Der Sonntag

Feine Sahne Fischfilet

Monchi: "Punkmusik muss manchmal stumpf, laut und aggro sein"

Sven Meyer

Für Monchi von Feine Sahne Fischfilet zählt, gegen Nazis zu sein – und auch Dorffeste zu organisieren. Vor dem Konzert in Freiburg spricht der 32-Jährige Sänger Klartext.

Die linke Punkband Feine Sahne Fischfilet (FSF) ist so umstritten wie erfolgreich. Am 11. Dezember macht die Gruppe um Sänger Monchi im Rahmen ihrer "Wir haben immer noch uns Tour" Halt in der Freiburger Sick-Arena.


BZ: In einem früheren Interview meintest Du, Du seiest auf keine Musikrichtung festgelegt. Hätte dich damals eine HipHop-Crew angesprochen, wärst Du Rapper geworden. Ist das wahr?

Monchi: Nein, ich meinte einfach, dass ich bis heute nie ein Instrument gelernt habe und nie Gesangsunterricht hatte. Das einzige, was ich mal gemacht habe, war ein Stimmtraining, damit ich nicht immer heiser bin. Ich gehörte aber keiner Szene an. Meine ersten Konzerte, an die ich mich erinnern kann, sind so was wie die Prinzen, die klassische Ostband, aber auch Caught in the Act. Später mit 15, 16 ging ich dann auch mal zu Punkkonzerten, zum Beispiel zu Dritte Wahl, eine Rostocker Band.

BZ: Seid ihr heute eine Punkband?

Monchi: Musikalisch ist es schon Punkrock. Aber, wenn die Definition einer Punkband ist, dass alle Iros und Nietenhalsbänder tragen, dann sind wir das definitiv nicht. Ich selbst hab mich niemals als Punker gesehen. Diese Schubladen sind mir eigentlich zuwider und treffen im Jahr 2019 auch nicht mehr so zu. Wenn jemand sagt, wir machen Schlager, fällt uns auch kein Ei aus der Hose. Schaut man sich unsere Konzerte an, dann ist doch das Tolle, dass man dort so viele verschiedene Leute trifft – vom Anzugträger über den Normalo bis zum Punker.

BZ: Was gibt Dir persönlich die Musik, die ihr macht?

Monchi: Dass ich Sachen damit verarbeiten kann, die ich sonst nicht verarbeiten könnte. Das ist so wie Tagebuch schreiben. Es sind sehr persönliche Geschichten, wie auf unserer aktuellen Platte der Song "Niemand wie ihr". Den habe ich meinen Eltern geschenkt. Bevor das Album veröffentlicht wurde, habe ich gesagt: Hört euch das an, das ist für euch. Ich bin der Musik sehr dankbar, dass ich das so verarbeiten und ausdrücken kann. Das sind auch die krassesten Sachen, die man live spielt, weil man dann sofort die Bilder im Kopf hat.

"Für einige sind wir sicher auch Nestbeschmutzer."
BZ: Ihr seid von Eurer Haltung her eine explizit linke Band, gleichzeitig kommt ihr aber aus Mecklenburg-Vorpommern, einem Bundesland, in dem die AfD bei den letzten Landtagswahlen 20,8 Prozent hatte. Trotzdem seid ihr sehr lokalpatriotisch und liebt eure Leute. Wie versteht ihr selbst eure Rolle: als Mutmacher, Aufwiegler oder Rettungsanker?

Monchi: Das ist eine gute Frage. Wenn ich so überlege, würde ich sagen: alles in einem. Für einige sind wir sicher auch Nestbeschmutzer. Wir selbst wollen auch unseren Leuten helfen, zeigen, dass es anders geht. In unserem Dorf Jarmen haben wir das Dorffest veranstaltet – zusammen mit allen Vereinen. Es haben geile Bands gespielt, es gab Theateraufführungen, Fressbuden, einen Arschbombencontest im Baggersee und alle hatten Spaß. Das erfüllt mich mit Stolz. Es war richtig geil, die einzigen die das nicht geil fanden, waren die Nazis. Im Osten gibt es leider viele rechte Idioten, aber eben auch sehr viele geile Leute. Unser Fokus liegt darauf, mit diesen geilen Leuten was gemeinsam zu reißen.

BZ: Du hast gesagt, einige sehen euch als Nestbeschmutzer. Werdet ihr von Rechten bedroht?

