Wohnungssuche

Mit diesen 9 Tipps klappt’s beim WG-Casting

Julia Dreier & Evelyn Steinbach

Wer jemals in Freiburg ein Zimmer gesucht hat, kennt das Gefühl der puren Verzweiflung. Wir geben 9 Tipps, mit denen es euch beim nächsten WG-Casting besser ergeht.

Das Abi ist geschafft und die Studiumszusage ist da, jetzt fehlt nur noch das passende Zimmer? Oder ihr müsst aus eurer WG raus und braucht ein neues Zimmer? Nicht nur in Berlin, Hamburg, Köln oder München, gerade auch in Freiburg kann es dauern, etwas zu finden. Auf ein WG-Zimmer kommen oft Hunderte Bewerber. Wie ihr herausstecht – und hoffentlich nicht länger suchen müsst:


1. Persönlich werden

Vor dem WG-Casting müsst ihr euch oft per Mail oder telefonisch auf das Zimmer bewerben. Werdet persönlich, erzählt von euch – und schickt zum Beispiel einen Link zum Facebook- oder Instagram-Profil mit.

2. Realistisch sein

Konzentriert euch am besten gleich auf Wohnungsanzeigen, die zu euch zu passen scheinen. Häufig erfährt man darin schon etwas über das aktuelle WG-Leben, wie "Wir kochen am Wochenende gern gemeinsam" oder "Wenn du auch gerne feiern gehst, bist du bei uns richtig". Wenn du weder Bock auf kochen noch feiern hast und den Abend lieber mit Buch und Burger im Bett verbringst – wäre die Mühe verschenkt.

3. Vorbereitung ist alles

Verinnerlicht vor dem Casting die Details aus der Anzeige. Die wenigsten Bewohner haben Lust, hundert Mal die Eckdaten zur WG herunterzubeten. Pünktlich kommen ist ein Muss – ein fancy Styling wiederum nicht. "Am besten erscheint man als der Mensch, der man ist", sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk in Berlin. Schließlich geht es darum, einen authentischen Eindruck zu hinterlassen – und das von Anfang an.

4. Interesse zeigen

"Beim Casting sollte man erst einmal darüber sprechen, was die WG von einem erwartet, und dann erfragen, wie sie funktioniert und was die anderen Bewohner so machen", rät Grob. Denn das Wichtigste seien neben dem Zimmer die Mitbewohner. "Erst danach stellt man sich selbst etwas genauer vor und erzählt, was man in die WG einbringen kann." Grob empfiehlt, sich während des Castings nicht zu verbiegen. "Man sollte auch ansprechen, wie man sich selbst das Leben in der WG vorstellt."

5. Ehrlich sein

Das offene Worte im Casting gut ankommen, hat Jana Thomas beobachtet. Sie ist Sozialreferentin für den Bereich Wohnen und Notunterkünfte beim AStA der Universität zu Köln. "Die Bewohner sollen merken, dass sich derjenige nicht verstellt", betont auch die Studentenvertreterin. Im Hinterkopf bleibe natürlich, dass man ein Zimmer braucht. Deshalb gelte immer noch: "Nicht den Fokus auf die schlechteren Eigenschaften legen, sondern auf die eigenen Vorteile und Stärken."

Aber trotzdem gilt: Zu viele Informationen müssen auch nicht sein. Sehr Privates gehört nicht in ein Casting – das können eure Mitbewohner noch erfahren, wenn ihr zusammenwohnt. "So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig", sagt Jana Thomas. "Wenn man das Gefühl hat, man wird verhört, dann sollte man aber einen Gang zurückschalten."

6. Probleme ansprechen

"Abklären sollte man die Punkte, wo das Leben aneinander reiben könnte, etwa wenn die Bewohner früh aufstehen, oder sie Wert darauf legen, dass es tagsüber leise ist", rät Jana Thomas. Auch die Ordnungsgewohnheiten sollte man vorher kennen und überlegen, ob die zu einem passen oder ob man sich gegebenenfalls anpassen würde. "Am besten man erkundigt sich nach Regeln, wie zum Beispiel das Kochen in der Küche gehandhabt wird oder die Hygiene im Bad", sagt Grob. Auch wichtig: Raucht ihr? Macht ihr oft Party?

7. Alleine kommen

Die No-Gos beim Casting: Eltern und Freunde mitbringen. "Der Schritt ins Studium ist definitiv einer, in dem man selbstständig werden muss", betont Grob. "Daher sollte man weitestgehend auf die Hilfe der Familie verzichten." Was man ebenso vermeiden sollte, sind falsche Versprechungen wie: "Ich koche jeden Freitag für euch" oder "Wenn ihr mich nehmt, dann ist der Bierkasten immer gefüllt". Daran müsse sich der neue Bewohner später halten. Das gelte auch für Staubsauger, Kaffeemaschine und Co., die man beim Einzug in Aussicht stellt.




8. Mietvertrag hinterfragen

"Empfehlenswert ist, sich nach der Form des Mietvertrages zu erkundigen", sagt Claus O. Deese, Geschäftsführer des Mieterschutzbundes. Er kennt aus der Praxis drei Varianten bei studentischen Wohngemeinschaften: Bei der ersten gibt es einen Studierenden als Hauptmieter, der die freien Zimmer in seiner Wohnung untervermietet. Es gelten zwar die gleichen Rechte wie bei einem Vertrag mit dem Eigentümer. "Nur kann der Hauptmieter in Bezug auf seine Untermieter andere Regelungen aufstellen", erklärt er. Etwa auch, was die Höhe der Miete anbelangt.

Besser sei, wenn die Studenten die Wohnung gemeinsam vom Eigentümer mieten. "Falls jemand die Wohnung verlässt, können die Übrigen eigenständig jemand Neues suchen, ohne das sich am Hauptmietvertrag etwas ändert", erklärt Deese. Der Nachteil: Die Bewohner haften für Mietausfälle der anderen. Dies passiert nicht, wenn in der WG jeder einen Vertrag mit dem Vermieter abschließt und so nur für die eigene Miete verantwortlich ist.

9. Wenn es nicht klappt

Die Bewohner werden sich mehrere Bewerber anschauen. Eine Zu- oder Absage bekommt ihr daher erst ein paar Tage nach dem Termin. Falls es nicht klappt, solltet ihr euch eine Absage nicht zu Herzen nehmen. "Das liegt oft nicht an einem selber, sondern daran, dass sich so viele auf das Zimmer bewerben", sagt Jana Thomas. "10 Castings werden mit Sicherheit nötig sein. Manchmal auch 20." Wer Alternativen sucht, kann ein Wohnungsgesuch aufgeben. "Hier haben Studenten mehr Erfolg, als man denkt", betont sie.