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Musik hören in der Vorlesung? Musikwissenschaft im Studiengangcheck bei fudder

Leah Biebert

Jeder Jurist ist ein Schnösel, jede Psycholgie-Studentin hat einen Knacks: Vorurteile über Studierende gibt es viele. fudder erklärt, womit sich Freiburger Studiengänge wirklich beschäftigen und was an den Klischees dran ist. Heute: Musikwissenschaft.

Worum geht’s?

Auf der Suche nach systematischer Musikwissenschaft oder Musikethnologie wird man in Freiburg eher selten fündig. Bei uns wird die Musik in erster Linie aus einem historischen Blickwinkel betrieben. Die Musikwissenschaft stellt in diesem Fall ein breites Spektrum an historisch-theoretischen Disziplinen dar: Musikalische Analyse, historische Musiktheorie, Instrumentenkunde, musikalische Edition und Musikästhetik. Wir fragen nach dem "Wie" und dem "Warum".

Die Musik, mit der wir uns dabei beschäftigen, reicht von den Anfängen bis zur Gegenwart: Der Gregorianische Gesang des frühen Mittelalters findet bei uns genauso Beachtung wie die Zwölftontechnik des 20. Jahrhunderts.

Gender-Check

Die Tendenz: Mehr Männer als Frauen. Angesichts der geringen Menge an Musikwissenschaftsstudierenden ist das allerdings schwer zu sagen.

Ein Vorurteil, das völlig erfunden ist:

Wir werden später alle Taxifahrer. Vielleicht gab es diesen Fall ja mal; pauschal lässt sich das allerdings nicht sagen. Nach dem Musikwissenschaftsstudium geht man in die Forschung, arbeitet in der Dramaturgie, in Verlagen, im Bereich des Kulturmanagements oder des Journalismus oder man wird Koch.

Ein Vorurteil, an dem was dran ist:

"Dann spielst du ja auch ein Instrument." Richtig, die meisten von uns spielen tatsächlich eins. Das ist aber keinesfalls Voraussetzung fürs Studium. Praktisches Musik- und Instrumentenstudium findet an der Musikhochschule statt.

Der beliebteste Spruch

"Dann studierst du an der Musikhochschule?" Auch wenn eine enge Kooperation mit der Freiburger Musikhochschule besteht, haben manche von uns die Musikhochschule höchstens mal für eine Party betreten. Die Musikwissenschaft ist Teil der Geisteswissenschaften. Das Seminar liegt dementsprechend mitten in der Stadt: KG I, erster Stock, direkt gegenüber der UB und mit Ausblick auf den Platz der Alten Synagoge. Im Sommer ist Schwimmbadatmosphäre inklusive.

Warum man Musikwissenschaft studieren sollte:

Eine Frage, die selbst noch die Muwis beschäftigt, die ihr Studium schon längst abgeschlossen haben. Unser Privileg: Wir dürfen unser Hobby zum Beruf machen. Musikhören in der Vorlesung, dann eine Bassstufenanalyse als Zeitvertreib auf der Zugfahrt nach Hause. Abends Chorprobe und Thomas Daniels "Kontrapunkt"-Lehrwerk als Weihnachtsgeschenk.

Und: Bei uns kann man ganz wunderbar interdisziplinär arbeiten. Denn die Musikhistoriographie bezieht viele Nachbarfächer mit ein. Zugänge zu Geschichte, Philosophie, Germanistik und vielem mehr sorgen dafür, dass jeder seinen individuellen Platz in der Musikwissenschaft finden kann.

Das nervt

Die Brandschutzbestimmungen. Früher trennte nämlich mal eine Wand unser Seminar vom restlichen Flur ab. Die durfte da aber nicht bleiben. Von heimeliger Atmosphäre ist nun keine Spur mehr. Und noch viel schlimmer: Der einzige Fluchtweg aus der nebenan liegenden Aula führt durch unseren Hörsaal – one way.

Als noch störender empfinden allerdings viele die Tatsache, dass für die Teilnahme an Hauptseminaren Lateinkenntnisse vorausgesetzt werden. Die man letztendlich doch nicht so wirklich braucht. Aber ok, so hat man wenigstens den Ergänzungsbereich schon mal mit ein paar ECTS-Punkten gefüllt.

Was Musikwissenschaftsstudierende in der Vorlesung machen

Kaffeepause. Zumindest in der wöchentlichen Dienstagsvorlesung, die immer um 11 Uhr für fünfzehn Minuten unterbrochen wird, damit sich Dozenten und Studierende mit von der Fachschaft bereitgestellten Heißgetränken und Keksen stärken können.

Wo Musikwissenschaftsstudierende anzutreffen sind

Im Cheers. Alternativ auch im Konzert oder in der Kirche an der Orgel. Sollten sich doch mal ein paar Muwis in die Uni verirren, so sitzen sie meist in Grüppchen auf den Sofas der Bibliothek oder halten einen Plausch mit den Hiwis.

Work-Life-Balance

Mehr Life als Work. Im Bachelor nimmt das Nebenfach jedenfalls oft sehr viel mehr Zeit in Anspruch als die Musikwissenschaft.

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