MTV, Accra, Zumba: Das aufregende Leben einer Freiburgerin, die ohne Castingshow Popstar werden will

Gabriel Ohanowitsch

Freiburg, Accra, Berlin - die Freiburgerin Milena Minuth aka Milena Milu hat seit 21. Juli ihr erstes Album "Love Struggle" aus dem Ofen, ihr Video zum Reggae-Tune "Never Let You Down" rollt über MTV, VIVA und Youtube. Ein fudder-Interview über Berlin-Stress, Reggae-Projekte in Ghana und den täglichen Kampf um die Finanzierung des Musikertraumes.



Milena, wie ist es für dich, wieder in Freiburg zu sein?


Total entspannt
, ich merke dass ich endlich wieder runterkomme. Man merkt das hier an kleinen Gesten, wenn man vom Busfahrer gegrüßt wird zum Beispiel.

Kennst du noch viele Leute in Freiburg?

Ja, einige kenne ich noch. Doch auch an Fremden kann man eine gewisse Gemütlichkeit erkennen. Die Berglandschaft ist super, ich kann richtig durchatmen hier nach dem ganzen Berlin-Stress.

Du bist in Freiburg aufgewachsen?

Eigentlich im Wildtal. Aber ich habe die Waldorfschule in der Wiehre besucht. Danach haben Freunde und ich in der 12. Klasse eine eigene Schule gegründet, das kam damals auch auf fudder. Und danach bin ich für 2 Jahre nach Ghana.

Wie kamst du gerade auf Ghana?

In Ghana habe ich einen Freiwilligendienst geleistet. Nach einem Jahr gefiel es mir so sehr, dass ich noch ein Jahr drangehängt habe. In Freiburg hatte mich jemand angesprochen, der wusste, dass ich Musik mache, und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, ein Musikprojekt zu gründen und zu leiten. Meine Aufgabe war es, Jugendliche in Tanz und Musik zu unterrichten, bis zu 50 Kids. Wir haben auch eine CD aufgenommen, die dann am Goethe-Institut in Accra [Das ist die Hauptstadt von Ghana] veröffentlicht wurde und dazu Musikvdeos gedreht.

Auf deinem Album sind ja auch einige Kollaborationen mit ghanaischen Künstlern, welchen Kontakt pflegst du nach Ghana?

Die Hauptkompositionen hat ein Ghanaer gemacht, auch sonst habe ich einige Kontakte dorthin. Eine Ghanaische Zeitschrift hat erst neulich über mich geschrieben.

Bist du dort auch ab und an zu Besuch?

Nach den zwei Jahren Freiwilligendienst war ich noch zwei Mal zu je einem Monat dort.

Wann zuletzt?

Das ist jetzt schon fast zweieinhalb Jahre her. Ich wär so gerne nochmal hingeflogen, aber ich habe jetzt entschieden, das Geld in ein eigenes Tonstudio zu packen, damit ich einfach ein wenig unabhängiger werde, um dann mit ein wenig mehr Geld in der Tasche so bald wie möglich wieder nach Ghana zu fliegen.

Auf deiner Website gibst du an, du bist Sängerin/Tänzerin/Producerin. Ganz allgemein: Wie kamst du zur Musik?

Mit vier habe ich Klavierunterricht genommen. Das Songwriting fing dann schnell an, weil ich nie Bock hatte, Noten zu lesen, und ich kann's auch bis heute nicht gut. Deswegen habe ich auch schon damals versucht, eigene Melodien zu machen und das hat sich dann so entwickelt, ganz ohne irgendwelche Workshops, oder so...

Das Tanzen?

In Berlin habe ich drei Jahre eine Ausbildung zur Sängerin und Tänzerin gemacht, deswegen bin ich auch dort hin gezogen.

Was hat dich damals zum Umzug nach Berlin bewogen?

Also damals hatte ich das Gefühl, dass hier in Freiburg im Bereich Reggae/ Dancehall noch nicht so viel los war. Und umso positiver bin ich überrascht zu sehen, dass sich hier inzwischen eine große Szene entwickelt hat. Ich habe total gutes Feedback bekommen und in der kurzen Zeit hier schon viele Kontakte geknüpft habe, ob's jetzt zu Reggae Freiburg ist oder zu verschiedenen Djs.

Wie gefällt es dir in Berlin?

