fudder-Interview

Musik aus dem Bergdorf: Wie die Exil-Mannheimer von Sea Moya ihre Platte produziert haben

Julia Caspers

Die Mannheimer David Schnitzler, Elias Foerster und Tilmann Ruetz haben sich in Kanada zum Bandprojekt Sea Moya zusammengeschlossen. Mit ihrer neuen Platte "Falmenta" treten sie am 15. Dezember in Freiburg auf.

Das Debütalbum der drei Mannheimer ist unter anderem in dem kleinen Bergdorf Falmenta in Italien entstanden, das Namenspate für die Platte stand. Am 15. Dezember spielen David Schnitzler und Elias Foerster zusammen mit Schlagzeuger Tilmann Ruetz mit ihrem Bandprojekt Sea Moya im Great Räng Teng Teng in Freiburg. Im Interview mit fudder haben die David und Elias über ihre Zeit in Montreal sowie ihre Freude an Synthesizern gesprochen.


Eure zweite EP "Baltic States" ist auf einem Roadtrip durch das Baltikum entstanden. Für euer Album "Falmenta" habt ihr euch in ein kleines Dörfchen nahe des Lago Maggiore zurückgezogen, seid dann nach Montreal gezogen und habt es dort fertiggestellt. Inwiefern entsteht eure Musik aus dieser Abenteuerlust?

Elias: Jedes Mal, wenn wir uns auf einen Studiotrip begeben, ist das inspirierend, weil wir uns aus dem Alltag heraus bewegen und das gewohnte Umfeld verlassen. Allein die Tatsache, nicht abends seine Freunde zu treffen oder immer das gleiche Café zu besuchen, wo man sich sonst immer seinen Espresso gönnt, sondern die tägliche Routine aufzubrechen - das alles gibt viel Inspiration. Speziell in den baltischen Staaten war es spannend, da wir mit einem mobilen Studio in unserem Bus unterwegs waren und in Falmenta haben wir unser Studio in einer alten Hütte aufgebaut. Man geht natürlich anders ans Songwriting heran, weil man gar nicht das ganze Equipment dabei hat. Wir mussten uns auf das Minimum beschränken und haben uns deshalb mit den vorhandenen Instrumenten intensiver auseinander gesetzt.

Ohne pauschalisieren zu wollen, aber in Montreal kam uns vieles lockerer und einfacher vor. David Schnitzler

Montreal steht als Großstadt ziemlich stark im Gegensatz zu einem kleinen Bergdorf. Habt ihr mit Montreal einen Kontrast zu dieser Naturidylle gesucht?

David: Das Bergdorf Falmenta war bewusst gewählt, weil es abgelegen ist und wir daher nicht so vielen Dingen ausgesetzt waren, die uns irgendwie stimulieren könnten. Montreal war da schon eher zufällig, weil wir Lust hatten uns mal woanders hinzubegeben. Das hat sich vor allem auf unser Alltagsleben bezogen, weniger auf die Musik. Falmenta war gezielt für die Musikproduktion, Montreal eher, weil wir nach einer neuen Umgebung gesucht haben. Wir hatten gehört, dass viele Bands und Labels daher kommen, die wir gut finden. Zudem ist es erschwinglich dort zu wohnen. Es war davor keiner von uns je in Montreal gewesen, aber ja, es war eine gute Wahl.



Gibt es einen großen Unterschied zwischen der Musikszene in Kanada und Deutschland?

David: Da wir jetzt auf Tour in Deutschland sind, fallen uns die Unterschiede gerade wieder besonders auf, vor allem was den Zugang zur Musik anbelangt oder wie man sich selbst als Band versteht und präsentiert. Ohne pauschalisieren zu wollen, aber in Montreal kam uns vieles lockerer und einfacher vor, insbesondere die Liveauftritte. Bands präsentieren sich da schneller und unkomplizierter auf der Bühne. In Deutschland wird das oft verbissener und ernsthafter betrieben. Ein konkretes Beispiel wäre, dass man in Deutschland für ein Konzert zum Teil vier Stunden vorher einen Soundcheck macht und alles sehr akribisch durchgeht. In Kanada bekommt man vielleicht eine Stunde vor dem Konzert eine kurze Nachricht, ob man kommen möchte, mit dem Hinweis, dass es zwar keine richtige Beschallungsanlage gibt, aber es schon irgendwie funktionieren wird.

Elias: Teilweise jammen die Leute mehr, als dass sie nur auskomponierte Songs spielen. Aus so einer Zusammenkunft bildet sich dann eventuell eine Band auf der Bühne, die irgendwann eine Facebookseite erstellt, aber dieser Vermarktungsfokus, das Darstellen oder Erfolgsorientierte – das ist dort nicht so stark, was meiner Meinung nach, die Kreativität fördert.

Mit dem ersten Album sind wir jetzt, glaube ich, schon näher am Sound, zu dem wir hinwollten. David Schnitzler

Euer Sound klingt weder nach einsamen Dorf noch nach hektischer Großstadt, sondern eher leichtfüßig und funkig: Wie genau seid ihr auf den Sound gekommen?

