Mit Ein-Quadratmeter-Setlist und Joe Cocker-Mimik: Bernd Begemann im Jazzhaus

Benjamin Köhler

Wenn nach einem Konzert der Bauch vor Lachen wehtut, war entweder die Band total stümperhaft, oder Bernd Begemann in der Stadt. Gestern traf letzteres zu. Ben war für fudder im Jazzhaus dabei.



Der Abend beginnt mit einem leichten Schock. Kaum an der Kasse vorbei, empfängt uns ein nahezu gähnend leerer Konzertsaal. Es gibt zwar einige Gründe, woran das liegen könnte (mieses Wetter, Fußball, Freiburg ist in Mario Barth Hand...), doch hat man dennoch mit ein wenig mehr Resonanz gerechnet. Ganz so unbekannt ist der gute Bernd Begemann schließlich auch nicht mehr.


Ziemlich pünktlich kommt er dann mit seiner Befreiung auch schon auf die Bühne. Gott sei Dank haben sich mittlerweile zumindest genügend Leute eingefunden, so dass der Platz vor der Band einigermaßen gefüllt ist. Bernd Begemann ist das aber alles ohnehin egal. Ihm geht es in erster Linie darum die Leute zu unterhalten. Und ob das zehn oder hundert sind spielt keine Rolle.

Den ersten Gag liefert Begemann bereits vor dem ersten Song. Zu seinen Füßen breitet er erstmal eine 1 Quadratmeter große Setlist aus. Er ist eben der Rockstar der Herzen. Die Zuschauer, die den Weg ins Jazzhaus gefunden haben wissen das und gehen gleich von Beginn an mit. Die Songs werden textsicher mitgesungen und Bernd Begemann revanchiert sich mit seiner unnachahmlichen Bühnenpräsenz, Joe Cocker Gedächtnis-Mimik und Freestyle-Zoten am Fließband.



Nach wenigen Minuten muss die Krawatte dran glauben und das Hemd wird aufgeknüpft. Erotische Stimmung kommt auf. Im folgenden geht es in ausgiebigen Diskussionen um Rückenhaare, Rasur und Liebe zwischen den Bandmitgliedern. Dazwischen werden tatsächlich auch Lieder gespielt, die Begemann zum Beispiel so ankündigt: „Der nächste Song ist zwar nicht gut, aber wichtig!“

Inmitten des Konzerts gibt es fünfzehn Minuten Pause. Mit neuem Hemd und neuer Krawatte geht es dann weiter, um noch mehr „Stimmungsschlager“ zu zelebrieren. Gerne und häufig auch auf Wunsch des Publikums, welches Bernd Begemann nun total verfallen ist. Es ist aber auch nahezu unmöglich diesen grundsympathischen Burschen und seine Band nicht zu mögen. Wie auch, wenn selbst eine Elvis-Interpretation und ein halbes Van Halen-Cover zur Abwechslung mal nicht peinlich, sondern verdammt lustig sind?

Über zwei Stunden unterhalten Bernd Begemann und Die Befreiung prächtig. Das muss erstmal einer nachmachen. Wäre Begemann doch bloß ein Kandidat für die OB-Wahl. Sie würde deutlich leichter fallen.