Monchi: Ja, leider gibt es das immer wieder. Allein auf unserer letzten Tour musste der Konzertraum in Chemnitz wegen einer Bombendrohung geräumt werden. Wir kriegen häufig Drohanrufe. Auch unser Proberaum wurde angegriffen. Das sind räudige Sachen. Umso wichtiger ist es, einen coolen Freundeskreis und eine coole Familie zu haben, die hinter einem stehen. Das war immer das Beste, um mit der Situation zurechtzukommen.

BZ: Wir leben gerade in politisch sehr aufgewühlten Zeiten: Trump, die AfD, der Triumphzug deutsch-nationaler Künstler. . . wie wütend macht Dich das?

Monchi: Das ist leider nichts, was vor zwei, drei Jahren aus dem luftleeren Raum gekommen ist. Wenn ich allein nach Meck-Pomm gucke: vor der AfD saß da zehn Jahre lang die NPD im Landtag. Die AfD knüpft inhaltlich nahtlos daran an. Dass es diese Nazis gibt, ist eine Realität. Was mich wirklich wütend macht, ist wie der Rest der Gesellschaft damit umgeht. Viel zu vielen Leuten ist das egal oder sie positionieren sich nicht eindeutig. Fast noch schlimmer ist es, dass einige in der CDU mit der AfD paktieren wollen. Das ist einfach erbärmlich – vor allem nach dem Lübcke-Mord, der auf rechtem Nährboden fußt. Richtig wäre es, geschlossen gegen die Nazis zusammen zu stehen.

BZ: Gibt es Momente, in denen Du innerlich resignierst?

Monchi: Nein, im Gegenteil: Wir sollten alle wachsam sein. Der NSU konnte jahrelang im Untergrund nahezu unbehelligt agieren. Man darf auch nicht vergessen, dass jemand wie Walter Lübcke einfach von einem Nazi abgeknallt wurde. Das hätte man sich vor zehn Jahren nicht vorstellen können. Aber Kopf in den Sand stecken bringt gar nichts. Für uns gilt: Kopf hoch, Brust raus, eigene Akzente setzen und Mut gegen Rechts machen. Das Positive ist, dass sich jetzt mehr Leute politisieren und den Arsch hochkriegen. Aber es müssten noch viel mehr sein.

"’Staatsgewalt’ ist tatsächlich zehn Jahre alt und Teil unserer Geschichte."
BZ: Nochmal zurück zu eurer Musik: Da habt ihr euch weiterentwickelt, wurdet facettenreicher und habt euch neue Kreise erschlossen. Früher hast Du mal gesagt, Du würdest eure Musik gar nicht als Kunst bezeichnen. Siehst Du das immer noch so?

Monchi: Schlussendlich ist es Musik und im Idealfall gibt es einem selber was und auch deinem Publikum – und dann ist es etwas sehr Tolles. Wenn wir ein neues Album rausbringen, dann ist das genau die Musik und sind die Songs, die wir gerade richtig geil finden. Unser letztes und bis dato fünftes Album "Sturm & Dreck" ist so – so richtig geil. Wenn ich mir überlege, dass wir uns seit unseren ersten Songs nicht weiterentwickelt hätten, dann könnte ich mich selber nicht ertragen. Veränderung ist ja etwas Tolles. Dass so viele Leute unsere Mucke hören, ist das größte Kompliment und das großartigste Gefühl ist es, auf Tour zu gehen. Das ist das größte Geschenk!

BZ: Zu Eurer Entwicklung gehört auch, dass Ihr von Euren Kritikern immer wieder auf den Song "Staatsgewalt" reduziert werdet, in dem ihr Gewalt gegen Polizisten besingt. Wie steht ihr heute – zehn Jahre später – dazu?

Monchi: Der Song ist tatsächlich zehn Jahre alt und er ist Teil unserer Geschichte. Damals war das unser Empfinden. Wenn man sich den Song reinzieht, geht es in den beiden ersten Strophen darum, wie jemand einen Knüppel ins Gesicht bekommt und blutend auf dem Boden liegt. Es geht um ein konkretes Erlebnis. Punkmusik muss eben auch manchmal stumpf, laut und aggro sein und ist in diesem Fall sicher keine Masterarbeit. Der Song ist aber nicht gegen jeden Dorf-Sheriff gerichtet. Wer sich daran hochziehen will, soll es halt machen.
Feine Sahne Fischfilet, Mittwoch, 11. Dezember, 20 Uhr, Musikklub in der Sick-Arena, Karteninformationen per Telefon unter 0761 / 496 88 88 oder auch im Internet unter der Adresse http://www.bz-ticket.de