Fünfter Prozesstag

Mordfall Carolin G.: Gutachter empfiehlt Sicherungsverwahrung für Catalin C.

Lena Jörger

Nach Morden in Endingen und Kufstein droht dem Lastwagenfahrer Catalin C.aus Rumänien lebenslange Haft. Ein psychiatrischer Gutachter empfiehlt eine anschließende Sicherungsverwahrung. Der Angeklagte sei gefährlich.

Am fünften Tag im Prozess gegen Catalin C. im Mordfall Carolin G. stellt der psychiatrische Sachverständige Peter Winckler aus Tübingen sein Gutachten vor. Darin kommt er zum Schluss, dass der Angeklagte schuldfähig ist. Und dass er jederzeit wieder eine solche Tat begehen könnte.


Wickler empfiehlt der Kammer daher, die Sicherungsverwahrung vorbehaltlich anzuordnen. Drei Gespräche hatte der Psychiater mit dem Angeklagten geführt, insgesamt zehn Stunden lang. Die Gespräche seien schwierig gewesen. "Ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass mir jemand gegenüber saß, der das Bedürfnis hatte, sich mitzuteilen", sagt Winckler. Dies sei bemerkenswert.

"Er hat über den Tatablauf berichtet, als sei es nicht seine Tat" Peter Winckler
Üblicherweise öffneten sich Probanden bei gutachterlichen Untersuchungsgesprächen zumindest teilweise. Das Tatgeschehen in Endingen habe C., so der Psychiater, mit einer eigentümlichen Distanz geschildert, fast so, als sei es die Tat eines anderen gewesen.

Laut Winckler gibt es bei C. keine Hinweise auf psychische Störungen. Allerdings sei eine schizoide Persönlichkeitsakzentuierung festzustellen. C. sei demnach ein zurückgezogener, kontaktarmer Einzelgänger gewesen. Der Gutachter spricht zudem von einer Problembiografie.

Spuren der Verwahrlosung

Die Mutter des Angeklagten sei Alkoholikerin gewesen, sein Vater nie für ihn da gewesen. "Das sind Dinge, die in der Seele eines so jungen Menschen Spuren der Verwahrlosung hinterlassen", so der Gutachter.

Bei C. sei ein schädlicher Alkoholmissbrauch festzustellen. C. trinke gewohnheitsmäßig, um Sorgen und Probleme zu verdrängen. Von einer Alkoholabhängigkeit könne aber nicht gesprochen werden. Der Gutachter kommt in Bezug auf die Tat in Endingen auch zu der Einschätzung, dass keine Voraussetzungen für einen potenziell schuldmindernden Alkoholrausch vorliegen.

Problematische sexuelle Identität

Deutliche Anhaltspunkte gebe es für eine erheblich problembehaftete sexuelle Identität beim Angeklagten. "Anzeichen für eine im engeren Sinne krankhafte Perversion gibt es nach derzeitigem Kenntnisstand aber nicht", so Winckler.

In seinem Geständnis am ersten Prozesstag hatte C. mitteilen lassen, dass die Tat in Endingen nicht auf sexuellen Motiven beruht hätte. "Das ist eine Äußerung, die heftigst hinterfragt werden muss, weil wir bei beiden Opfern unübersehbare Hinweise auf eine sexuelle Komponente haben", so Winckler. Beide Tatopfer seien junge, schlanke, attraktive Frauen gewesen. C. hatte behauptet, dass er auch zugeschlagen hätte, wenn ihm ein Mann gegenüber gestanden hätte. Winckler: "Das halte ich für eine Schutzbehauptung."

Dass es sich bei den Tötungsdelikten an Carolin G. in Endingen und Lucile K. in Kufstein um Affekttaten handele, schließe er auch aus. Beide jungen Frauen seien zwar Zufallsopfer gewesen, aber die Ausführungen der Taten spreche dafür, dass C. die Tatszenarien bereits vorher im Kopf gehabt hatte. Der Gutachter empfiehlt, die Sicherungsverwahrung vorbehaltlich anzuordnen.

Laut Winckler ist von einer hochgradig ungünstigen Gefährlichkeitsprognose auszugehen. Die Opfer seien für ihn bloß auf ihren Objektcharakter reduziert. Zudem sei C. völlig ohne Empathie ihnen gegenüber. Die hohe Effizienz bei der Ausübung der Taten sei ein weiterer Faktor für die Gefährlichkeitsprognose. "Mich würde überhaupt nicht überraschen, wenn es noch weitere Leichen gäbe", so Winckler.

C. hatte gegenüber dem Psychiater keinen Zweifel daran gelassen, 2016 die 27-jährige Carolin G. aus Endingen und 2014 die 20-jährige Austauschstudentin Lucile K. in Kufstein getötet zu haben.

Der Prozess in Freiburg wird fortgesetzt. Am Donnerstag kommender Woche sind die Plädoyers geplant. Ein Urteil soll es noch vor Weihnachten, am 22. Dezember, geben.

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