Murielle Elizéon: Die Freiheit der Marionetten

Stephan Elsemann

Murielle Elizéon, in Nizza aufgewachsen, ist seit diesem Jahr Tänzerin bei PVC, der Tanzcompanie am Theater Freiburg. Vor der Premiere des neuen Stücks unterhielt sie sich mit Stephan Elsemann – auf englisch und manchmal auch auf französisch.



Murielle, in dem neuen Stück geht es auch darum, dass man eine Reise um die ganze Welt machen muss, um durch die Hintertür ins Paradies zu gelangen. Wenn's schon nicht das Paradies ist, wären Sie jetzt nicht lieber in Nizza ?

Sehr gern. Ich bin es so leid mit dem schlechten Wetter. Aber nächste Woche fahre ich tatsächlich nach Nizza, nur ein paar Tage, und ich freue mich so sehr auf die Sonne.

Nur ein paar Tage ?

Ja, denn wir haben Vorstellungen vor Weihnachten und vor Silvester. Wir zeigen "Monadical" am 21. Dezember und "Das letzte Kapitel" am 29. Dezember.



Also erst mal kein Paradies für Sie?

Das gibt es sowieso nicht für mich, und auch keine Rückkehr zu meinen Ursprüngen. Das wäre ja auch sehr kompliziert in meinem Fall.

Warum ?

Weil die sehr vermischt sind. Meine Mutter ist Italienerin, mein Vater kommt von La Réunion. Er hat afrikanische und indische Wurzeln. Aber auch im Stück geht es weniger um persönliche Ursprünge, sondern die Wahrnehmung von dieser Realität.  Auch im Stück gibt es kein Paradies. Es ist mehr wie (überlegt) "grincer des dents", mit den Zähnen knirschen.

Wir können auch französisch reden....

C'est magnifique! Das ist ja wunderbar.



Im Stück geht es ja auch darum, dass tanzende Marionetten frei sind, weil sie nicht denken und die Schwerkraft nicht spüren. Wie komponiert man Schritte für etwas, das frei ist, weil es unbelebt ist?

Wir haben viel gelesen und lange geredet. Dann haben wir uns im Studio gegenseitig Aufgaben gestellt, improvisiert und uns dabei von Einfällen und Assoziationen leiten lassen.

Das klingt aber nicht sehr außergewöhnlich.

Ist es aber. Denn der Regisseur Tom Schneider ist eigentlich mehr ein Theaterregisseur. Das Schöne an der Produktion war: Wir konnten unsere ganz unterschiedlichen Erfahrungen zusammenführen.



Wie sind die Tanzschritte entstanden ?

Das klappte so gut, weil der Regisseur uns die Freiheit dazu gelassen hat – die Freiheit der Marionetten, wenn man so will. Wir hatten zuerst viele Zweifel, wie wir das angehen. Nicht einfach ein paar Tanzschritte zu kombinieren, oder narratives Tanztheater zu machen, sondern das Thema von innen heraus anzugehen.

Freiheit der Marionetten, das bedeutet für viele Tänzer Engagements in mehreren Städten. Wie ist es bei Ihnen, leben Sie aus dem Koffer ?

So war das letztes Jahr. Aber jetzt bin ich fest hier. Ich wohne in einer WG zusammen mit Tommy Noonan, meinem Partner im Stück und noch einem Tänzer aus der Company. Das ist schon lustig. Schon fast wie verheiratet leben wir. Wir wohnen zusammen, essen zusammen und arbeiten noch den ganzen Tag an der selben Produktion.



Und weil Tänzer immer zusammenhängen, müssen sie kein Deutsch können, auch wenn sie ganz lange in Deutschland arbeiten.

Hey, wir drei nehmen zusammen bei einer Deutschlehrerin Stunden. Also, wir werden das schaffen. Aber es stimmt schon, wenn wir unter uns sind, reden wir englisch. Aber ich nehme mir meine Auszeiten (wechselt ins Französische) "des moments ou je suis sauvage", meine ungezähmten Momente.



Mehr dazu:

  • Was: Das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt von pvc
  • Wann: Heute, 13.12., 20.00 Uhr. Weitere Vorstellungen 15.12., 29.12., 4.1.
  • Eintritt: je nach Kategorie 12/16 €, Studentenermäßigung 7 € (außer Premiere), Tel. 0761/201-2853