Mudiator 2015 in Freiburg: Gegen den Matsch

Marius Buhl

Matschgrube, Eiswasserrutsche, Baumstammschleppen: Mit dem ersten Freiburger Mudiator ist am Sonntag an der Messe eine Lauftortur gestartet, gespickt mit heftigen Hindernissen. fudder-Redakteur Marius Buhl war dabei – und berichtet aus dem Matsch:



Der Matsch kommt, als ich schon fast kollabiert bin. Gerade bin ich acht Kilometer unter glühender Sonne gelaufen, bin über drei Meter hohe Wände geklettert und habe mich an einer Sprossenleiter entlang gehangelt. Und nun also das Matschbecken. 50 Zentimeter hoch steht der Schlamm. Alles in mir sträubt sich, in diesen Sumpf einzutauchen. Feixend klatschen die Zuschauer und scheinen damit zu sagen: "Na los, du wolltest es doch so." Der Matsch, muss man wissen, ist so etwas wie das Symbol der Höllentortur, an der ich teilnehme. Sie heißt Mudiator (das Englische mud bedeutet Matsch) – und verlangt den Teilnehmern Kondition, Mut, Kraft und Matschresistenz ab.


Zwei Strecken haben die Organisatoren hergerichtet, mit Start und Ziel auf der Messe. Eine ist acht Kilometer lang, gespickt mit 26 Hindernissen und nennt sich Legionär. Es ist die Strecke fürs Fußvolk. Die andere ist doppelt so lang, hat über 50 Hindernisse und heißt Herkules. Es ist die Strecke für, man ahnt es, Halbgötter. Ich mache die kleine Runde.

Es gibt gemütlichere Dinge, die man am Wochenende tun kann. Das wird mir bewusst, als ich loslaufe und das Möbelhaus Ikea passiere. Ein kleiner Einkaufsbummel, Köttbullar essen, das wäre gerade das Paradies. Das vor mir, das ist die Hölle: Die Strecke windet sich durch den Mooswald. Mal rennt man, mal schleppt man Baumstämme, mal watet man durch einen Bach und muss an fast senkrechten Betonwänden hoch- und runterrennen. Und immer knallt die Sonne vom Himmel und macht die Beine extraschwer. Wobei ich Glück habe: Am Nachmittag regnet und donnert es – und die Spätstarter haben zusätzliche Probleme.

Die Begeisterung, sich den Qualen auszusetzen, dürfte aber nichtgeschrumpft sein. Um Rennen wie den Mudiator gibt es derzeit einen weltweiten Hype. In Freiburg nehmen am Sonntag über 2600 Sportler teil, bundesweit bieten Veranstalter dutzende solcher Läufe an, in den USA entwickelt ein Labor eigens Hindernisse – auch Elektroschock-Barrieren, Eiswasser-Becken und eingefettete Halfpipes. In Freiburg gibt es diese extremen Hindernisse nicht.

Dafür stehe ich vor einer etwa 50 Meter langen Strecke zum Sackhüpfen. Ich lächle. Das kennt man noch von Kindergeburtstagen. Dann hüpfe ich los – und stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Das Hüpfen verbraucht letzte Kraftreserven, die Bewegung ist so untypisch, dass ich pausieren muss, aber anhalten ist nicht drin. Noch stehen zwei Laufkilometer an, dazu Sandberge, ein Labyrinth und eine Wasserrutsche. Und diese Matschgrube, über der ein Gitter liegt, das nur wenig Platz zum Luftholen lässt. Ich springe, lege mich flach, halte die Luft an und tauche. Der Matsch ist braun und stinkt, er klebt und landet in meinem Mund und meinen Ohren. Der Matsch ist eklig. Auftauchen. Der Matsch war super.



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[Foto 1: Rita Eggstein, Foto 2: Miroslav Dakov]