Interview

Mockemalör veröffentlicht neues Album "Riesen" – mit dem Produzenten von Bilderbuch

Laura Wolfert

"I ka scho noch en weng Alemannisch schwätze", sagt Ex-Hinterzartenerin Magdalena Ganter. Auf dem neuen Album "Riesen" ihrer Band "Mockemalör", das an diesem Freitag erscheint, singt die 30-Jährige erstmals auf Hochdeutsch.

Fudder: Mockemalör hat einen Eintrag im "alemannischen" Wikipedia. Du hast das letzte Album ja auch mit alemannischem Dialekt gesungen – davon hört man im neuen Album aber wenig…

Magdalena Ganter: Das stimmt, das zweite Album ist komplett auf Hochdeutsch. Das war eine bewusste Entscheidung. Ich wollte verstanden werden. Die erste Platte "Schwarzer Wald" habe ich bewusst mit alemannischem Dialekt gesungen – zur Rückbesinnung auf meine heimischen Wurzeln. Da hat das mit den Themen "woher kommen wir, wer sind wir, was macht uns aus?" auch ziemlich gut gepasst. Mittlerweile leben wir aber alle seit knapp 10 Jahren in Berlin und ich fühle mich angekommen. Ich denke, träume, schreibe und rede in Hochdeutsch. Dann sollte das beim neuen Album genauso sein.

Fudder: Wie viel Schwarzwald steckt dann noch im neuen Album?
Ganter: Der Schwarzwald schwingt immer mit, weil er einfach meine Heimat ist.

Fudder: Das Album heißt "Riesen" und ihr sagt auch: "Es gibt Riesen über uns. Bitte glaubt daran" – was für Riesen denn?
Ganter: Ha! Mit "Riesen" sind wir alle gemeint. Jeder von uns hat großes Potential. Das ist eigentlich eine Motivationsparole, damit man an sich glaubt und an den Herausforderungen wächst. Wenn wir an uns glauben, können wir zu Riesen werden.

"Der Schwarzwald schwingt immer mit, weil er einfach meine Heimat ist."


Fudder: Das neue Album hat Zedo Adam, der schon mit "Bilderbuch" zusammengearbeitet hat, produziert. Was hat sich dadurch musikalisch verändert?
Ganter: Seit dem letzten Album ist eine ganze Menge passiert. Vor allem durch die Zusammenarbeit mit Zedo und seinem Co-Produzenten Alex Tomann. Wir haben die Platte in Wien und Berlin aufgenommen – sind viel gereist. So haben wir uns auch soundmäßig weiterentwickelt. Wir spielen viel mit dem Synthesizer und experimentellen Klänge – Sounds, die man so noch gar nicht gehört hat. Dazu gehören auch die Schlagzeugsounds von Martin, die eigen sind. Unsere Musik ist Popmusik und hat diesen Indie-Touch nicht mehr. Es ist elektronischer geworden mit einer kleinen Punkattitüde – wie man in "Absagen" sehr gut hören kann. Wir haben zwar alle Bands, die uns inspirieren – trotzdem versuchen wir, diese nicht zu imitieren.

Fudder: "Kleine Punkattitüde" – Deine Stimme erinnert an die von Nina Hagen...
Ganter: Ja, das habe ich schon häufiger gehört.

"I ka scho noch en weng schwätze, wenn i mag."


Fudder: Im Song "Hund frisst Sinn" singst Du: "Wenn einer fragt, wo ich bin – bei mir, die Rückkehr ungewiss" – ist damit eine Rückkehr in den Schwarzwald ausgeschlossen?
Ganter: Nein, nein! Das darf man nicht geographisch sehen. Ich meine damit, dass man sich verändert.

Fudder: Kannst Du überhaupt noch alemannisch schwätzen? Wie hast Du dich verändert?
Ganter: Joa, i ka scho noch en weng schwätze, wenn i mag. In Berlin spreche ich Hochdeutsch klar, aber wenn ich eine Zeit lang wieder im Schwarzwald bin, drängt das Alemannische wieder durch.

Fudder: Vor vier Jahren hast Du in einem fudder-Interview auf die Frage, woran Du gerade arbeitest, gesagt, in Deiner Wohnung hänge ein Zettel mit dem Wort "Achtsamkeit". Was steht da jetzt geschrieben?
Ganter: Gerade hängt über meinem Bett: Smile. Das knüpft aber an die Achtsamkeit an.

Fudder: Auf dem Cover des neuen Albums ist kein Bommelhut mehr zu sehen – sondern eine rote Blume…
Ganter: Was das für eine ist, weiß ich gar nicht so genau. Die hat – zur Abwechslung – mal keinen tieferen Sinn.

Video: Mockemalör – Riesen


  • Was: Mockemalör live
  • Wann: Freitag, 7. Oktober 2016, 20 Uhr
  • Wo: Jazzhaus, Schnewlinstr. 1, 79098 Freiburg