Modesünden 2009: Kann man das tragen?

Dana Hoffmann & Lilli Staiger

Ed-Hardy-Shirts, Gladiatoren-Sandalen, Strampelanzüge - In der sommerlichen Modewelt blühen fragwürdige Trends. Modemuffel Dana und fudder-Stilexpertin Lilli haben sie unter die Lupe genommen und ihre Pros und Contras diskutiert.



Gladiatoren-Latschen

Harry, fahr schon mal den Streitwagen vor. Als klimafreundliches Vehikel ist das zweirädrige Gefährt sicher nicht zu verachten. Leider ist der Smart unter den Kutschen für den deutschen Verkehr denkbar ungeeignet. Wer aber meint, dass wenigstens Cäsars Latschen schon ein Schritt auf dem Weg zur Weltrettung sind, liegt falsch. Die Gladiatoren-Treter können leider gar nichts, außer dem Flip-Flop-Müden eine Alternative zu bieten.


Gladiatoren-Sandalen sind eher Modemutigen zu empfehlen und man muss sie zu kombinieren wissen. Am besten wirken sie zu lässigen Tuniken und Shorts oder Leggins. Ein Vorteil der Sandalen ist, dass sie große Füße kleiner erscheinen lassen, da die vielen Riemchen die Füße bedecken und sie so nicht ‚nackt‘ aussehen. Von der wadenhohen Variante ist jedoch wirklich abzuraten, denn bei diesen ist das Bedürfnis groß, die Person in eine Rüstung zu stecken und ihr ein Schwert in die Hand zu drücken.



Strampler

„Jumpsuit“, englisch für Blaumann. Die ölverschmierten Hände wischt an den hippen Einteilern wohl niemand ab. In allen Formen und Farben hängt der Overall in den Geschäften, vom engen „Catsuit“ bis zum windelärschigen Modell

„Harem“. Auch wenn Letzteres sicher ein paar Schlemmer-Kilos verbergen mag: Die modischen Zelte kann niemand tragen, der unter 1,80 Meter groß ist, dem auch um die Taille nur Hüftgürtel passen und der nicht in Kopenhagen lebt.

Der Vorteil von Jumpsuits ist der herrliche Wohlfühlfaktor. Sie haben zumeist Stretchbündchen oder einen Tunnelzug, keine störenden Knöpfe oder Reißverschlüsse. Die fröhlichen Farben und tropischen Muster machen das Sommerfeeling komplett. Der Strampelanzug ist diesen Sommer mein absoluter Modefavorit. Die kurze Version ist ein idealer Begleiter für den Strand oder fürs Freibad. Straßentauglich sind die niedlichen Strampler jedoch nicht immer.



Bling Bling-Leggins

An Leggings unter Röcken, Hot Pants oder Baby Dolls sollte man sich ja inzwischen gewöhnt haben. Völlig ausgeschlossen ist das allerdings bei Lack-, Leder- und Glitzer-Höschen. Wer sich in die hautengen Dinger zwängt und zwölf Zentimeter über dem Kopfsteinpflaster durchs Bermudadreieck wackelt, ist selber schuld: Zwischen billig und sexy liegt ein schmaler Grad.

Bei Leggins, wie auch bei vielen anderen Modetrends, kommt es natürlich auch auf die Figur der Trägerin an.

Frauen, die lange, schlanke Beine haben, können diese in den besonders auffallenden Glitzer- oder Lackleggins schön zur Geltung bringen. Mit einem schwarzen, glänzenden Longtop kombiniert ist das 80ies-Revival-Outfit perfekt und eignet sich ideal für eine Partynacht. Alltagstauglich sind die Glitzer-Pants aber nicht. Auch Lack- und Lederleggins sind mit Vorsicht zu genießen. Auf jeden Fall müssen Oberteil und Schuhe dezent sein, damit es nicht billig wirkt.

Tierprints

Party-Safari im Leo-Look. Wer so versucht, sich an einen Großstadtaffen heran zu pirschen, wird nur im Ausnahmefall Erfolg haben. Die Tarnung fliegt garantiert auf: Hinter den meisten Wildkatzen verbergen sich doch nur zahme Lämmchen. Und an diejenigen, die es mit der Kostümierung wirklich ernst meinen: Es kann nur eine Peggy Bundy geben!



Peggy Bundys Look ist zweifelsfrei an Geschmacklosigkeit nicht zu übertreffen, dennoch müssen Leo- und andere Tierprints nicht immer ordinär wirken. Zu beachten sind Form und Material und Farbe der Kleidungsstücke. Vor allem Glanz und Glitter verleihen Tierprints den billigen Touch, daher ist davon abzuraten. Beispielsweise können Cardigans mit beige-braunem Leomuster ganz nett aussehen.

Leo-Leggins werden jedoch immer ein No-Go bleiben.



Ed Hardy

Totenköpfe wollen ja inzwischen alles können: Glitzern, sexy, fies und teuer sein, von Jacken, Shirts und Babysachen blöd in die Gegend glotzen, auf Geschirr und Fußball-Logos von Coolness zeugen. Gut. Aber in Kombination mit Rosen und Herzen und Bling-Bling in billiger Optik und wenig dezenten Farben sind sie vor allem: Ätzend. Prollig. Stillos. Augenkrebsgefährdend.

Christian Audigier hat mit Ed Hardy seine abgewrackten Oldschool-Tattoos  gewinnbringend auf den Markt gebracht. Aber unternehmerischen Erfolg mit 100 Euro für ein T-Shirt unterstützen, das mir kommendes Jahr genauso peinlich ist wie heute die Batik-Shirts von damals? Nein, danke!



Auch ich würde der Marke Ed Hardy keinen Fashion Award verleihen, dennoch scheint es genügend Menschen zu geben, die sich zwischen kitschigen Totenköpfen, Drachen, Herzen und Glitzersteinen wohlfühlen. Christian Audigier betont immerzu, dass man sich in seinen Kleidern wie ein Rockstar fühle.

Mir scheint es, als hätten vor allem unstylische Leute die Marke für sich entdeckt, weil sie glauben, sich damit ein wenig Coolness zu erkaufen. Christian Audigier schwimmt durch Ed Hardy in Geld. Dumm nur, dass es immer mehr billige Imitate gibt, wie die Stoffschuhe von Deichmann für 8,45 Euro und T-Shirts von Forever 18 für 10 Euro.



Fallen euch weitere Modesünden dieses Sommers ein?