Musik für die gepflegte Frühlingsmelancholie

Carolin Buchheim

Musikalische Melancholie mit Flügel und akustischer Gitarre, das können nicht nur Maximilian Hecker, Kristofer Aström und die Jungs von Keane und Coldplay: Nein, Julian Heidenreich kann das auch. Julian Wer? Julian Heidenreich? Noch nie gehört, den Namen? Macht nichts, das ändern wir jetzt.Der 24-jährige Münchner, der zuletzt mit Heather Nova und Tele tourte, spielt am Samstag Abend im Drifters. Sollte man hingehen, wenn man sich gerade mit leicht moll-lastige Frühlingsgefühle herumschlägt, die ein bisschen musikalisch gepflegt werden wollen. Einfache Musik macht Julian Heidenreich. Klassisch, simpel und warm ist sein erstes Solo Album The Secular Proof mit akustischer Gitarre, Flügel, Bass und Schlagzeug instrumentiert, und getragen werden die zehn Songs von einnehmende Melodien und Julian Heidenreichs samtig-rauen Stimme, die, wenn man sie über Kopfhörer hört, fast ein bisschen zu nah an einen ran kommt. Und dabei Gänsehaut verursacht.Die Presseinfo schlägt Julian Heidenreichs Musik als Soundtrack für 'eine Nachtfahrt über verschneite Landstraßen, den Sonnenuntergang am nächsten Atlantikstrand (oder Baggersee), dem Biertrinken mit Freunden während man vom Hausdach aus die schlafende Stadt beobachtet' vor. Sie sei wie 'eine Winterreise im warmen (Kunst-) Pelzmantel die einem zum Nachdenken anregt und dich trotz all ihrer Ruhe auch aufgeraut entlassen kann.' heisst es weiter.Das kann man arg kitschig finden und als schrecklich klischee-igen Pressetext abtun, aber wenn man das Album gehört hat, diese zehn Songs voller Hoffnung auf und Enttäuschung über die Liebe und all das was so dazu gehört, dann kann man das auch einfach genau so unterschreiben.Samstag Abend also eine Extrapackung Taschentücher einpacken, Oder - viel besser eigentlich- gleich den Verursacher beziehungsweise die Verursacherin der moll-lastigen Frühlingsgefühle mit ins Drifters nehmen. Vielleicht wird es dann ja noch was, denn moll hoch zwei ergibt ja vielleicht dur.[Samples aller Songs von "The Secular Proof" und zwei Videos findet man übrigens auf Julian Heidenreichs Website.]