Mit Tempo 120, Blaulicht – und Strohhüten durch den Schützenalleetunnel

Joachim Röderer

Mit 120 Sachen rast ein BMW durch den Schützealleetunnel Richtung Freiburger Innenstadt. Auf dem Dach: ein blinkendes Blaulicht. Im Auto: vier Männer mit Strohhüten auf dem Kopf.

Die Älteren werden sich noch an die US-Fernsehserie um den glatzköpfigen Ermittler Theodoros Kojak und seine Assis Crocker und Stavros erinnern. Immer wenn es ernst wurde, griff Kojak Richtung Mittelkonsole seines Zivilautos, holte das Blaulicht, setzte es lässig aufs Dach – und los ging die wilde Verbrecherjagd.


Eine Freiburger Variante von "Einsatz in Manhattan" spielte sich am Morgen des Pfingstsonntags ab. Da raste nämlich ein BMW mit 120 Sachen aus Richtung Schwarzwald stadteinwärts auf der B31 durch den Schützenalleetunnel. Auf dem Dach des BMW blinkte ein eingeschaltetes Blaulicht.

Ein Zeuge meldete dies der Polizei. Es handle sich um ein ziviles Fahrzeug. Das Blaulicht zeigte seine Wirkung: Andere Fahrzeuge machten Platz, einzelne fuhren sogar gleich rechts ran. Den Anrufer zeigte sich jedoch misstrauisch: Denn die vier Insassen des BMW hätten allesamt Strohhüte getragen.

Und der Mann lag mit seiner Vermutung richtig, dass auch nach dem jüngsten Kleiderwechsel der Polizei diese Kopfbedeckung nicht zur Ausrüstung der Gesetzeshüter gehört, auch nicht an Hochsommertagen. Das Kennzeichen war notiert, die Blaulichtfahrer wurden im Freiburger Umland ermittelt.

Sie waren natürlich keine Polizisten. Nun ermittelt die echte Polizei, Nötigung steht im Raum. Natürlich muss man diese Tat verdammen. Und dennoch hat uns diese sonntäglich Blaulichtfahrt ein kleines Lächeln abgenötigt.