Moneybrother im Jazzhaus: Soulrockbrüder

Alexander Ochs

Das Warten scheint sich gelohnt zu haben: Nachdem der für März geplante Gig von Moneybrother wegen Krankheit ausfiel, bestritten Anders Wendin und Kollegen gestern Abend im Jazzhaus den Nachholtermin. Besonders im Zugabeteil wussten die Schweden zu überzeugen. Alles weitere von Alex.



Ja, die Liveauftritte des Anders Wendin, besser bekannt als Moneybrother, sind quasi mit Lob und Lorbeer überschüttet worden. Kultähnliche Veranstaltungen, auf denen das überwiegend weibliche Publikum dem Schweden huldigt. Keine Gospelmesse zwar, doch Soulfood vom Feinsten. Da passt der Opener ins Bild, sowohl frauenquotentechnisch als auch thematisch: My Lil Girl's Straight From Heaven.


Wohlig warm kommt der Sound rüber, vor allem dank des Saxofons und der mal plätschernden, mal flirrenden Hammondorgel. Anders Wendin selbst bezeichnet sich als „Soulrockbrother“. Das trifft es einerseits ganz gut, andererseits nur halb: Der Poprock der Schwedencombo ist soulgetränkt, gelegentlich um einen Schuss Reggae angereichert. Fast wie Prince in seiner Hochtönerphase („Kiss“) klingt Moneybrother, wenn er sich stimmlich in ungeahnte Höhen hochschraubt.



Knackig (in knallengen Röhrenjeans) und zackig eilt der Sänger und Gitarrist über die Bühne, sucht dabei immer wieder die Nähe zum Publikum, findet Zeit für eine witzige Pose oder Geste. Er und seine Band haben Sinn fürs Dramatische und Dramaturgische: Wenn man meint, das rauschende Finale gerade überstanden zu haben, dimmen sie den Song wieder runter, bevor es erneut zum Finale kommt – nein, doch nicht, der Song wird nach kurzer Kunstpause wieder aufgenommen. Sehr fein!



Richtung Hörspiel geht Wendins Dialog zwischen IHM und IHR (er versucht sie rumzukriegen, bis sie schließlich einwilligt), mit herrlich verstellter Stimme, eingebettet in einen Song. Die Setlist umfasst etwa zu gleichen Teilen Stücke von allen (englischsprachigen) Moneybrother-Alben.

Kurz für Irritation sorgt seine Dies-ist-der-letzte-Song-Ansage – da standen die Schweden noch nicht mal eine knappe Stunde auf der Bühne! Nach reichlich Applaus und reihenweise Zugaben entpuppt sich das Ganze jedoch als vor- oder schein-eilig. Ob Moneybrother seinem Ruf des Livehaftigen gerecht wurde? Yes, indeed, folks!

Mehr dazu: