Modelmäßige Henriette

Carolin Buchheim

Hechelnd liegt Miniatur Bullterrierhündin Henriette in der Mittagshitze vor einem Piercingstudio in der Gartenstraße und wartet auf ihr Herrchen. Hübsch sieht sie aus, wie sie da so liegt. Kein Wunder: "Henriette ist ein Ausstellungshund", erklärt Herrchen Daniel. "In Dortmund ist sie Europachampion geworden."



Trotz ihres preisgekrönten Aussehens (auch Henriettes Eltern sind mehrfach ausgezeichnet, man schaue sich einmal ihren Vater Hunter an) ist die zwei Jahre alte Hundedame recht schüchtern. Streichelversuche am dekorativen weißen Fellstreifen in ihrem Nacken nimmt sie zwar freundlich an, aber viel wichtiger scheint ihr zu sein, wo Herrchen denn bleibt.


Sie steht auf, und guckt zur offenen Ladentür herein. Als sie Herrchen entdeckt, fängt sie wild an mit dem Schwanz zu wedeln, und als er endlich zu ihr zurück kommt, ist die Freude groß - so groß, dass der Aschenbecher, an dem ihre Leine festgemacht ist, umzufallen droht. "Henriette ist ziemlich auf mich fixiert", sagt Daniel. "Und ein ganz liebevoller Hund, ein echter Clown."



Bullterrier haben ein schlechtes Image - und das kriegen die kompakte kleine Hündin und ihr Herrchen immer wieder zu spüren. "Ich bin ein Skinhead, ein Kinderschänder, ein Hooligan!" sagt Daniel - und lacht. "Bin ich natürlich nicht, aber das kriege ich immer wieder wegen Henriette und wegen meines Aussehens zu hören." Daniel hat tätowierte Arme und Beine, trägt Körperschmuck - und lächelt viel und breit -  von den Mund- bis zu den Augenwinkeln. Der Koch in der gehobenen Gastronomie scheint die Sache mit den Vorurteilen einigermaßen gelassen hinzunehmen.

Henriette trägt als Schmuck nur ihre Hundemarke - aus Düsseldorf. Denn zwischen der Freiburg und der Rheinmetropole pendeln Hund und Herrchen im Moment. Allerdings nicht mehr lange, es zieht die beiden in den hohen Norden, nach Hamburg. Guten Umzug, euch beiden!



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