Mit einer neuen Lernmethode sollen Geflüchtete leichter Deutsch lernen können

Frederik Eikmanns

Ein Start-Up aus Freiburg will das Sprachenlernen verändern. Mit einer neuen Methode und per Audiokurs sollen Geflüchtete einfacher Deutsch lernen können. Der Trick: Berieselung.

Eine neue Sprache lernen, das bedeutet Vokabeln wiederholen und Grammatik pauken. "Stimmt nicht!" behauptet das Freiburger Startup Jicki. "Sprachdusche" nennen die Mitarbeiter ihre Methode, per Audiokurs zu lernen. Jetzt wollen sie die Idee nutzen, um Geflüchteten die Integration zu erleichtern.


Rhythmisches Vorsprechen und Hintergrundmusik

Sprachdusche? Klingt erstmal komisch. "Der Ansatz basiert auf der Methode, mit der Kinder sprechen lernen", erklärt Helge Straube (26), der Jicki Anfang 2016 gegründet hat. Statt aktiv zu üben, soll der Nutzer entspannen und zuhören, während ihm rhythmisch vorgesprochen wird. Im Hintergrund läuft dazu ruhige Musik. Zusammen ergebe das ein sogenanntes Lernkonzert. Ein Konzept, das bald mit einer App auch offline verfügbar sein soll.

Bis dahin läuft alles über eine Website. Zur Auswahl stehen derzeit Kurse zu sieben verschiedenen Sprachen. Seit vergangenem Sommer auch einer zum Deutschlernen, gezielt für Geflüchtete, die Arabisch sprechen. Während die anderen Kurse je nach Laufzeit zwischen 4,95 und 9,95 Euro monatlich kosten, ist der Deutschkurs kostenlos. "Unserer Meinung nach ist die Sprachbarriere eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur Integration", sagt Straube.

Mit dem frei zugänglichen Kurs will das Startup helfen, diese Hürde zu überwinden. Es gehe darum, so schnell wie möglich die wichtigsten Vokabeln zu vermitteln, die nötig sind, um sich zurecht zu finden. Das sei von Geflüchteten und Hilfsorganisationen gut aufgenommen worden. Immer wieder sei Jicki gebeten worden, das Angebot zum Deutschlernen auszubauen.

Dem will das Startup jetzt nachkommen. Dafür wurde eine Crowdfunding Aktion ins Leben gerufen. Kommen 5000 Euro zusammen, sollen die neuen Kurse produziert werden. Wird noch mehr Geld gespendet, könnten weitere Sprachen, etwa Farsi, implementiert werden.

Ganz so weit ist die Crowdfunding Aktion aber noch nicht: Etwas mehr als 4000 Euro (Stand: 5. Juli) sind bisher zusammengekommen. Jonas Al-Nemri (33), einer der Mitarbeiter, ist zuversichtlich, kümmert sich zusammen mit seiner Frau auch außerhalb des Jobs um Geflüchtete. Arabisch hat er im Studium gelernt, ganz klassisch über Grammatik und Schrift. "Das funktioniert aber einfach nicht so gut wie unsere Methode" sagt er. Stimmt das? Im Selbstversuch funktioniert das erstaunlich gut. Nach knappen 15 Minuten unter der Sprachdusche sind tatsächlich viele der neuen Vokabeln im Gedächtnis hängen geblieben. Und das gänzlich entspannt.