Monoland - Zugfahren im Kopf

Carolin Buchheim

Es gibt diese eine Art Alben, die man am besten beim Zugfahren hört. Die perfektesten Zugfahr-Alben die ich kenne, sind alle von der Berliner Band Monoland; allein mit ?Cooning’ auf den Kopfhörern bin ich sicher hundert Mal quer durch Deutschland gefahren. Am Freitag spielen Monoland im Swamp, und das wird sicher auch ohne ICE fahren dazu ziemlich großartig.

Zugfahr-Alben sind Alben für Kopfhörer. Alben mit Songs voller Layer und Kreise und Schlaufen und Schwurbeligkeiten , dröhnigen Flächen und kaum hörbaren Gesangslinien. Alben, deren Songs trotzdem noch Drive haben, denn schliesslich müssen sie zu Tempo 240 passen, und zum Nachdenken beim unterwegs sein. Monoland machen genau diese Alben, seit 1996, und zwar mit unverschämt langen Abständen dazwischen.Erstmal die bis zum Erbrechen immer wieder zitierten Vergleiche und Schubladen rausholen, damit wir sie gleich wieder weg- und ausräumen können:Monoland sind wie My bloody Valentine, The Jesus & Mary Chain, Mogwai und Sonic Youth, irgendwo schauen Sigur Rós um die Ecke aber lassen die Streicher weg und sind krachig, und das was Monoland machen ist Post-Pop, nein, Post-Rock, Shoegazer, Noise Pop, Lo-Fi. Oder doch Electronic Art Pop? Egal, alles. Vergleiche sind doof, und Schubladen erst recht. Weg damit.Auf den Alben von Monoland passiert nicht viel, rein oberflächlich betrachtet. Da gibt es meistens nicht so viel zum mitsingen, denn die Gesangslinien sind rauschig und mehr Melodie als Gesang , die Gitarre gibt die um sich selbst zirkelnde Struktur vor und schillert wie Benzin, Loops ziehen einen weg aus der Struktur, und vorallem sind da Flächen und Spähren, der Bass macht gar nichts, der steht nur so rum, und unten drunter ist ein Beat, mal zart, mal hektisch, mal beinahe Dub, mal ganz ganz genau zum Rhythmus der vorbeiziehenden Bahnmasten passend, zum Kopf gegen die Scheibe legen, und auf die Schienen gucken, als Soundtrack zum Blick auf die die zahllosen Windparks auf dem Weg nach Berlin, auf weite Flächen und Wolken und für den Blick auf Hochhäuser bei der Anfahrt auf Frankfurt am Main in der Dämmerung.Monoland Alben verändern sich, je länger man sie hört, man findet immer wieder neue Nischen und Ecken und Strukturen und Lieblingsstellen, und man kann sich verlieren darin,oder sie als Hintergrund benutzen, zum Nachdenken, während man sich ohne großes Zutun von A nach B bewegt. Das aktuelle Album 'Ben Chantice' ist zugänglicher als die Vorgänger, mehr 'Pop' irgendwie, und in manchen Momenten geradezu atemberaubend schön.

Die großartigen und so ganz anderen Dresden Dolls singen in ihrer aktuellen Single Sing “There’s this things that’s like talking, except you don’t talk”, und an diese Textzeile musste ich heute beim Hören von ?Cooning’, zum ersten Mal seit langer Zeit mal ohne ICE, denken. Aufs erste Hören könnte man gerade manche ältere Monoland Songs als Loungedreck abtun, die neueren als talentfreies, poseriges Noisezeug, und meinen, dass diese Band ja eigentlich gar nichts so wirklich sagt, mit ihren Songs, weil sie so wenig und so schlecht hörbar singen, und annehmen, dass sie vielleicht gar nichts zu sagen haben, aber eigentlich sagen Monoland alles, was gesagt sein muß: Sie tun es halt nur mit der großen Soundgeste. Sie erzählen erst mit den Blick auf sich selbst, auf die Schuhspitzen und den Bauchnabel,und wenden den Blick dann nach Aussen, auf die Vorbeifahrenden Züge, den Himmel, die Wolken, den Mond.

Die große Show sollte man wohl nicht von Monoland erwarten, am Freitag im Swamp, denn diese vier Herren aus Berlin machen schließlich primär Musik für den Kopf, nicht für die Füße. Aber das wird schon alles passen, im Swamp, und im Kopf. Ohne große Show, und ohne ICE.Was: MonolandWann: Freitag, 12.Mai 2006, 21UhrWo: Swamp, FreiburgMEHR DAZUMonoland: WebsiteUnter Discographykann man die ersten beiden Monoland Alben komplett anhören, und den Track

 
vom aktuellen Album 'Ben Chantice' gibts als Download dazu.