MPdrei - die Nacht der iPod-DJs

Marc Schätzle

Es war: ungewohnt, unberechenbar, unterhaltsam, abwechslungsreich, skurril, inspirierend, neu. Bei der ersten MPdrei-Party im Waldsee gab es gestern kein Vinyl und keine DJs - das Partypublikum bestimmte selbst die Musik der Nacht: Jeder MPdrei-Gast konnte zu hause sein eigenes Set mixen und auf einem MP3-Player einreichen. Wer tatsächlich ran durfte, wurde in einer Lostrommel entschieden. Ein Abend also, bei dem das musikalische Programm mit einem unberechenbaren Zufallsgenerator versehen war. Wir haben zugehört.



Auf den ersten Blick sah es einfach so aus, als ob der DJ nur mal eben pinkeln war. Doch der Platz am Mischpult, wo sonst der Sound gesteuert wird, blieb zu lange verwaist. Statt dessen verrichteten dort cremefarbene iPods genügsam ihre Arbeit. Alle 30 Minuten änderte sich der Sound, und zwar war zuweilen recht abenteuerlich: gepflegter Gitarrenindie, knarzende Electro-Beats, jazziger HipHop, jammernde 70er-Jahre-Space-Rock-Gitarrensoli. Manchmal passte das zusammen wie Thunfisch-Sushi und Erdnussbutter - dementsprechend pendelte die Stimmung auf dem Tanzflur, der sich ab Mitternacht recht gut füllte, zwischen Vergnügen und Verwunderung.




Mehr als 30 iPod-DJs haben mitgemacht, zwölf davon durften ihren Player an die Anlage anschließen - die meisten hatten noch nie zuvor als DJ aufgelegt. So wie Xifan Yang (18, Foto links), die zuvor nur bei sich zuhause ein bisschen gemixt hatte. Die Abiturientin vom Freiburger Goethe-Gymnasium hat eine Mischung aus Indie-Music und Electro zusammen gestellt - "alles Lieder, zu denen ich selber gerne tanzen würde." Julius Pfetzer (17, rechts) vom Droste hat ebenfalls seine Lieblingslieder mitgebracht: Black Twang, Fisherspooner, Armand van Helden. Ausgelost wurde er nicht. Hätten die Leute auf sein iPod-Set getanzt? "Auf jeden Fall".

"Ich fand es spannend, dass alle ein bisschen aufgeregt waren, als sie ihren iPod an die Anlage angeschlossen haben", sagt Katharina Egy (Foto unten links) von den MPdrei-Veranstaltern. "Alle haben sich Gedanken darüber gemacht, ob die Musik, die sie selber mögen, auch den anderen gefällt." Und wenn jemand die Kastelruther Spatzen mitgebracht hätte? Jürgen Oschwald, ebenfalls Veranstalter, war davor nicht bange: "Dann wird's spaßig." Eine Musikzensur gab es nicht: "Was kommt, kommt."



Der Gewinner des Abends war Karsten Franz (26, oben rechts). Bei der Verlosung nach Mitternacht wurde sein Name gezogen, er durfte einen iPod shuffle mit nach hause nehmen. Bei der nächsten MPdrei-Party wird er sicherlich sein eigenes Set mixen und mitbringen.