David: Es war eine Suche für uns, auf die wir uns 2014, 2015 mit den ersten zwei EPs begeben haben. Mit dem ersten Album sind wir jetzt, glaube ich, schon näher am Sound, zu dem wir hinwollten. Diese Soundsuche ist geprägt von dem, was uns gerade beschäftigt – sowohl auf persönlicher als auch auf musikalischer Ebene. Da lässt jeder von uns Unterschiedliches mit einfließen, weil uns vieles beeinflusst: Sei es der Ort, an dem wir schreiben, die Musik, die wir gerade hören oder die Stimmung, in der wir jeweils sind.

Eure Songs wirken vor allem live wie ein spontanes Ausprobieren oder steckt da überall eine strikte Struktur dahinter?

Elias: Im Studio jammen wir tatsächlich recht selten. Es ist meistens so, dass einer die Grundidee für den Song mitbringt und dann arbeiten wir zusammen dran weiter. Das Problem ist, dass wir in der Produktion total frei sein möchten und abgekapselt von der Liveperformance den Song entwickeln wollen. Das wiederum live auf der Bühne umzusetzen, ist aber meist so nicht möglich, weil wir dort nur sechs Hände zur Verfügung haben. Daher gehen wir live oft sehr frei und verspielt an die Songs heran, damit wir sie auch flüssig vortragen können und dabei nicht der Produktion hinterherrennen.

Eure Musik baut auf sehr vielen Synthesizerspielereien auf. Woher kommt diese Faszination für Synthesizer ?

Elias: Es ist jedes Mal total inspirierend, wenn man einen neuen Synthesizer, beziehungsweise am besten einen neuen alten, in der Hand hat. Da steckt so etwas wie ein Herz drin, irgendwas, was eine Stimmung erzeugt. Oft entstehen bei mir dann viele Bilder und Emotionen, die ich aufgreifen kann. In der heutigen Zeit ist Technik etwas so Alltägliches, was so viele Bereiche unseres Lebens bestimmt. Es macht Sinn, sich davon auch musikalisch inspirieren zu lassen. Die Interaktion zwischen der Maschine und der Band ist etwas sehr Spannendes. Und es ersetzt natürlich Hände.

David: Es ist einfach wie eine ganz große Spielwiese, wo wir viel Spaß haben, Songs zu finden. Oder wir probieren etwas aus, bei dem ein Sound entsteht, den wir noch nicht gehört haben, der aber gut zu einer Stimmung oder einem Song passt. Die Möglichkeiten erscheinen manchmal geradezu endlos.

Elias: Was den Computereinsatz anbelangt, habe ich schon sehr runtergeschraubt. Eine zeitlang habe ich am Computer total viel mit virtuellen Synthesizer und Programmiersprachen zur Klangerzeugung experimentiert. Ich habe aber gemerkt, das ist ein Fass ohne Boden. Da geht zu viel Energie verloren und beim Computer fehlt mir auch die emotionale Tiefe. Wenn ich mich hingegen mit meinen modularen Synthesizern hinsetze und dann an Sounds bastele, dann hat das für mich etwas sehr Direktes, weil ich Rückmeldung bekomme in Form von hörbaren Geräuschen.



Am 15. Dezember spielt ihr ein Konzert in Freiburg. Verbindet euch etwas mit dieser Stadt?

David: Meine Eltern haben in Freiburg studiert und sie haben mir immer viel Schönes berichtet und später hatte ich auch Freunde dort, die ich hin und wieder besucht habe. Ich bin in Heidelberg groß geworden, was vielleicht so etwas wie die Partnerstadt zu Freiburg ist, mit einem ähnlichen Vibe und weil beide Städte in Baden-Württemberg sind, gibt es da auch so etwas wie eine geografische Schwesternschaft.

Elias: Mein Bruder hat Musik in Freiburg studiert und dann habe ich ihn damals mit 18 Jahren dort besucht. Das war das Allergrößte für mich: Mit ihm zusammen auf WG-Partys zu gehen. Es war so richtig, wie man es sich vorstellt. Alles war total entspannt, hippiesk und alle Menschen waren super nett und freundlich – es war ein sehr schönes Wochenende. Als ich danach heim ins Allgäu kam, habe mir gedacht: Oh man, ich will jetzt auch endlich weg hier!

David:
.. und ich hab meinen ersten Absinth im Schlappen getrunken! Ich dachte, es passieren jetzt bestimmt krasse Sachen, denn ich trinke Absinth im Schlappen – aber es ist einfach nichts passiert.
Verlosung

fudder verlost unter allen Mitgliedern im Club der Freunde zwei Mal zwei Tickets für das Konzert von Sea Moya am Samstag, 15. Dezember 2018 um 21 Uhr.

Mitglied in fudders Club der Freunde kannst Du hier werden. Um zu gewinnen, schicke eine E-Mail mit deinem Namen und dem Betreff "Montreal" an gewinnen@fudder.de.

Sollten keine Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist Mittwoch, 19. Dezember, um 12 Uhr. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt.

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Was: Sea Moya
Wann: 15.Dezember, 21 Uhr
Wo: The Great Räng Teng Teng
Eintritt: 12,80 Euro
Web: Sea Moya auf Bandcamp & Facebook & Sea Moya auf Soundcloud