Mitfahrgelegenheit.de: Neue Regeln, wütende Nutzer

Marius Notter

Mitfahrgelegenheit.de ist der Marktführer im MFG-Vermittlungs-Gewerbe. Rund 750.000 Fahrten stehen nach Angaben des Unternehmens ständig im Vermittlungsportal zur Verfügung. In der vergangenen Woche hat der Betreiber seine AGB verändert: wer mitfahren will, muß ein Buchungssystem benutzen, das bisher optional war, außerdem müssen Fahrtenanbieter 11 Prozent Vermittlungsgebühr zahlen. Die Nutzer sind entrüstet:

Fast 400 Kommentare unter einem harmlosen Osterei-Bild-Posting, fast 600 unter einer Stellungnahme: auf der Facebookseite von Mitfahrgelegenheit.de machen sich die Nutzerinnen und Nutzer des MFG-Vermittlungsdienst Luft. “Ihr nehmt den Leuten nicht nur die Gelegenheit spontan noch eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen, sondern auch den Fahrern, spontan eine anzubieten", beschwert sich eine Userin. "Wollte gerade eine Fahrt eintragen, musste leider lachen als ich die 11%-Sache gesehen hab. Suche: Neues Portal zur Mitfahrersuche", schreibt ein User. Viele finden weniger Worte: "Und Tschüss!"


Der Grund: seit etwas mehr als einer Wochegelten für Fahrten über 100 Kilometern Länge, die über das Portal organisiert werden, neue Regeln. Nur sechs Tage zuvor wurden die Nutzer über die AGB-Änderung informiert.

Was sich für Fahrer und Mitfahrer ändert

"Ab dem 27.3. 2013 werden alle Fahrten auf innerdeutschen Strecken ab 100 Kilometern ausschließlich über das Buchungssystem organisiert", informierte das Unternehmen lapidar am 21. März.  Dieses Buchungssystem gab es schon seit knapp drei Jahren, bisher war die Benutzung jedoch freiwillig - und scheinbar nicht zu eifrig. Anfang des Monats veröffentlichte das Unternehmen eine Bilanz nach 1000 Tagen Buchhungssystem und verwies auf Buchhungsraten von "61 Prozent aller registrierten Nutzer" - auf einer Seite, die die allermeisten jedoch wohl ohne Registrierung benutzt haben dürften.

Doch jetzt sind Registrierung und Buchungssystem Pflicht - und die Fahrer müssen 11 Prozent Provision auf die Mitfahrergebühr zahleb, Das sind auf der Strecke Freiburg - Stuttgart bei einem Fahrpreis von zwölf Euro, 1,32 Euro, die das Portal pro Mitfahrer kassiert. Eingezogen wird das Geld per Abbuchung am Ende des Monats; Fahrer müssen also Kontodaten hinterlegen. Für Mitfahrer wurde außerdem die Bezahlung des Fahrpreis über Paypal, Kreditkarte und Online-Sofortüberweisung ermöglicht.

Das soll sowohl Fahrern als auch Mitfahrern eigentlich Vorteile bringen: Planungssicherheit und keine doppelt vergebenen Fahrplätze, keinen Ärger ums Geld, weil es schon bezahlt ist, eine Buchhung rund um die Uhr sowie die Möglichkeit der Bewertung aller Beteiligter nach vollendeter Fahrt.

Und klar - das Unternehmen will seine Dienstleistung bezahlt bekommen. "Wir müssen natürlich sehen , dass wir das System Mitfahrgelegenheit finanzieren müssen. Heute arbeiten schon über 60 Personen hier, die tagtäglich dafür sorgen, dass das ganze System läuft", sagte Thomas Rosenthal, Pressesprecher des Unternehmens im MDR.

Die Nutzer haben Angst um ihre Daten

Doch selbst Nutzer, die grundsätzlich bereit wären, für die Vermittlung zu zahlen, sind sauer: "Im Übrigen habe ich nichts dagegen, für eine gute Dienstleistung angemessen zu bezahlen. Aber erstes sind 11% zu viel, zweitens macht das Buchungssystem für Fahrer alles viel komplizierter und indirekter, und drittens läuft mit Zwangsabgabe meiner Kontodaten etc. sowieso schon Mal gar nichts", schreibt einer auf Facebook. Ein anderer postet: „Ich werde von Euch demnächst anfordern, welche Daten ihr über mich wo und wie speichert und ich erwarte volle Transparenz.“ Wieder andere Nutzer sind besorgt, dass die Firma vermarktbare Bewegungsprofilen erstellen könnte, andere vermuten, dass es langfristig zu Steuerproblemen für Fahrer kommen könnte. Und Bankdaten und Schufa-Check wollen Dutzende nicht abgeben.

Und der Protest der Nutzer zeigte zumindest ein wenig Wirkung: am Donnerstagnachmittag bezog das Unternehmen erstmals Stellung, und entfernte die Bonitätsprüfung via Schufa/Infoscore auf den AGB und verwies abermals auf die Kosten, die der Betrieb der Seite mit sich bringt: "Der technische und personelle Aufwand (reibungsloser Betrieb und Weiterentwicklung der Seite, Kundenservice, mobile Apps), der hinter so einer Plattform steckt, kostet Geld. Und da sind Werbeeinnahmen keinesfalls ausreichend!"

Welche Alternativen gibt es zu mitfahrgelengeheit.de? Am Freitag veröffentlichen wir auf fudder eine kleine Übersicht. Eine Vorwarnung: registrieren muss man sich bei den allermeisten.

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  [Bilder: Carpooling/Mitfahrgelegenheit.de]