Mundraub.org: Frisches Obst, selbst gepflückt und ganz umsonst

Anna-Lena Zehendner

Ein Baum voller saftig roter Kirschen, mitten im Nirgendwo. Kein Zaun drum herum, keine Anzeichen, dass der Baum irgendwem gehört, und weit und breit ist niemand zu sehen. Die Äste des Baums biegen sich durch, einigen Ballast hat er schon auf die Straße abgeworfen. Zugreifen wäre so einfach. Darf man das? Die Macher der Website Mundraub.org finden: Ja!

Auf einer Paddeltour kam Katharina Frosch (Bild unten rechts) zusammen mit Kai Gildhorn die zündende Idee für die interaktive Plattform. „Am Bachlauf wuchsen so viele Mirabellen und Zwetschgen, dass sie uns quasi ins Kanu gefallen sind. Gleichzeitig hatten wir aber Äpfel aus Argentinien an Bord“, sagt Katharina. So entstand die Idee, diese wild wachsenden Obstreichtümer auf einer interaktiven Landkarte im Netz  für alle sichtbar und nutzbar zu machen. „Freies Obst für freie Bürger“ ist das Motto von Mundraub.


Inzwischen kümmern sich fünf junge Menschen in Berlin um das Projekt, das vor einem Jahr gestartet wurde.  Mitmachen ist ganz einfach: Auf der Mundraub-Karte sind „frei nutzbares“ Obst und Gemüse in ganz Deutschland eingetragen, das geerntet werden kann. Wer selbst eine Stelle mit Obst und Gemüse gefunden hat, kann sie direkt in die Karte eintragen. Rund 500 Obst- und Gemüse-Fundstellen sind mittlerweile in ganz Deutschland verzeichnet. In Südbaden ist die Karte jedoch noch leer: Gerade einmal drei Stellen rund um Freiburg und eine in der Nähe von Lörrach sind eingetragen.

Und ist die wilde Obsternte nun legal oder nicht? „Hier die Grenze zu ziehen, ist schwierig“, sagt Rechtsanwalt Claudio La Malfa aus Waldkirch. „Mundraub gibt es nicht mehr, heute spricht man von Diebstahl. Und um tatsächlich von einer Straftat zu sprechen, brauche ich im strafrechtlichen Sinne einen Vorsatz. Das heißt: Es muss mir vorher bewusst gewesen sein, dass der Obstbaum, an dem ich Früchte genommen habe, einem Bauern gehört.“

Die Betreiber der Mundraub-Karte betonen zumindest, dass sie auf keinen Fall irgend jemanden zum Diebstahl animieren wollen. Es gehe in erster Linie darum, dass kein herrenloses Obst am Baum verrotten soll. „Bäume oder Sträucher, die auch tatsächlich von Bauern oder anderen Personen genutzt werden, sind gar nicht unser Ziel“, sagt Katharina. Um Missbrauch vorzubeugen, wird jeder Eintrag in die Karte so kontrolliert. „Wir prüfen selbst vor Ort oder durch ein Luftbild“, sagt Katharina. „Außerdem vertrauen wir unserer Community. Sie ist wachsam und wenn es irgendwo Missbrauch gibt, wird er erkannt.“



Bisher mussten erst drei Einträge wieder aus der Mundraub-Map entfernt werden. Und wer durch einen falschen Eintrag in die Karte versehentlich Obst erntet, das doch jemandem gehört, hat ohnehin wenig zu befürchten. „Solche niedrigen Straftaten werden meistens nicht weiter verfolgt. Man macht sich da höchstens den Bauern zum Feind“,  sagt Rechtsanwalt La Malfa.

Feinde möchte sich Mundraub natürlich keine machen und setzt daher auf die Kommunikation mit den Usern. „Es wird gerade eine neue Version unserer Internetseite produziert, die die Benutzerkommunikation verbessert“, erklärt Katharina. „So kann schon bald Nutzer A zu Nutzer B sagen: ’Ich habe einen Garten mit vielen Obstbäumen. Kommt doch alle vorbei und bedient euch.’“ Das wäre dann wirklich absolut legaler Mundraub.

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