Morgen auf dem ZMF: Chopin-Recital mit Kevin Kenner

Manuel Lorenz

Dirty old Chopin, man glaubt es kaum, darf heuer 200 Kerzen ausblasen. Und dass der Iggy Pop des Pariser Salonbetriebs nicht nur mondsüchtige Nachtstücke geschrieben hat, zeigt morden der US-amerikanische Pianist Kevin Kenner mit einem bunten Bouquet Chopin’scher Tastenmusique: Walzer, Mazurken, Scherzi, Polonaisen. Und still und heimlich eine Nocturne.



Schon im vergangenen Jahr zauberte das ZMF mit Saleem Abboud Ashkar einen Pianisten aus dem Zylinder, dessen Name nicht bekannter war, als jener eines x-beliebigen Big-Brother-Kandidaten. Dabei handelt es sich bei Kevin Kenner aber keineswegs um einen B- oder gar C-Promi des Klassikbetriebs, sondern um einen vielfach prämierten Geheimtipp (er hat unter anderem den Chopin-Preis 1990 erhalten), dessen CD-Einspielungen vom – kultig! – polnischen Label DUX vertrieben werden.


Die einen sagen ihm äußerliche Ähnlichkeiten mit dem Metallica-Drummer Lars Ulrich nach, andere halten ihn für einen Piano-Paganini, dessen Hände schneller über die Tasten fliegen, als ihr Schatten. Am ehesten geht er allerdings als klanglicher Chopin-Impersonator durch, der jeden Las-Vegas-Elvis zur Wackelfigur deklassiert.

Staub, Hitze, Schweiß, Lärm. Und mitten drinnen Fryderyk Szopen.

Kevin Kenner spielt Chopins Scherzo Nr. 3, Op. 39 auf dem Chopin-Wettbewerb in Warschau, 1990

Quelle: YouTube

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