Moderne Technik von der Geschichte überholt

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass es in Deutschland schon mal eine kommerziell betriebene Magnetschwebebahn gab? Damit konnte man zwar nicht in zehn Minuten praktisch vom Flughafen in die Münchner Innenstadt aussteigen, aber immerhin über eineinhalb Kilometer in Berlin zurücklegen. Das allerdings für nicht einmal zwei Wochen.

Das Funktionsprinzip der von der TU Braunschweig und AEG entwickelten Einschienenbahn war dem des Transrapid sehr ähnlich: Getragen wurde die Magnetbahn von einem starken Magnetfeld, das auch für den Vortrieb zuständig war. Ein paar kleine Räder sorgten für die seitliche Führung und trugen auch einen kleinen Teil des Gewichtes.


1983 gab der West-Berliner Senat den Startschuss für die in den 70er Jahren entwickelte Technologie. Innerhalb eines Jahres wurde eine 1,6 Kilometer lange Strecke zwischen dem U-Bahnhof Gleisdreieck und dem Kemperplatz gebaut, wo sogleich der Probebetrieb – noch ohne Passagiere – anlief.

Der reguläre Betrieb mit Fahrgästen begann erst 1989, da er vorher durch einen Brandanschlag 1987 und einen Unfall 1988 , bei dem ein Wagen wochenlang von einem Abgrund herunterhing, zweimal verschoben werden musste.  In dieser letzten Testphase musste noch niemand einen Pfennig für die Fahrt bezahlen.

Als dann endlich die behördliche Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung erteilt wurde, begann am 18. Juli 1991 endlich der offizielle Betrieb mit Bezahlung des Beförderungsentgeltes. Leider wurde die Streckenführung von der Geschichte inzwischen überholt: Die Magnetbahn lag auf der Strecke einer wegen der Teilung der Stadt nicht benutzten U-Bahnstrecke. Diese wurde natürlich nach der Wiedervereinigung so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen. Und so musste die M-Bahn am 31. Juli, nur 13 Tage nach der offiziellen Eröffnung, ihren Betrieb wieder einstellen. Immerhin waren inzwischen fast 3 Millionen Passagiere mit diesem modernen Transportmittel gefahren.