Mit Mate, Mac und Moustache: Parodie auf den Berliner Hipster

Maria-Xenia Hardt

Sie trinken Latte, lesen Jack Kerouac und verschwinden immer wieder hinter diversen Apple-Produkten: So wird der Berliner Hipster in einer Video-Parodie beschrieben, die "Polyeyed Phantom" vor einigen Tagen ins Netz gestellt haben, und das seitdem die Runde durch die sozialen Netzwerke macht. Einer der Macher ist der Freiburger Joel Montagud, der von 2006 bis 2009 für fudder im Einsatz war.

Polyeyed Phantom, das sind junge Leute, die aus allen Himmelsrichtungen in die Hauptstadt gekommen sind, so wie Joel Montagud aus Freiburg (Bild unten, Zweiter von links), der dort seit September Musik studiert.


„Besonders wenn man zugezogen ist, sticht einem das Hipstertum hier sehr ins Auge“, sagt Joel, „daran sieht man auch, dass es schon einen großen Berlin-Hype gibt, das ist ja so was wie das Silicon Valley Europas: Alle wollen hin.“ Und alle wollen besonders sein. Sie kombinieren hässliche Kleider vergangener Jahrzehnte mit hässliche Accessoires in der Hoffnung, dass negativ und negativ positiv ergibt.



„Sich in Second-Hand-Läden an der Mode der Vergangenheit zu bedienen ist ja seit Jahren aktuell“, sagt Joel, „und weil es immer mehr werden, hat sich ein regelrechter Hass gegen das Hipstertum entwickelt.“ Das wollte er mit seiner Crew im Video ein bisschen auf die Schippe nehmen und „in Tierfilm-Style“ aufarbeiten. Einer der Beteiligten, Jan (der große Blonde im Film) studiert Biologie, er hat den Text geschrieben.

Der Berliner Hipster

Quelle: YouTube
[youtube 58PAu-WGB7g nolink]

Seit es am 7. Januar 2012 auf YouTube hochgeladen wurde, wurde das Video mehr als 85 000 Mal angeschaut, von unzählingen Nutzern auf Facebook geteilt und kommentiert. Die Reaktionen sind geteilt: Viele scheinen sich prächtig darüber zu amüsieren, andere fühlen sich angegriffen gefühlt von den Eindringlingen aus der Provinz. Joel ist nicht überrascht: „Es gab schon auch viele beleidigende Kommentare, das ist ja auch irgendwie klar, wenn man polarisiert."

Ganz wollen sich die Filmemacher auch nicht von der kritisierten Bewegung ausnehmen. „Wir kleiden uns auch modisch und sind in diesem Sinne auch Hipster“, gesteht Joel ein, „allerdings lassen wir uns keine Dreiecke auf die Arme tätowieren und nehmen Abstand von Schnurrbärten.“

Mit dem Film wollten sie auch darauf hinweisen, dass es langsam langweilig wird. „Die ganze Bewegung gibt es jetzt schon drei Jahre.“ Als Joel an Weihnachten zu Hause in Freiburg war, konnte er „selbst hier alte Retro-Kameras und den ein oder anderen Moustache“ entdecken. „Ich habe schmunzeln beobachtet, dass es langsam auch in Freiburg angekommen ist“, sagt er und findet: „Zeit für was Neues!“



Mehr dazu:

  [Disclosure: Joel Montagud war von 2006 bis 2009 Teil von Team fudder - und wir vermissen ihn alle sehr. Über seinen Hipster-Film hätten wir aber auch berichten, wenn dem nicht so wäre.] [Fotos: Polyeyed Phantom]