MTB am Rosskopf: Alles zum neuen Downhill

Dana Hoffmann

Bereicherung für Freiburger Mountainbiker: Am Rosskopf bietet seit neuestem eine kurvenreiche, präparierte Strecke mehr Abwechslung bei der Abfahrt. Ansgar Wasmer (22) hat den Trail geplant und zusammen mit Freiwilligen angelegt. Dana ist mit ihm den etwa 3,5 Kilometer langen Downhill gefahren und hat dem Pistenbauer danach einige Fragen gestellt.



Es kostet mich ein bisschen Überwindung, an dieser Stelle Schwung zu holen. Ich könnte alternativ auch rechts um die Kurve fahren, einfach auf dem breiten Weg bleiben, dauerbremsend aber sicher nach unten rollen. Ich bin heute aber nicht zum Spaß auf den Rosskopf gestrampelt, sondern um die Tauglichkeit des neuen Mountainbiketrails zu testen, der sich seit Mitte des Jahres am Hang hinab schlängelt.


Enge Kurven, Steilstücke und ein kurzer Anstieg liegen vor mir, soviel weiß ich schon, seit ich mit Ansgar Wasmer, dem Ideengeber des Trails, gen Gipfel getreten bin. „Ich habe in Kanada gesehen, wie solche Trails geplant werden und aussehen können. Da hat jeder kleine Ort seine eigenen Strecken im Wald angelegt“, sagt der 22-Jährige.



Beeindruckt und ebenso beladen mit Ideen hat sich Ansgar nach seiner Rückkehr ans Forstamt gewendet. Die waren sofort dabei, meint der gebürtige Waldshuter. Man hätte anscheinend sowieso vorgehabt, den Radfahrern entgegen zu kommen.

30 Helfer haben sich im Frühling an den Ausbau der Strecke gemacht. Bis in den November zogen sich die Bauarbeiten, die Kurvenführung auf dem vorher sehr steilen ersten Stück wurde zuletzt fertig gestellt. „Mit so etwas wird man vermutlich nie richtig fertig“, sagtt Ansgar und fegt mit dem Fuß Laub und kleine Äste von der Strecke.



Die einzige Auflage, die der Mathe- und Physikstudent bei Planung und Umsetzung erfüllen musste: Keine künstlichen Bauten, keine Sprünge. Meine Erleichterung bei dieser Nachricht entspricht allerdings nicht unbedingt der Grundstimmung der Freiburger Bikeszene: In einem Mountainbikeforum werden Bauvorhaben für „Obstacles“(Bikerdeutsch für Hindernisse, die aufgrund der besonderen Schwierigkeit den Spaß erhöhen sollen) angekündigt und Wünsche nach Rennen auf der Strecke geäußert.

Ansgar, der sich für den Trail verantwortlich fühlt, lehnt das ganz klar ab: „Wir haben diese Vereinbarungen mit dem Förster und an die müssen wir uns halten, sonst wird die Strecke einfach dicht gemacht.“ Auf Kamikazeaktionen von übermotivierten Fahrern hat er ebenso wenig Lust wie auf Sabotageakte durch Wanderer. Angeblich waren es solche Naturfreunde, die versucht haben, mit Steinen und kleinen Ästen auf dem Weg die vermeintlichen Rad-Rowdys auszubremsen. „Wir müssen aufeinander Rücksicht geben, anders wird das hier langfristig nicht funktionieren.“

Teile der neuen Mountainbikestrecke sind gleichzeitig auch als Wanderwege ausgewiesen. Kollisionen hätte es zwar noch keine gegeben, aber einige Biker seien teilweise etwas übermütig.

Was man von mir wirklich nicht behaupten kann. Aber ich komme voran. „Das erste Stück ist vielleicht für Anfänger etwas schwierig“, hatte Ansgar mich vorgewarnt. „Danach kann aber eigentlich jeder fahren.“



Inzwischen habe ich die ersten Kurven hinter mir gelassen, Ansgar schiebt schon wieder seinen 18-Kilo-Bock nach oben. „Ich bin Hobbyfahrer, wettkampforientiertes Training mach ich eigentlich nicht.“ Tatsächlich fährt Ansgar auch erst seit knapp fünf Jahren Mountainbike, seine Rennstarts und gleichzeitig auch -erfolge kann er an ein paar Fingern abzählen: Downhillrennen in den Vogesen und Garmisch-Patenkirchen, der Süddeutsche Dual Cup und ein paar mal Four Cross.

Heute nimmt er aus Rücksicht auf mich ein bisschen Gas raus, ist dabei aber immer noch so schnell, dass ich zweimal zu spät auf den Auslöser drücke und einmal vor Schreck den Hang runter rutsche. „Der Trail ist nicht nur als Downhillstrecke gedacht. Jeder soll hier einfach eine schöne und abwechslungsreiche Abfahrt haben, egal wie schnell er ist.“ Verständnisvolles Lächeln in meine Richtung.



Um Spaziergänger, Forstbeamte und Radfahrer zu schützen, haben Ansgar und seine Helfer an den Stellen, an denen der Trail die breiten Schotterwege kreuzt, Hindernisse (echte, keine Obstacles) gebaut, um die Raser zum Bremsen zu zwingen. Warnschilder sollen kommen.

Die Strecke weist schöne Details auf: Die Anlieger (Steilkurve) sind mit Holzscheiten, Steinen und Ästen befestigt, natürliche Schikanen wie Wurzeln und Bodenwellen in die Piste integriert. An keiner Stelle haben die Biker in die Natur des Waldes eingegriffen. Den größten Teil des Weges gab es schon vorher, wenn auch stark zugewuchert.

„Wir bauen nächstes Jahr weiter, es gibt viel zu tun, gerade hier“, meint Ansgar und deutet auf die letzten Meter, die mich noch vom Platz vor der Jugendherberge und asphaltiertem Boden trennen. Wie den ersten Abschnitt stuft er den letzten als „für Anfänger vielleicht ein bisschen schwierig“ ein. Nicht ganz einfach ist auch die Namensfindung für den Trail.



Deshalb sind Eure Namensvorschläge in den Kommentaren willkommen. Wer die zündende Namensidee für den Trail gibt, gewinnt eine Army Cap von Trickstuff.

Mehr dazu:

  • Den Beginn des Trails kennzeichnet noch kein Schild. Deshalb diese kleine Orientierungshilfe: Du stehst mit dem Rücken zu den Treppenstufen des Rosskopfturms. Linker Hand, an der Grillstelle vorbei, beginnt der breite Wanderweg bergab. Diesem folgst du etwa 15 Meter. Bei der ersten scharfen Rechtskurve geht der Trail links ab, kreuzt im weiteren Verlauf immer wieder den breiten Weg und endet an der Jugendherberge. Viel Spaß!