Zeiten. "Es hat sich bisher ordentlich angelassen", sagt Brecht über den Kontakt zwischen Betreibern und Polizei und fügt hinzu. "Aber das war jetzt die Auftaktveranstaltung. Die Saison, die kommt erst, wenn es warm wird."

Die Musikarena-Betreiber äußern sich auf ihrer Website unter der Überschrift "Eine Stadt zeigt ihre (All)Macht" ausführlich zu den Ereignissen des Abends. Für die Betreiber trägt das Ordnungsamt Mitschuld am Chaos, da es die Gaststättenkonzession erst am Freitagmittag erteilt und die Sperrzeitverkürzung nicht ausgesprochen habe.

"Eine beantragte Verkürzung der Sperrzeit, wie sie allen anderen Diskotheken in Freiburg gewährt wird, hat man uns mit folgender Begründung vorerst abgelehnt:

„Da nach der für Gaststätten geltenden Sperrzeit um 3 Uhr früh mit vermehrten Straftaten im Umfeld der Diskothek gerechnet werden müsste, wird eine Sperrzeitverkürzung für die Musikarena A5 abgelehnt.“ (Eine Sperrzeitverkürzung gibt es übrigens nur noch in Baden Württemberg) Durch diese Maßnahme der Konzessionserteilung im letzten Augenblick hat man uns keine Möglichkeit einer Verwaltungsgerichtlichen Überprüfung mehr gelassen (Eilantrag).

Wir hatten auch keine Möglichkeit mehr diese Entscheidung hier auf unserer Homepage bekannt zu geben, was wir ausdrücklich bedauern. Im Klartext bedeutet diese vorläufige Entscheidung jedoch, dass man unseren Gästen von vornherein unterstellt, nach 3 Uhr früh Straftaten zu begehen. Eine solche – unserer Ansicht nach rechtswidrige Entscheidung – wird von uns nicht hingenommen.

Wir haben von allen Dj`s ab 2 Uhr durchsagen lassen dass wir bereits um 3 Uhr schließen müssen. Leider hat das niemand unserer Gäste , die natürlich in toller Partylaune waren , richtig einordnen oder glauben können. Als dann um 3 Uhr Feierabend geboten werden MUSSTE, stürmten ca. 1500 Gäste an die 4 Ausgangskassen.

Diesem Ansturm war das neue Personal noch nicht gewachsen, obwohl sie – in einer solch extremen Stresssituation- am Ende eine hervorragende Leistung erbracht haben. Man möge verstehen und verzeihen, dass in dieser Situation auch einmal ein Fehler passieren kann, der dann zum gesamten Systemabsturz führen kann. Diese beiden Systemausfälle dauerten jedoch nur ca. 3 Minuten. Die lange Wartezeit an den Kassen war, wie sich jeder selbst ausrechnen kann die Tatsache, dass alle Gäste gleichzeitig gehen mussten. Jede Bezahlung an einer Kasse dauert ca. 30 Sekunden. Somit können bei 4 Kassenanlagen pro Minute 8 Gäste ihre Rechnung bezahlen. Da die Stunde jedoch nur 60 Minuten hat, können theoretisch nur ca. 500 Gäste in der Stunde ihre Rechnung bezahlen.

Das Personal an den Kassen schaffte es dennoch in ca. 80 Minuten, bis der letzte Gast seine Rechnung begleichen konnte. Das in dieser Situation keine Panik ausbrach, verdanken wir vor allem der Besonnenheit und dem Verständnis all unserer Gäste, für das wir uns hiermit herzlich bedanken."


Die Betreiber geben an, das Ordnungsamt über mögliche Probleme mit dem Kassensystem bei großen Ansturm hingewiesen zu haben und wehren sich gegen die Vorverurteilung der neuen Diskothek und ihrer Besucher.

"Nicht dem bisherigen Betreiber, der ja für die vorherigen Zustände im „Funpark“ verantwortlich war hat man die Sperrzeitverkürzung entzogen, sondern nun uns und unsere jetzigen Gäste in eine Art „Sippenhaft“ genommen um sie für die Vorkommnisse der Vergangenheit zu bestrafen. Wir rechnen nicht damit, dass diese Entscheidung gegen uns von den Verwaltungsgerichten akzeptiert werden wird. Eine entsprechende Klage wird am Montag dem Gericht zur Eilentscheidung vorgelegt werden. Wir werden sie hier auf der Homepage nun laufend über den Stand der Dinge informieren.

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