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Monika Stein: "Ich werde nicht leiser werden"

Frank Zimmermann

Monika Stein ist mit ihrem Abschneiden bei der OB-Wahl sehr zufrieden. "Es hat sich absolut gelohnt", sagte die Drittplatzierte und glaubt, dass sie sehr viele Leute habe motivieren können, sich politisch einzubringen.

"Die Politikverdrossenheit ist tatsächlich ein Stück zurückgegangen." Vom künftigen Oberbürgermeister Martin Horn erwartet sie, dass er das, was er gesagt hat, auch realisiert.

Jetzt muss Martin Horn liefern

Monika Stein sieht den Wahlsieger nun in der Pflicht: Im Wahlkampf habe Martin Horn immer wieder betont, dass er ähnliche Inhalte wie sie habe. "Ich hoffe, dass er diese nun auch umsetzen wird. Wenn ja, kann ich das unterstützen, was er macht", sagt die Stadträtin der Grünen Alternative. Positiv ist für sie auch: "Rechtsaußen" wurde nicht gewählt.



Nach dem ersten Wahlgang zugunsten einer der beiden Konkurrenten zurückzuziehen, sei für sie und ihr Team nur kurz eine Option gewesen, "die ich sehr schnell verworfen habe". Sie habe Gespräche sowohl mit Amtsinhaber Dieter Salomon als auch mit Martin Horn geführt, aber in diesen Gesprächen hätten sich für sie "keine Überraschungen ergeben". Da habe für sie festgestanden weiterzumachen. "Es hat für mich einfach absolut gepasst, wieder anzutreten und zu sagen: ,Ich bin die Alternative.’"



Dass ihr die ganz große Sensation – ein Sieg über Horn und Salomon – nicht gelang, führt sie auch darauf zurück, dass sie in den Medien immer nur als rein linke Kandidatin eingeordnet worden sei. "Das hat viele ausgeschlossen, mir ihre Stimme zu geben, die eine linke Kandidatin für nicht wählbar hielten." Sie sei aber einfach keine Politikerin, die aktiv um Fraktionen und Parteien werbe, deren Politik sie nicht teile. "Ich vertrete nun mal nicht die Positionen der CDU-Fraktion und möchte nichts versprechen, wenn ich weiß, dass ich es nicht halten kann." Dass sich am Ende ein christdemokratischer Bürgermeister wie Klaus Vosberg aus Oberried von sich aus für sie aussprach, freute sie natürlich.

So gut wie niemand wollte, dass Monika Stein aufgibt

Sie habe nach dem ersten Wahlgang auch weitergemacht, weil ihr viele signalisiert hätten, nicht zu wissen, was sie im Falle ihres Rückzugs wählen sollten. "Ich habe so unglaublich viele Rückmeldungen bekommen." Überhaupt nur drei oder vier Leute hätten ihr geraten, zurückzuziehen und sich für einen der beiden führenden Kandidaten auszusprechen, fast alle hätten sie gebeten: "Nicht aufhören!" Stein glaubt, dass sie anfangs unterschätzt worden sei, "sowohl was meine Sachkunde als auch meine Standfestigkeit und Redegewandtheit betrifft". Sie sei als "die mit den T-Shirts mit der Außenseitermeinung" abgetan worden, ehe die Leute sie "anders auf den Schirm" bekommen hätten.

"Wir haben unser Wahlprogramm fast fertig"Monika Stein zur Kommunalwahl
Eine Wechselstimmung in der Stadt hat Stein schon früh wahrgenommen. Der OB und die Grünen hätten sich komplett in einer Blase bewegt, weshalb für sie das Ergebnis des ersten Wahlgangs ein Schock gewesen sei. Manche Themen, etwa die Debatte um den Fund der Synagogenmauer – der OB plädierte dafür, die Steine zu entfernen – hat Salomon ihres Erachtens unterschätzt. "Er hat nicht gemerkt, dass seine Verwaltungssicht für bestimmte Leute nicht vermittelbar war und er auf ihrer Seele rumtrampelt." Ein Gutes habe das Wahlergebnis für die Grünen – sie müssten sich jetzt erneuern und könnten nicht länger nur schwarz-grün denken. "Das tut ihnen und dem Gemeinderat sehr gut."

Politisch konzentriert sich die Lehrerin nun wieder voll auf ihr Amt im Gemeinderat, dem sie mit kurzer Unterbrechung seit 2004 angehört: "Ich bin motiviert und werde sicherlich nicht leiser werden." An einer OB-Kandidatur in einer anderen Stadt habe sie kein Interesse. Für die Kommunalwahl im kommenden Jahr sieht Stein Vorteile, man habe schon eine Basis: "Wir haben unser Wahlprogramm fast fertig", sagt sie. Eine kleine Fraktion wie JPG (vier Sitze) bringe auch Vorteile mit sich; es lasse sich angenehmer arbeiten. Nicht zwingend müssten sich alle ihre Unterstützer – dazu gehörten fünf der sieben Stadträte der Unabhängigen Listen – in einer Fraktion vereinigen. Ohnehin sagt Monika Stein: "Ich bin schon Fan der wechselnden Mehrheiten."

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