Die eigene Laune bestimmt in Berlin oft, wie wohl man sich dort fühlt. Wenn es einem selber gut geht, ist es die Stadt der Möglichkeiten. Wenn es mal nicht so gut läuft, merke ich auf der anderen Seite, dass es einen auch runterziehen kann. Wenn man die ganzen Junkies sieht zum Beispiel. Aber an sich ist Berlin vielfältig und multikulturell. Ich wohne in Neukölln, Viele denken „Oh Gott, Neukölln, Hermannstraße...“ aber du kommst nie durch dunkle Straßen. Du kennst alle. Es gibt zwar mal ein paar Schießereien, die sind aber intern.

Wie fühlt sich das an, wenn die eigenen Songs auf MTV und VIVA gespielt werden? Wie kam es überhaupt dazu?

Ich habe mir über die Jahre ein großes Netzwerk aufgebaut. Das von MTV und VIVA kam über zwei Ecken, von einer Freundin einer Freundin quasi. Die hat mich auf meiner Facebook-Seite schon länger verfolgt. Die meinte, wenn ich soweit bin, soll ich doch das fertige Material einfach einschicken und wenns passt leiten sie das weiter. Auf den Seiten ist das ja schon zu finden, ich weiß gar nicht ob das überhaupt noch im Fernsehen läuft?

MTV und VIVA sind mittlerweile nur noch Pay-TV...

Ja, sowas... Auf jeden Fall ist es ein Risiko. Das ist schon ein Risiko, immer nur Geld renizubuttern. Schön. wenn endlich etwas zurückkommt.

Du hast also unabhängig davon deine Albumpläne verfolgt, auf eigenes Risiko.

Klar, ich habe unglaublich viel Geld reingesteckt, ganz ohne Plattenfirma. Ich merke auch, dass ich das nicht mehr lange ohne eine Agentur machen kann. Ich muss quasi eine ganze Firma alleine leiten: Website, Promo, der kreative Teil rückt da fast schon in den Hintergrund. Ein Team würde vieles erleichtern.

Sind denn schon Auftritte geplant?

Den letzten hatte ich beim Karneval der Kulturen in Berlin (Anm. 22.-25.5. 2015), da sind auch Teile des Videos entstanden. Es kann sein, dass ich jetzt ganz spontan ein, zwei Auftritte in Freiburg organisiert bekomme. Der Rest wird erst geplant, wenn ich wieder in Berlin zurück bin. Hauptsächlich in Clubs. Ein zweites Musikvideo steht auch in Planung. Das wird in Köln gedreht.

Was ist das Konzept?

Professionell improvisieren?! Mehr haben wir noch nicht. Der Kameramann lebt in Köln, der ist Ghanaer.

Du hältst also dein ghanaisches Netzwerk am Leben?

Genau! Witzigerweise treffe ich immer wieder Ghanaer. Erst neulich in der MCDonalds-Toilette in Freiburg. Da arbeiten immer Ghanaer! Wenn man sie auf ihrer Sprache, Fanti, anspricht, freuen die sich immer ohne Ende. Es kam auch raus, dass wir total viele gemeinsame Leute kennen. In Freiburg würde ich auch gerne mal ein Video drehen, muss aber erstmal noch einen Kameramann auftreiben.

Du als One-Woman-Label bist sicherlich ausgelastet. Hast du dennoch andere Projekte am Start? Als Tänzerin beispielsweise?

Mein Hauptverdienst ist momentan das Tanzen. Ich gebe 13 Tanzkurse die Woche beim Uni Hochschulsport.

Welche Art von Tanz?

Zumba, Hip-Hop, Jazz. Hin und wieder mache auch ein, zwei kleinere Jobs. Viele Dinge laufen auch über Tauschgeschäfte. Ich hab da beispielsweise eine Grafikdesignerin, die für mich gelegentlich Dinge erledigt, dafür gebe ich ihr Gitarrenstunden. Solche Dinge gibt es ganz oft; da ich nicht viel Geld habe, versuche ich immer, Rabatte auszuhandeln oder meine Talente anzubieten.

Das klingt eigentlich aufregend.

Ja ist es auch! Es gibt zwar viele Leute, die sagen: „Komm mal runter, studier was richtiges!“ Manchmal muss ich mich auch motivieren, aber ich denke, wenn nicht jetzt, wann dann. Es kann natürlich sein, dass es auch nicht funktioniert, aber ich setze alles auf eine Karte. Wenn es dann nicht funktionieren sollte, findet sich schon etwas Anderes.



Mehr dazu:

Das Album "Love Struggle" von Milena Milu erschien am 21.7.2015. Man kann es bei iTunes downloaden, auf Spotify anhörenoder bei Amazonbestellen.
[Foto: Cornelius Schiffmann]