Konzert

Mit Maximilian Hecker kommt ein Weltstar in den Freiburger Slow Club

Florian Fromm

Man kann ihn auch als schüchternen Narzissten bezeichnen – oder ihn vergöttern: Maximilian Hecker. Der Deutsche wird in Asien gefeiert, ist in Deutschland aber noch immer ein Indie-Geheimtipp. Am Donnerstag tritt er im Slow Club auf.

Es war im Jahr 2001 als sich die Musik-Fachwelt einmal kräftig Augen und Ohren rieb und das Debütalbum Infinite Love Songs des damals 24-jährigen Maximilian Heckers über den grünen Klee lobte. Sogar auf die Liste der Top10-Alben des Jahres in der New York Times schafften es die traurig anrührenden, auf Englisch vorgetragenen Balladen des jungen Straßenmusikers aus Berlin. Alles zart gehaucht, instrumental zurückgenommen und in Gänze vom Künstler selbst eingespielt, dazu textlich ergreifendes Pathos ohne dabei ins Kitschige abzudriften. Vergleiche mit Radiohead oder Kings Of Convenience wurden von Musikkritikern gezogen. Eine große Karriere stand bevor, da waren sich alle einig.




Aber nicht nur eine Musikerkarriere begann damals vor 18 Jahren, es war vor allem ein großes Missverständnis in der öffentlichen Wahrnehmung, das sich einen langen Weg bis ins Jetzt und hier und heute bahnte: Das Mysterium Maximilian Hecker.

In Asien Popstar, in Deutschland Geheimtipp

Die Fakten sind dabei schnell erzählt: Neun Studioalben sollten folgen, die Resonanzen der Kritikerinnen und Kritiker darauf waren gleichbleibend positiv ausgefallen und die Sache mit dem Ruhm und dem großen Erfolg hatte sich auch eingestellt. Nur nicht in Europa, ja, nicht einmal in Deutschland. Während er hierzulande ewiger Indie-Geheimtipp bleibt, wird er ausgerechnet in Asien als Popstar verehrt und füllt große Konzerthallen. Er selbst führt das darauf zurück, dass sein Hang zum Melodramatischen tief in den Kulturen Südkoreas, Taiwans oder Chinas verwurzelt sei und die Berührungsängste mit ganz großen Gefühlswelten dort schlicht nicht existieren würden. Im Gegensatz zur reservierten deutschen Kultur.



Warum ihm der ganz große Erfolg in Deutschland bisher verwehrt blieb, könnte unter anderem aber auch daran liegen, wie sich der Multi-Instrumentalist Hecker über die Jahre selbst medial inszenierte. So wirkten seine Interviews zuweilen eitel, seine Auftritte gegenüber Fans und Journalisten oft gewollt unbeholfen. Ein hoffnungsloser Romantiker sei er, immer auf der Suche nach der unerreichbaren Liebe. Seine Musik vor Publikum vorzutragen, quäle ihn regelrecht. Die Erwartungshaltung seiner Umwelt bringe ihn zur Verzweiflung. Warum er dann musikalisch so eifrig die Öffentlichkeit sucht und nebenbei auch noch als Buchautor ("The Rise And Fall of Maximilian Hecker") in Erscheinung getreten ist, bleibt sein ganz persönliches Geheimnis.

Hecker kokettiert mit den scheinbar ungeliebten Bühnenauftritten

Wer sich nun fragt, wieso es dann lohnen sollte diesen Donnerstag in den Slow Club zu gehen, der hat Maximilian Hecker noch nie live erlebt. Es ist ein emotionaler Sog, dem sich kaum einer entziehen kann. Ein musikalischer Fantasietrip. Das Publikum darf sich wegträumen, regelrecht ein Bad nehmen in der berührenden Falsett-Stimme eines Künstlers, der seine romantischen Musikwelten wirklich zu leben scheint. Das Kokettieren mit den scheinbar ungeliebten Bühnenauftritten wird wohl aus diesem einzigen Grund oft als "Fishing for Compliments" empfunden: Die Auftritte Maximilian Heckers sind schlicht großartig.
Was: Maximilian Hecker
Wann: Donnerstag, 31. Januar 2019
Wo: Slow Club Freiburg
Eintritt: 12 € / 10 € (Mitglieder Slow Club)