Monkey 47: Ein Gin made im Schwarzwald

Anna-Lena Zehendner

Aus dem Schwarzwald kommen nicht nur Kirschwasser und Obstbrände: Seit neuestem schätzen Kenner und Barkeeper weltweit auch einen Wacholderschnaps aus dem Ländle: den Monkey 47. fudder-Mitarbeiterin Anna-Lena hat für uns herausgefunden, wie der Gin mit dem Affen in den Schwarzwald kam.



Der Gin verdankt seine weltweite Bekanntheit den Engländern. Im England des 17. Jahrhunderts wurde er in seiner Hochphase sechsmal mehr produziert als Bier. Gin war damals jedoch ein billiges Gesöff und wurde hauptsächlich von armen Leuten getrunken. Häufig führte sein erhöhter Konsum zum Tode, denn als Zutat wurde Terpentin beigefügt.


Auch der Monkey 47 soll seine Grundrezeptur - die natürlich kein Terpentin enthält - einem Engländer verdanken. Angeblich war ein gewisser Montgomery Collins von der Royal Air Force nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin stationiert, von wo aus er 1951 in den nördlichen Schwarzwald zog - genauer: nach Loßburg-Betzweiler in der Nähe von Freudenstadt. Als Engländer wollte er hier nicht auf einen guten Tropfen Gin verzichten und entwickelte so eine Gin-Rezeptur, die Jahre später Alexander Stein in die Hände gefallen sein soll.

Ob an dieser Geschichte was dran ist, daraus macht der Geschäftsführer und Inhaber der Black Forest Distillers GmbH ein kleines Geheimnis. „Wir haben lange an der perfekten Rezeptur für den Monkey 47 gearbeitet und alle Zutaten, die in Frage kommen, aufgeschlüsselt“, sagt der 38-Jährige. Geholfen hat ihm dabei Christoph Keller, Brennmeister und Besitzer der Edelobstbrennerei Stählemühle. Sie wurde im März 2011 vom Feinschmecker-Guide Gault Millau und der Destillata zu den 10 besten Brennereien Europas gekührt. Stein selbst stammt aus einer bekannten Weinbrand-Familie, die unter anderem die Marken Jacobi 1880 und Absolut Vodka auf dem deutschen Markt etabliert hat.

Bis 2008 arbeitete Alexander Stein für das Großunternehmen Nokia. „Am Anfang habe ich für meine Idee natürlich viel Kopfschütteln geerntet“, sagt Stein. „Vor allem, weil unser Gin etwas anders geraten ist, als man von einem Schwarzwälder Produkt erwarten würde.“ Statt Kirschwasser kreierten die beiden in nur zwei Jahren den ersten Schwarzwald Dry Gin. Dabei wollen sie nicht nur mit ihrem Produkt das Konventionelle brechen, sondern auch bei ihrer Produktion und beim Design.



Statt auf Masse und Umsatz möchte Stein auf Qualität und Einzigartigkeit setzen. „Wir können nicht täglich produzieren“, sagt er. „Wir stellen den Gin in so genannten Batches her. Dann arbeiten wir fünf Wochen durch und destillieren wie die Wilden. Anschließend packen wir das ganze drei Monate in Steingutgefäße und füllen später alles ab.“ Pro Batch sind das immerhin 2000 bis 6000 Flaschen, die in die ganze Welt verkauft werden.

„Diese lange Lagerung ist eine besondere qualitative Maßnahme von Monkey 47“, sagt Alexander. „Oft wird behauptet, weiße Spirituosen müssten nach der Destillation nicht lagern, aber das ist vollkommener Quatsch.“

Jeder Gin lebt von Gewürzen. Von den niederländischen Kriegen bis hin zur Kolonialzeit in Britisch Indien sind immer mehr neue Zutaten in das endgültige Destillat eingeflossen. Daher finden sich heute auch exotische Inhaltsstoffe, wie Kardamon, Zimt und Koriander im Gin wieder. Doch die Hauptzutat, der am häufigsten verbreiteten London Dry Gins, sind Wacholderbeeren. Als zusätzliche Schwarzwälder Ingredienz sind im Monkey 47 Preiselbeeren enthalten. Insgesamt enthält er, wie der Name es andeutet, 47 verschiedene Gewürze. Ein Drittel kommt dabei aus der Region.

Auch das Flaschendesign für den Schwarzwald Gin sollte etwas ganz besonderes werden. „Ich hatte am Anfang keine zündende Idee, in welche Flasche er kommen soll“, sagt Stein. „Dann war ich mit meinem Sohn auf einem Flohmarkt und bin dort auf eine alte Apothekerflasche gestoßen. Bei der Flaschenentwicklung habe ich gesagt: Sie muss so schön sein, dass man sich die leere Flasche zu Hause mit einer Rose hinstellt.“

Der Plan ging auf: Bereits zwei Designerpreise konnte Alexander Stein mit seiner Ginverpackung einheimsen. Im März wurde der Monkey 47 außerdem mit einem Qualitätspreis, dem World Spirit Award, in Klagenfurt ausgezeichnet.

Bleibt zum Schluss noch zu klären, was ein Affe mit dem Schwarzwald zu tun hat? Natürlich kommt auch hier wieder der alte Collins mit ins Spiel. Noch in Berlin soll er nach dem Krieg eine Patenschaft für einen Javaneraffen im Berliner Zoo übernommen und später seinem Grundrezept eine Skizze von ihm beigelegt haben.

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