Mit einem Graffiti-Jam an der Dreisam feiern Künstler 30 Jahre Kinderrechte

Florian Fromm

Mit einer Graffiti-Aktion feiern Freiburger und Basler Artists 30 Jahre Kinderrechte unter der Leo-Wohleb-Brücke. An der Dreisam-Wall, wo Graffitis erlaubt sind, gaben ältere Künstler den jüngeren Tipps.

Als im Jahr 1989 die UN-Kinderrechtskonvention von der Generalversammlung der Vereinten Nationen nach jahrzehntelangem Ringen um die richtigen Formulierungen verabschiedet wurde, da war das gemeinhin als Graffiti verstandene Style-Writing bereits seit einigen Jahren aus den Großstädten der USA nach Europa geschwappt. Eine neue Kunstform und Jugendkultur befand sich metaphorisch gesprochen gerade im Grundschulalter, als die Welt gemeinsam den Entschluss fasste auch allen Personen unter 18 Jahren die Menschenrechte zuzugestehen.


Während der Kampf für die tatsächliche Umsetzung der Rechte für Kinder weltweit von Kriegen, Hunger und Flucht täglich neu auf die Probe gestellt wird, ist die Kunstform mit der Sprühdose im Erwachsenenalter angekommen. Nicht mehr wegzudenken aus den öffentlichen Räumen jeder Stadt, teilweise angekommen im großen Zirkus des Kunstmarkts, aber weiterhin mit dem freiheitlichen Impetus sich im öffentlichen Raum ausdrücken zu dürfen.

Ein Basler Künstlerkollektiv füllt die Leerräume

So geschehen am Samstag an einer von der Stadt Freiburg legal zur Verfügung gestellten Wand unter der Leo-Wohleb-Brücke. Der Wahlfreiburger und Graffiti-Writer Peter Lackdorf, bekannt als Welk, organisiert seit ein paar Jahren immer wieder Jams an der "Dreisam-Hall". Das Besondere heute: Nach einem gemeinsam im Team entwickelten Konzept (Die Kidz wollen Graffiti) wurde die Freifläche im Namen der Kinder gestaltet. Ein 90 Meter langes Plädoyer dafür, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und "die Welt immer mal wieder aus Kinderaugen zu betrachten. Ehrlich, direkt und ohne aufgesetzte politische Botschaft oder einer künstlichen Anleitung zur Interpretation", beschreibt Lackdorf die inhaltliche Offenheit der Zusammenarbeit.

Jede und jeder Künstler und Künstlerin hat einen zugeteilten Platz zur Verfügung, festgelegt wurden im Vorfeld lediglich Farbwahl, Größe und Style der Einzelbeiträge. Das befreundete Basler Künstlerkollektiv ÜBR füllt den Raum dazwischen mit kreativen Characters aus, darunter eigens kreierte und bekannte Comicfiguren aus den Kinderzimmern der Welt. Erst die Verbindungen zwischen den einzelnen Bildern lässt das Ganze zu einer Geschichte zusammenwachsen. Am Ende entsteht etwas im wahrsten Sinne des Wortes Großes und vor allem Gemeinsames.

Der Freiburger Künstler Tom Brane hilft den Kids

Ein paar der insgesamt 25 Künstler sind heute selbst Eltern. Teilweise leuchten die Namen ihrer Kinder in bunten Farben von der Wand. An diesem Samstag führen sie eine neue Generation an ihre Leidenschaft heran und machen deutlich, wie wichtig öffentliche Freiräume für Kinder und Jugendliche sind. Mit dabei als treibende Kraft ist an diesem Tag auch der bekannte Freiburger Maler Tom Brane. Die Freiheit, auch außerhalb institutionalisierter Kunst- und Kulturbetriebe einen eigenen Weg zu finden, war und ist für ihn manchmal eine steinige Angelegenheit.

In offenen Workshops, aber vor allem mit der Unterstützung durch Material setzt er sich jetzt dafür ein, dass Jugendliche diese Entdeckungsreisen der eigenen Kreativität etwas einfacher antreten können als es in seiner Jugend möglich war. "Spraydosen, Mundschutz, Wandfarbe und vieles mehr. Das alles konnte ich mir nicht immer leisten und musste es mir auf ungewöhnlichen Wegen besorgen. Das ist es, was die Kids brauchen. Nicht meine Belehrung und Anleitung wie sie zu malen haben. So helfe ich einer neuen Generation am liebsten", erzählt Brane.

Die beiden Jüngsten sind 15 Jahre alt

Die beiden jüngsten Graffiti-Artists sind die gerade mal 15 Jahre alten Writer Ray und Moks. Für talentierte Freigeister wie sie setzen sich Tom Brane und Peter Lackdorf ein.

Dreißig Jahre nach Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention, steht es um die freie künstlerische Entfaltung der Jugendlichen in Freiburg nicht ganz schlecht. Für die 14 legalen Wände (Halls) im Stadtgebiet sind die Künstler und Künstlerinnen dankbar, trotzdem seien das noch zu wenige. Durch die Weitergabe der Lust am Graffiti wächst der Bedarf an Orten, an denen es möglich ist, sich legal auszutoben stetig weiter.
Beteiligte Künstler: Zoolo, Tom Brane, Dator, Beat, Dias, Mask, Home87, Ayos, Ray, Cent, Rony, Funny, Arnoe, Wes, Merk, Heiko, Toner, Serp, Beutel, Funny, Asin, CedC. Psyck, Smop, Welk