Mr. Many rockt on

Bernd

Schmutzig, verschwitzt und laut - so wie Rock&Roll zu sein hat. Mr. Many & the Teddyshakers haben der Welt beim ZMF mal gezeigt, wer sie sind. Unser Autor Bernd freut sich auf viele weitere legendäre Konzertabende.

Die Auswirkungen der Gesundheitsreform, die das Bundeskabinett unter Angelina Merkel während der Fußball-WM beschlossen hat, kümmern Manfred Sievert wenig. Er wird seinen Arbeitsplatz bei der AOK Südlicher Oberrhein am Fahnenbergplatz in Freiburg zum 1. Oktober 2006 räumen und seinen wohl verdienten Ruhestand antreten.


Am 30. September, seinem letzten Arbeitstag wird er den einzigen persönlichen Gegenstand auf seinem Arbeitsplatz, einen als Briefbeschwerer verwendeten Miniatur-Totenkopf aus indonesischen Tiefseemuscheln, von seinem Schreibtisch entfernen, mit dem Aufzug ins Tiefgeschoss fahren und mit seiner nagelneuen Harley Davidson XL 1200L Sportster in der Abendsonne verschwinden. Mit dem Zufallen des Tiefgaragentores wird niemand mehr je etwas von Manfred Sievert hören.

Was das alles mit dem ZMF zu tun hat, fragen Sie sich? Oh, sehr, sehr viel! "Manfred Sievert"; ist der fiktive Name einer Kunstfigur, die der Rock&Roll-Sänger Many erfunden hat. Many, bekannt auch als Mr. Many, ist seit genau drei Jahrzehnten der Frontmann der bekannten Freiburger Formation "Many & the Teddyshakers". Während einer Konzertpause beim legendären Woodstock-Festival kam ihm die Idee, sich aus PR-Gründen ein künstliches “alter ego” zuzulegen. So schuf er sich den Charakter des "Manfred Sievert", den er im totalen Kontrast zu seiner eigenen schillernden Existenz als einen stinknormalen, bürgerlichen Sachbearbeiter bei einer Krankenversicherung anlegte.

Diese Figur war jedoch so lebensecht konstruiert, dass sie schon sehr bald - womit der echte Many nie gerechnet hatte - ein umfangreiches und letztlich kaum noch zu kontrollierendes Eigenleben entwickelte, morgens in den Geschäftsräumen der AOK auftauchte, nach kurzer Zeit einen Büroraum beanspruchte, eigenmächtig Akten aus Schränken herausnahm, diese von Zeit zu Zeit sogar sporadisch bearbeitete, ab und zu auch Bescheide verfasste, Kolleginnen und Kollegen nach Gutdünken lobte und tadelte und somit recht bald unentbehrlich wurde. Er schreckte sogar nicht davor zurück, den AOK-Studenten-Service als Leiter des Kundencenters an sich zu reißen.

Nicht wenige AOK-Mitarbeiter glauben BIS HEUTE, dass es diesen Manfred Sievert tatsächlich gibt. Seine Kollegin Anja hat mir glaubwürdig versichert, dass er nach durchzechten Nächten morgens wie jeder andere Mensch zerknittert aussieht, Kollegen mit “Gemach, Gemach!” begrüßt, tagsüber wieder in Form kommt und sich nachmittags mit einem forschen "Bis morgen, B-A-B-Y!" verabschiedet. Damit wird aber bald Schluss sein. Many ist seine zweite Existenz zu lästig geworden. Er sieht keine andere Möglichkeit, als seine nie alternde Kunstfigur zum 1.10. dieses Jahres in Rente zu schicken. Danach wird es nur noch den einzig wahren Many geben, nämlich den Rock&Roll-Sänger Mr. Many.

Freuen wir uns also auf unzählige weiterte Konzerte mit ihm, die immer legendär waren und weiterhin legendär sein werden. So wie der Auftritt am Samstag im überfüllten Spiegelzelt auf dem Mundenhofgelände. Es war schmutzig, verschwitzt und laut, so wie Rock&Roll zu sein hat. Mit den Jahren mögen bei Mr. Many die Gesten sparsamer, dafür aber die Ringe an den Fingern zahlreicher geworden sein, dem Erlebnis tat es keinen Abbruch.

Seine Stimme war unglaublich präsent und die Band ebenfalls gut gelaunt und spielfreudig. Das hämmernde Killer-Rock-Piano von Mr. Conny (Bläsi) und die präzisen Bassgitarren-Riffs von Mr. Wolfgang (Erwe) waren ebenso für den fetzigen Sound verantwortlich wie die treibende Rhythmusgitarre von Mr. Nils (Kaiser) und die stampfende Schlagzeugunterstützung durch Mr. Mike (Schillinger).

Das Tüpfelchen auf dem “i” waren die überraschenden Gastauftritte der beiden Damen Jasmin und Elke, denen durchaus eine weitere Bandzugehörigkeit zu wünschen wäre. Kurzum, es war ein weiterer grandioser Liveauftritt, der mich veranlasst, Many aus ganzem Herzen zuzurufen: "Many rock on! You are too old to die young!"