Move it! Freiburger Jugendgipfel geht in die zweite Runde

Frank Zimmermann

"Move it" heißt die zweite Ausgabe des Jugendgipfels, der am kommenden Freitag, 30. April, im Haus der Jugend stattfindet. Der Tag steht unter dem Motto "Vielfalt der Kulturen". Eingeladen sind alle Freiburger Jugendlichen zwischen 12 und 20 Jahren. Organisiert wird der Gipfel von 27 Schülerinnen und Schülern der Klasse 9b der Wentzinger-Realschule und dem Jugendbüro im Jugendbildungswerk. Um was es beim Jugendgipfel geht und was alles zur Vorbereitung gehört, darüber sprach Frank Zimmermann mit der 16-jährigen Fatima Elmyr und dem 15 Jahre alten Raffael "Raffi" Bender.

 

Gipfel kennt man vor allem aus der Politik. Ist euer Gipfel auch eine eher ernste Angelegenheit?

Raffael: Wir wollen ernste Themen – beispielsweise die Vor- und Nachteile verschiedener Kulturen – ansprechen, das allerdings mit Spaß und Spiel verbinden.

Fatima: Wenn man Achtklässlern mit Kulturthemen kommt, dann sagen die oft erstmal „kein Bock“ und dass sie am Nachmittag in ihrer Freizeit etwas Besseres zu tun haben, als über Kulturen zu reden. Wir wollen den Jugendlichen schon etwas beibringen in Workshops und Theaterstücken, aber wir versuchen das so zu machen, dass sie dabei Spaß haben.

Wie seid ihr denn auf das Thema „Vielfalt der Kulturen“ gekommen?


Fatima:
Wir haben uns erst einmal in unserer Klasse umgeguckt, da gibt es sehr viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. Ich selbst komme aus Marokko.

Raffael: Meine Mutter ist Deutsche und mein Vater Afroamerikaner aus den USA, ich selbst bin aber hier geboren.

Sind die Unterschiede zwischen deutschen und Schülern mit Migrationshintergrund bei euch in der Klasse groß? Sind das zwei getrennte Welten?

Raffael: Es gibt sowohl Freundschaften als auch Trennungen und Konflikte.

Fatima: Diese Konflikte entstehen vor allem durch Vorurteile, und genau die wollen wir beim Jugendgipfel beseitigen

Einer der Schirmherren des Jugendgipfels ist SC-Spieler Ömer Toprak.

Raffael: Er steht dafür, dass man als Mensch mit Migrationshintergrund in Deutschland Erfolg haben kann und eben nicht für diese Vorurteile gegen Menschen mit Migrationshintergrund steht. Leider kann er beim Jugendgipfel nicht persönlich dabei sein, weil er am nächsten Tag mit dem SC in Köln spielt. Aber wir haben ihn interviewt und zeigen das beim Jugendgipfel als Video.

Wer macht alles mit bei den Vorbereitungen?

Raffael: Unsere ganze Klasse organisiert das zusammen mit dem Jugendbüro im Jugendbildungswerk: Den Ablauf, die Workshops, den Markt der Möglichkeiten, das organisieren wir alles selbst. Wir haben uns dazu in Gruppen aufgeteilt, eine kümmert sich ums Rahmenprogramm, eine andere um die Inhalte der Veranstaltungen und Workshops und eine dritte um Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. Die Vorbereitungen laufen seit Schuljahresanfang.

Fatima:
Zuerst haben wir gedacht: Wow, wie sollen wir einen ganzen Tag planen? Wird das nicht peinlich? Aber wir haben mit der Zeit gemerkt, dass es gar nicht so schwer ist. Spätestens nach den Weihnachtsferien hat es dann bei vielen klick gemacht, viele sind richtig erwachsener geworden. Wir haben natürlich auch geguckt, was die Organisatoren im vergangenen Jahr – das waren allerdings Gymnasiasten aus der elften Klasse – so gemacht haben. Da wussten wir schon, was gut und was nicht so gut ankommt.

Was habt ihr gelernt in der sechsmonatigen Vorbereitungszeit?


Raffael:
Offener auf Menschen zuzugehen und zu versuchen, sie für etwas zu begeistern. Für meinen Kopf war es schon eine Weiterbildung, so etwas Großes zu organisieren. Ich glaube auch, dass uns das später im Beruf mal von Nutzen sein könnte.

Fatima:
Wichtig ist wirklich, alles bis zum Ende durchzudenken. Und dass man seine Idee auch wirklich konsequent bis zum Schluss durchzieht.

Was erwartet die Gipfel-Besucher?

Raffi: Los geht es um 10 Uhr mit einem Wollmob auf dem Rathausplatz: Dort wollen wir ganz viele Jugendliche versammeln, die sich auf dem ganzen Platz verteilen und dann einen bunten Wollknäuel kriegen: Einer hält das Ende fest und wirft, der nächste fängt das Knäuel und macht es genauso, so dass ein großes, buntes Netz entsteht. Wir haben eine Wette mit dem Oberbürgermeister laufen, dass wir ganz viele Jugendliche dazu bringen mitzumachen.

Fatima: Im Haus der Jugend gibt es ab 11 Uhr verschiedene Workshops, zum Beispiel zum Thema arabische Mode. Ein Kopftuch ist nicht nur ein Kopftuch, sondern man kann Vieles mit verschiedenen Tüchern machen. Außerdem habe ich einen Sing-Star-Contest organisiert, es gibt ein Tischtennisturnier.

Raffael: und ein kleines Fußballturnier. Wir bieten Workshops zu Bereichen wie Theater, Gesang, Breakdance, Graffiti und Kochen an. Der Theaterworkshop wird zum Beispiel von der Improtheatergruppe Mauerbrecher geleitet. Man kann auch einen „Markt der Möglichkeiten“ besuchen, bei dem Vertreter von Organisationen und Jugendzentren ihre Arbeit vorstellen. Und es gibt Talkshows zu den Themen Sprache und Heimat.

Fatima: Das sollen aber keine typischen Talkshows sein, bei denen einer redet. Die Jugendlichen im Publikum sollen schon auch mitmachen und sagen, was Heimat für sie ist.

Raffael:
Und es wird über den Tag verteilt kleine Auftritte von verschiedenen Bands geben und am Abend eine große Party mit Djs.

Mehr dazu:

Der Jugendgipfel findet am kommenden Freitag, 30. April 2010, im Haus der Jugend, Uhlandstraße 2, von 11 Uhr bis 22 Uhr statt; bis auf das Essen und die Party am Abend sind alle Veranstaltungen kostenlos.

Vor dem Jugendgipfel gibt es um 10 Uhr einen Flashmob auf dem Rathausplatz. Die Party mit DJs und Bands (Ironic Entertainment, MC Chillerman, die HipHop-Band Qult) von 18 bis 22 Uhr kostet 3 Euro (inklusive eines Getränks).

Einen Antrag auf Schulbefreiung für den Jugendgipfel gibt es im Jugendbüro, Uhlandstraße 2, 0761/ 79 19 79-90. Am Tag selbst wird es eine Teilnahmebestätigung geben. Anfragen per Mail info@jugendbuero.net. [Foto: Thomas Kunz]