Mit dieser App können selbst Bobbele noch was über Freiburg lernen

Johanna Wagner

In Freiburg kennst du dich aus, da bist du dir sicher. Zu sicher? Eine App von Freiburger Studierenden führt dich jetzt an Freiburger Orte, an denen Geschichte passierte. Oder zu konsumkritischen Institutionen. Selbst du, Bobbele, kannst da noch was lernen:



Es ist 1985. Ich stehe im Grethergelände vor dem Radio Dreyeckland. Hubschrauber rattern durch die Luft, Polizeisirenen kreischen. Ich höre die Stimme des Radio-Sprechers durch den Hof schallen. Das Radio Dreyeckland ist ein illegales Radio, entstanden aus der Anti-Atom-Bewegung. Der Sprecher ruft: 'Hallo, hier Radio Dreyeckland. Die Bullen haben jetzt das Gelände angegriffen!' Ich möchte dem Piraten-Radio helfen und suche nach Steinen.


Ups. Ich sollte damit aufhören. Denn das, was sich so täuschend echt anfühlte, höre ich nur über meine Kopfhörer, die am Smartphone angeschlossen sind. Darauf habe ich die App 'Freiblick' geöffnet. Diese App leitet durch eine virtuelle Stadttour, die Freiburg von einer anderen Seite zeigen soll. Entwuickelt haben sie Studierende - in einem Seminar an der Uni in Freiburg.

Entwickelt von Studierenden

Seit dem Wintersemester 13/14 leiteten Dr. Anna Chatel und Monika Nethe dieses Seminar. Knapp eineinhalb Jahre lang arbeiteten Master-Studierende des Studiengangs 'Geographie des globalen Wandels' und Studierende der PH an der App, jetzt veröffentlichten sie. Sie ist kostenlos im Appstore erhältlich, läuft aber nur auf Android.

Verschiedene Routen ermöglichen an bestimmten Standorten neue Blicke auf Freiburg. An jedem Standort erhält man von der App Informationen zu Geschichten, die dort spielten. Beispielsweise durch alte Fotografien des Standortes oder durch alte Tonaufnahmen.

Die App basiert auf dem Ansatz 'Heritage Interpretation'. Dabei wird der User bei seinem Wissensstand abgeholt. Ganz sanft werden Laien so mit akademischen Wissen konfrontiert. Wissenschaft und Geschichte sollen durch Hörbeispiele, Bildvergleiche und Anekdoten an Langeweile verlieren.

Bislang stehen drei Routen zur Verfügung

Momentan verfügt die App über drei Routen, mehr sollen folgen. "Entengang zum kritischen Konsum" führt zu Orten, an denen Alternativen zum Dauerkonsum aufgezeigt werden. "Alles nur kirschgrünes Theater?" hinterfragt das Green City Image Freiburgs, "(Un-)sichtbare Bewegung in Freiburg" erzählt von der Freiburger Protestkultur.

Die Touren dauern zwischen einer halben und zwei Stunden, sind aber auch mit dem Fahrrad gut möglich. Studentenproteste, Konsumkritik, Green-City-Image. Wer sich mit diesen Themen auch noch auf dem Fahrrad beschäftigt, ist in Freiburg angekommen.

Info

Die App "Freiblick" ist herunterzuladen im Google Playstore.

In der App enthalten sind drei Stadterkundungen:

- "KonsumENTEN im Blick: Im ENTENgang zum kritischen Konsum"
- "Alles nur kirschgrünes Theater (Green City Freiburg)"
- "(Un-)sichtbare Bewegungen in Freiburg – Die andere Stadtführung" sind bisher ausschließlich auf Geräten mit Androidsystem verfügbar.

Kontakt: Anna Chatel und Monika Nethe, Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie der Albert-Ludwigs-Universität,  0761 / 20 39 119 und anna.chatel@geograpphie.uni-freiburg.de, monika.nethe@geographie.uni-freiburg.de

Mehr dazu:

[Foto: Johanna Wagner]