Endingen

Mordfall Carolin G.: Polizei sucht mit Phantombild nach unbekanntem Mann

Martin Wendel

Im Fall der ermordeten Carolin G. aus Endingen geht die Polizei mit einem Phantombild an die Öffentlichkeit. Zudem setzte sie in den Weinbergen einen Spürhund auf Geruchsspuren aus dem Mordfall Lucile K. in Kufstein an – und er schlug an. Fünf Monate nach der Tat.

Bei ihrer Suche nach dem Mörder von Carolin G. geht die Soko "Erle" mit einem Phantombild an die Öffentlichkeit. Gesucht wird ein Mann, der von Zeugen am Tattag, dem 6. November 2016, am Nachmittag im Bereich zwischen Endingen und Bahlingen gesehen wurde, dessen Identität den Ermittlern aber nach wie vor Rätsel aufgibt.


Bei der Person könne es sich um einen Zeugen handeln, möglicherweise aber auch um einen Tatverdächtigen, so Polizeisprecher Walter Roth gegenüber der Badischen Zeitung. Der Gesuchte soll männlich, etwa 50 bis 55 Jahre alt und zirka 1,75 bis 1,80 Meter groß sein.

Polizei und Staatsanwaltschaft erhoffen sich mit der Veröffentlichung des Phantombildes weitere Hinweise aus der Bevölkerung und fragen:
  • Wer kennt den abgebildeten Mann, oder wer kann Hinweise zu dessen Identifizierung geben?

Letzte beschriebene, aber noch nicht identifizierte Person

Das Phantombild basiert laut Polizei auf den Aussagen einer Zeugin, die den Mann gesehen hatte. Deren Aussage ist nicht neu für die Soko, sie lag schon relativ früh vor. Doch beim Abgleich aller vorliegenden Aussagen und Beobachtungen hatten die Ermittler zunächst keinen Anhaltspunkt, dass es sich hierbei um eine wichtigere Spur handeln könnte als bei anderen Hinweisen, so Roth.

Inzwischen konnten die Mitarbeiter der Soko von allen Personen, auf die es Zeugenhinweise gab, die Identität klären und die Betroffenen befragen – mit Ausnahme dieses Mannes. Nachdem das Rätsel um die Identität des Unbekannten bislang nicht gelöst werden konnte, hat sich die Kriminalpolizei nun entschlossen, mit dem Phantombild an die Öffentlichkeit zu gehen, um so möglicherweise Hinweise zu der gesuchten Person zu bekommen. Eine erneute Präsentation des Falles in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY … ungelöst" ist derzeit für die Soko aber kein Thema.

Nicht zwingend ein Tatverdächtiger

Gesucht wird der unbekannte Mann aktuell nicht zwingend als Tatverdächtiger, betont Roth. Möglicherweise handele es ich ja um jemanden, der an jenem Sonntag Anfang November im Weinberg arbeitete, sich aber bislang nicht gemeldet hat, weil er nach eigener Einschätzung nichts Sachdienliches beitragen könne. Der beschriebene Unbekannte könnte aber auch der Täter gewesen sein. Zumal es mittlerweile nur schwer vorstellbar erscheint, dass jemand am Tattag im betreffenden Bereich unterwegs war und bis heute noch nicht mitbekommen haben könnte, dass die Polizei seit Monaten den Kontakt zu allen Personen sucht, die sich im fraglichen Zeitraum dort aufgehalten haben.

Spürhund spricht in Endingen auf Geruchsspur aus Kufstein an

Die Arbeit der Ermittler in der Soko ist nach wie vor ein Puzzle, bei dem sich die Beteiligten darum bemühen, für jedes kleine Detail den richtigen Platz im Gesamtbild zu finden. Die Ermittler stehen laut Roth auch in intensivem Kontakt mit den Ermittlern beim Landeskriminalamt in Tirol.

Vergangene Woche war die Polizei erneut mit einem Spürhund in Endingen vor Ort. Er war mit Geruchsspuren von der Kleidung der 20-jährigen Lucile K., die im Januar 2014 in Kufstein ermordet worden war, in den Weinbergen zwischen Endingen und Bahlingen unterwegs – und schlug an. Für die Polizei ist das neben der vorhandenen Übereinstimmung der DNA-Spuren ein weiteres starkes Indiz dafür, dass der Mörder von Kufstein sich in Endingen aufgehalten hat – allerdings ohne jede weitere Bewertung, wie der Polizeisprecher betont.

Video: Wie läuft eine DNA-Analyse ab?


Abgleich von Spuren und Daten mit LKA in Tirol

In ständigem Kontakt stehen die Ermittler im Breisgau und in Tirol auch bei anderen Ermittlungsansätzen. Viele mögliche Spuren im Bereich Fernverkehr, die die Soko "Erle" überprüft, führen laut Roth nach Österreich. Doch während die Ermittler hierzulande keinen Zugriff auf Maut-Daten von Toll Collect haben, verfügen ihre österreichischen Kollegen offenbar über viele Daten aus dem Zeitraum des Mordes in Kufstein. Diese werden nun mit den Spuren aus Südbaden abgeglichen – in der Hoffnung auf so genannte Kreuztreffer, die weitere Ermittlungsansätze liefern könnten.
Hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung

Das Hinweistelefon der Soko wird aufgrund der Veröffentlichung des Phantombildes personell stärker besetzt, weil man mit einem erhöhten Hinweisaufkommen rechnet.

Wer Hinweise zum veröffentlichten Phantombild oder auf Personen oder Umstände geben kann, die einen Bezug zu den beiden Tatorten Endingen und Kufstein oder zu deren Umgebung haben könnten, wird gebeten, sich mit der Soko "Erle" unter 07641/ 582-114 in Verbindung zu setzen.

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