Altersgutachten

Mordfall Maria: Hussein K. ist laut Gutachten mindestens 22 Jahre alt

Hussein K., der im Verdacht steht, die Studentin Maria L. umgebracht zu haben, soll mindestens 22 Jahre alt sein. Die Staatsanwaltschaft Freiburg hat jetzt das vorläufige Ergebnis der medizinischen Alterseinschätzung vorgelegt.

Neuigkeiten im Mordfall Maria L.: In dem Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Mordes gegen den angeblich 17-jährigen Hussein K. liegen der Staatsanwaltschaft die beauftragten medizinischen Gutachten zur Altersfeststellung des Tatverdächtigen vor. "Die medizinischen Gutachten legen nahe, dass der Beschuldigte zur Tatzeit bereits Erwachsener (mindestens 22 Jahre) war", meldet die Staatsanwaltschaft am Mittwochvormittag. Die Ermittlungen - auch zur Altersfeststellung - seien jedoch noch nicht abgeschlossen.


Sollte K. als Erwachsener vor Gericht kommen, droht ihm bei Verurteilung wegen Mordes lebenslänglich

Vor einer abschließenden Entscheidung auch zur Altersfeststellung sollen "weitere Erkenntnisquellen" ausgeschöpft werden, heißt es. Dazu zählen auch Akten in Griechenland. Um das Alter zu ermitteln, wurden mehrere medizinische Verfahren angewandt. Die Gutachterin spreche von einer "hohen Wahrscheinlichkeit", dass der Tatverdächtige älter als 22 Jahre sei, so Oberstaatsanwalt Michael Mächtel gegenüber der BZ.

Da Hussein K. laut Gutachten Erwachsener und damit im Falle eines Schuldspruchs nach dem Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden könnte, droht ihm bei einer Verurteilung wegen Mordes eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Wäre er nur
zwischen 18 und 21 Jahre alt und damit Heranwachsender, würde das Verfahren ebenfalls in jedem Fall öffentlich am Landgericht geführt. Bei Heranwachsenden wird ebenso wie bei Minderjährigen die Anklage jedoch von einem Jugendstrafgericht verhandelt. Nach Jugendstrafrecht, das auch für Heranwachsende angewandt werden kann, wäre das Höchststrafmaß eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Bei Minderjährigen liegt das Höchstmaß auch bei Mord bei 10 Jahren Gefängnis.

Jugendamt Freiburg beurteilte K. 2015 als "zweifelsfrei minderjährig"

Vom Freiburger Jugendamt war der aus Afghanistan stammende Flüchtling Hussein K. im November 2015 als "zweifelsfrei minderjährig" eingestuft worden. Sein Alter hatte er damals mit 16 Jahren angegeben. Er muss aber laut den aktuellen Gutachten damals schon mindestens 19 Jahre alt gewesen sein.

Er wurde als unbegleiteter minderjähriger Ausländer (UMA) geführt, was eine bessere, engmaschigere, aber auch deutlich teurere Betreuung garantiert. Er kam zur Betreuung in eine afghanische Akademikerfamilie, die im Freiburger Osten lebt. Dort lebte er bis zu seiner Festnahme. Wegen Suizidgefahr wurde der Tatverdächtige wenige Wochen nach der Verhaftung ins Haftkrankenhaus Hohenasperg bei Ludwigsburg verlegt. Er schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Hussein K.’s Anwalt kennt Gutachten noch nicht

Der Anwalt von Hussein K. kennt das Gutachten noch nicht und kann sich deswegen dazu auch noch nicht äußern. Dass ein vorläufiges Ergebnis vorliegt, habe er, so der Anwalt, durch die Veröffentlichung auf badische-zeitung.de mitbekommen. Die Staatsanwaltschaft habe argumentiert, dass wegen quasi täglicher Presseanfragen die Kernaussage des Gutachtens jetzt veröffentlicht worden sei. Der Anwalt bestätigte auch, dass sich sein Mandant weiter im Gefängniskrankenhaus befindet.

Seine Frisur brachte die Polizei auf die Spur von K.

Laut Staatsanwaltschaft soll K. am frühen Morgen des 16. Oktober 2016 auf dem Dreisamuferweg beim SC-Stadion die 19 Jahre alte Medizinstudentin Maria L. brutal überfallen, sexuell missbraucht und getötet haben. Sie war auf dem Heimweg von einer Studentenparty im Institutsviertel zur Thomas-Morus-Burse, ihrem Wohnheim in Littenweiler.

Als Todesursache wurde Ertrinken festgestellt. Ermittelt wird wegen Mordes. Die Kripo geht nach BZ-Informationen davon aus, dass Hussein K. die junge Frau absichtlich so im Wasser der Dreisam abgelegt hat, dass das Opfer keine Chance zum Überleben hatte.

Der Tatverdächtige konnte nach fieberhaften Ermittlungen der mehr als 60-köpfigen Soko Dreisam am 2. Dezember in Littenweiler festgenommen werden. Auf seine Spur waren die Ermittler durch ein auffälliges blondiertes Haar gekommen, dass Kriminaltechniker im Labor beim aufwändigen Durchsuchen eines Dornbuschs vom Tatort gefunden hatten. Das Haar ließ konkrete Rückschlüsse auf die Frisur zu.

Eine junge Polizeimeisterin entdeckte den Täter dann auf Videoaufnahmen in der Straßenbahn. Anhand des Bildmaterials wiederum erkannten zwei Polizisten vom Polizeiposten Littenweiler den mutmaßlichen Täter auf der Straße. Hussein K. ließ sich widerstandslos festnehmen. Gegen Mitternacht hatten die Ermittler durch die Vergleiche im Labor Gewissheit: Die am Tatort gefundene DNA stimmte mit der des jungen Afghanen überein.

K. wurde in Griechenland wegen Angriff auf eine junge Frau auf Korfu verurteilt

Im Zuge der weiteren Ermittlungen wurde bekannt, dass Hussein K. schon im Sommer 2013 auf der griechischen Insel Korfu eine junge Studentin überfallen und über eine hohe Hafenmauer geworfen. Damals war er wegen versuchten Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Nach zwei Jahren profitierte er von einer Amnestie in Griechenland und kam nach Deutschland. Seine Daten und DNA waren von den griechischen Behörden nicht ins internationale Fahndungssystem eingegeben worden – weswegen er bei der Einreise und der dort vorgenommenen erkennungsdienstlichen Behandlung nicht aufgefallen war.

Mehr zum Thema: