Münstermarkt-Original Paul ist tot

Joachim Röderer

Tiefe Trauer am Münsterplatz um ein Original: Paul Karle-Hämmerle ist tot. Der bekannte und beliebte Betreiber eines Wurststandes auf der Südseite starb am frühen Mittwochmorgen an plötzlichem Herzversagen.



Paul Karle-Hämmerle wurde nur 53 Jahre alt. Viele Stammkunden und Marktbeschicker trauern mit Ehefrau Silke, Sohn Florian und der ganzen Familie.


Auf dem Münsterplatz nahe des Renaissanceportals brennen Kerze an der Stelle, an denen sonst an allen Markttagen der Wagen von Pauls Imbiss stand. Marktbeschicker haben auch ein Bild von Paul Karle-Hämmerle aufgestellt. Viele Marktleute hatte ihren Arbeitstag immer mit einem Kaffee bei Paul begonnen.

Ein Original vom Münsterplatz

Am Montag hatte der sich beim Marktmeister für ein, zwei Tage frei genommen. Ihn plagte eine Grippe - nicht Ernstes, dachten er und seine Familie. Als seine Angehörigen am Mittwoch um 4 Uhr sich von ihrem Wohnort in Winden im Elztal auf den Weg zum Markt nach Freiburg machten, hatten sie noch mit Paul geredet. Er wollte sich noch schonen und am Donnerstag wieder am Stand stehen. Doch wenige Stunden später gegen 6 Uhr ist dann sein Herz stehengeblieben.

Die Erschütterung und die Anteilnahme sind groß. Auch Dompfarrer Wolfgang Gaber, ein Freund von Paul, kann die Nachricht noch nicht fassen: "Er war eine Institution und er gehörte einfach zum Münsterplatz", sagt der Dompfarrer. Seit 15 Jahren hatte der Metzger aus dem Elztal seinen Stand auf der Südseite. Direkt gegenüber stand immer der Spezialitätenwagen seines Schwiegervaters Ludwig Hämmerle, den Pauls Frau Silke Hämmerle vor einiger Zeit übernommen hat. Paul hatte den Münsterplatz geliebt, wie einmal erzählte: "Da spürt man einfach diese unheimliche große Macht im Rücken", sagt er einmal über seinen Arbeitsplatz direkt neben der gotischen Kathedrale.

Paul Karle-Hämmerle , früherer Ringer und einstiger südbadischer Meister im Halbschwergewicht, war der erste Wurstverkäufer, der nach den vier ursprünglichen Stammbeschickern einen Stand auf der anderen Platzseite eröffnete. Er hatte seinen eigenen Stil, seine eigene Art und immer eigene (niedrigere) Preise, die er oft bei Bedarf auch noch mal abwandelte, wenn er jemandem eine Freude machen wollte. Er hatte eben eine soziale Ader. Die Stammkundschaft liebten Pauls Würste, die Lange Rote, die grobe Elztäler oder die Pfiffikusse. Sie liebten aber auch seinen Humor, seine Sprüche und seine Schlagfertigkeit. Er duzte alle, er behandelte alle gleich - egal, ob Arbeiter oder Professor.

Die längste Schlange an der Südseite

Nicht umsonst war vor Pauls Stand immer die längste Schlange. Auch mit Touristen aus aller Welt konnte er gut. "Ich hänge mittlerweile in jedem zweiten japanischen Schlafzimmer", scherzte er erst neulich, nachdem er wieder mal für ein Handyfoto posiert hatte.

Paul sei ein besonderer Marktbeschicker gewesen, mit seiner direkten und immer korrekten Art der Kommunikation, heißt es auch bei der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe. "Er war ein herzensguter und stets großzügiger Mensch", sagt Dompfarrer Wolfgang Gaber. "Er nimmt den Fahrstuhl direkt in den Himmel, so viel Gutes hat er getan."

Sohn Florian schrieb am Donnerstag bei Facebook, dass der Tod des Vaters eine große Leere und noch größere Fußstapfen hinterlasse. Noch könne die Familie nicht sagen, ob sie seinen Stand weiterführen könne und dürfe. Geschockt reagiertn die Kunden: "Mit Paul geht ein Stück Freiburger Tradition", schrieb einer. Und anderer ergänzte: "Der Münsterplatz wird nie mehr derselbe sein. Gute Reise, Paul."

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