Moderegion Südbaden? Fehlanzeige!

Laetitia Obergföll

Die Südbadener tragen langweilige Einheitskleidung von der Stange. Aber es gibt auch ein paar Lichtblicke. Ein Streifzug in die Welt der jungen Designer unserer Region.



H&M, Vero Moda, Pimkie oder Orsay  – die modischen Standards an junger Kleidung von der Stange kann in Südbaden jeder finden und auch bezahlen.


Aber Mode? Die Menschen, an deren Kleidung der Blick bei einem Bummel durch Freiburg oder Basel hängen bleibt, kann man an einer Hand abzählen. Zumindest, wenn man sich an die Kartoffelmarkt-Einkäufer in Batikhosen gewöhnt hat. Noch immer hat Freiburg den Ruf, Hauptstadt der Jesuslatschenträger zu sein. Nicht zu Unrecht.

Eine Moderegion ist Südbaden wirklich nicht. Das sieht auch Judith Klingenfeld so. Die 24-Jährige aus Lörrach hat gerade ihr Diplom in Modedesign in Basel gemacht. Sie hatte sich auch für ein Studium in Berlin beworben, sich letztlich aber doch für die Region entschieden. „Ich dachte mir, hier bin ich nicht abgelenkt und kann mich voll aufs Studium konzentrieren. Und das hat auch geklappt“, erzählt sie schmunzelnd.

Streetstyle, wie man ihn in den Metropolen wie Berlin oder London schon auf dem Weg zum Bäcker erblickt, braucht sie nicht als Anregung: „Inspiration kann man überall herbekommen.“ Durch das Internet und Modezeitschriften ist sie auch im vergleichsweise verschlafenen Basel über die aktuelle Mode informiert – eine wichtige Grundlage für das Studium.

Die Ideen für ihre Abschlusskollektion stammen aus Bildbänden, außerdem ließ sie Körperhaltungen oder Gesichtsausdrücke  auf sich wirken. Auch das Foto eines toten Vogels oder eine Tankstelle könnten eine Inspiration sein. „Das macht jeder anders, aber ich übernehme  den Eindruck, den ich von einem Bild habe, und versuche das umzusetzen.“

Judith trägt am liebsten Jeans und flache Schuhe, eigene Teile hat sie nicht im Schrank. „Ich mache die Kleider nicht für mich, trotzdem benutz’ ich mich als Überprüfungskriterium.“



Bei Cathrin (26) und Sarah (28) Bayer ist das anders. Die beiden Modemacherinnen tragen ihre eigenen Sachen gerne – und gehören so zu den wenigen modischen Lichtblicken auf Freiburgs Straßen. Die Schwestern haben nach ihrem Studium das Label „Scylla und Charybdis“ gegründet, arbeiten derzeit aber auch noch für andere Firmen: Cathrin bei Boss in Metzingen und Sarah als Grafikdesignerin in Heidelberg.  „Es ist ganz gut, erstmal Erfahrung zu bekommen und Problembewältigung von anderen zu lernen, die wir bewundern.“

Direkt nach dem Studium – Cathrin hat in Zürich Produkt-Industriedesign mit Schwerpunkt Fashiondesign und Sarah in Hannover Grafikdesign studiert – hatten sie mit ihrer Linie ihren ersten Versuch in die Selbstständigkeit gewagt. Im Moment sind sie dabei, neue Ideen umzusetzen, Kontakte zu knüpfen und weiter dazuzulernen. Sie könnten sich Freiburg durchaus als festen Standort vorstellen.



Dass es in der Region nämlich Interesse an junger und innovativer Mode gibt, haben sie bei ihren Modenschauen am Waldsee oder auch auf einem Gehweg in Freiburg gemerkt. „Toll ist an Freiburg, dass man Ruhe hat, um Ideen zu entwickeln. Aber man wird eben nicht so mit Ideen gefüttert wie in Berlin oder Zürich“, erzählt Cathrin.

Sie hat viereinhalb Jahre in Zürich gelebt und war begeistert von der lebendigen Modeszene. „Ich bin in Freiburg in den Zug eingestiegen und fühlte mich wohl. Dann bin ich in Zürich ausgestiegen und fühlte mich völlig underdressed. Auf dem Rückweg war es umgekehrt“, erinnert sie sich und lacht.

Südbaden, die Modeprovinz?

Shoppen gehen Judith Klingenfeld und auch die Bayer-Schwestern hier  tatsächlich nur  selten. Was ihnen fehlt, sind kleine individuelle Läden. Für deren Betreiber seien in den begehrten Straßen, zum Beispiel in Freiburgs Innenstadt die Mieten zu hoch. Deshalb kämen immer mehr Ketten und böten ihren langweiligen Einheitsbrei an. Einzige Ausnahme seien kleine Skaterläden. Aber kreative und innovative Mode fehlt den Schwestern hier.



Einen Versuch, junges Design nach Südbaden zu bringen, hat Shengli Becher gewagt. Mit ihrem Geschäft „Deutsche Designer“ in der Konviktstraße in Freiburg wollte sie eine Galerie für junge Mode, für angewandte Kunst schaffen. Die 33-Jährige hat in Mannheim Modedesign studiert, danach in Berlin Kleidung entworfen. Doch sie wollte zurück. Zurück zu ihrem Mann und in ihre Wahlheimat Südbaden. Das Risiko, junges Design nach Freiburg zu bringen, ist sie im vergangenen Jahr ohne viel Nachdenken eingegangen. Mit dem Ergebnis ist sie zufrieden: „Freiburg hat im Vergleich zu anderen Städten ein offenes Herz für Kunst.“

Sie hat Kundinnen im Abiball- und im Rentneralter. Günstig sind die Teile zwar nicht. Gerade jüngere Kundinnen würden aber lieber ein besonderes Teil kaufen und auch darauf sparen, erklärt Shengli. „Am Anfang kamen vor allem Touristen, aber jetzt kommen viele Freiburger, die das Konzept bewusst unterstützen wollen.“

Shengli ist das Risiko eingegangen. Und sie hofft, dass andere nachziehen. Denn sie glaubt, dass die Region Potenzial hat.

Was ist eigentlich Mode?

Judith Klingenfeld: „Mode ist immer Sehnsucht, die nicht erreicht wird. Mode ist eine Auseinandersetzung mit dem Scheitern. Mode wird zu einer Sprache, die Identität kreiert und hilft, sich auszudrücken und mit Zeichen zu spielen, die von einer bestimmten Gruppe gelesen werden kann.“

Cathrin und Sarah Bayer: „Mode ist nur ein Wort. Und ein Trend. Kleidung ist Schutz und Schmuck, etwas Ursprüngliches. Kleidung ist ein Ausdruck von Persönlichkeit, der oft verfremdet wird.“



Verlosung

fudder verlost diesen Rock aus der Scylla und Charybdis-Kollektion der jungen Freiburger Modemacherinnen Cathrin und Sarah Bayer im Wert von € 80. Auf dem Druck steht Wirrwarr und er hat etwa Größe 36/38. Wer gewinnen möchte, schickt eine E-Mail mit seinem Namen, seiner Adresse und dem Betreff "Rock" an gewinnen@fudder.de.

Einsendeschluss ist Mittwoch, 14. Mai 2008, 12 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden am selben Tag per E-Mail benachrichtigt. Schaut also in euren Posteingang. Viel Glück!