Mit Dolch zum Frühstück

David Weigend

Am Samstagvormittag um 10 Uhr ist in Bad Krozingen eine Polizeistreife ausgerückt, um einen frühstückenden Kunden in einer Bäckerei zu überprüfen. Es war gemeldet worden, dass der Kunde mit einem großen Dolch hantierte. Der Mann erklärte, er sei Fernfahrer und spät abends von einer Tour zurückgekommen. Bevor er mit seinem eigenen PKW nach Hause fahre, wolle er frühstücken.

Weil das Bäckereipersonal kein scharfes Messer zum Weckleaufschneiden hatte, habe er eben seinen Dolch eingesetzt. Nach der Überprüfung konnte der Mann seinen Heimweg antreten.


Wir haben uns gefragt: Dürfte man auch mit einem Samuraischwert in die Bäckerei marschieren, um es zum Weckleschneiden zu benutzen? Die Frage erläutert Roland Braunwarth, Sachverständiger der Kriminaltechnischen Untersuchungsstelle des Regierungspräsidiums Freiburg:

"Das Waffengesetz unterscheidet zwischen feststehenden Messern einerseits sowie Spring- und Fallmessern andererseits. Spring- und Fallmesser sind grundsätzlich verboten, es sei denn, die Klinge ist kürzer als 8,5 Zentimeter, relativ breit und nur einseitig geschliffen.

Bei den feststehenden Messern wiederum kommt es auf die Zweckbestimmung an, also ob es sich um eine Stich- und Stoßwaffe handelt oder nicht. Ein Brotmesser etwa ist keine Stichwaffe, da es zum Brotschneiden bestimmt ist. Es unterliegt nicht dem Waffengesetz und könnte beispielsweise von einem 13jährigen auf der Straße mitgeführt werden.

Ein Dolch oder ein Samuraischwert allerdings sind Stich-und Stoßwaffen. Man muss 18 Jahre alt sein, um sie mitführen zu dürfen und man darf sie nicht bei öffentlichen Veranstaltungen (Jahrmarkt etc) bei sich tragen. Der Betrieb einer Bäckerei ist keine öffentliche Veranstaltung, somit darf man sie theoretisch mit einem Samuraischwert betreten, sofern man damit nicht herumfuchtelt oder droht."