Mit diesen 6 Tipps überstehst du den Prüfungsendspurt

Enya Steinbrecher

Für viele Studierende ist jetzt Prüfungs-Endspurt. Tipps, um den zu überstehen, gibt’s von einer Psychologin des Freiburger Studierendenwerks.

Dem einen steht der Schweiß auf der Stirn, der anderen wird übel: Viele Studierende leiden unter Prüfungsangst. Die Klausurenphase ist dann eine Qual. Margarete Dietl, Diplompsychologin beim Studierendenwerk Freiburg-Schwarzwald, erklärt, was man als Betroffener gegen Prüfungsangst tun kann – und warum ein "Du schaffst das" von Freunden wenig hilft.


1. Strukturiere Deine Vorbereitung

"Je besser man sich vorbereitet, desto sicherer fühlt man sich im Bezug auf die Prüfung", sagt die Diplompsychologin Margarete Dietl. Angstmachende Situationen versuche man immer, zu vermeiden – deshalb würden Studierende mit Prüfungsangst das Lernen häufig vor sich herschieben. Dabei ist eine gewisse Anspannung sogar gut. "Man weiß dann, dass es um etwas geht", sagt Dietl. Problematisch wird’s erst, wenn die Anspannung die Überhand gewinnt: Dann blockiert sie, bereitet Unwohlsein und führt schlimmstenfalls zum Blackout. "Was übrigens nicht so häufig vorkommt, wie man denkt." Wer sich im Stoff sicher fühlt, der geht mit mehr Selbstbewusstsein in eine Prüfung.



"Bei Angst neigt man dazu, zu übertreiben" Diplompsychologin Margarete Dietl

2. Nimm Dir Zeit für Entspannung

Bei manchen Studierenden führt die Anspannung dazu, dass sie sich zurückziehen und ins Lernen stürzen. Entspannungspausen kommen dann oft zu kurz. "Viele Studierende glauben, dass ihnen eh schon die Zeit fehlt und sie sich jetzt nicht auch noch entspannen können", sagt Dietl. Das führt jedoch nur zu noch mehr Anspannung – und die blockiert.

Dabei ist Ausgleich in intensiven Lernphasen besonders wichtig. Egal ob erholsames Yoga, chillen im Thermalbad, intensiver Sport oder einfach nur ein Treffen mit Freunden: Was einem selbst gut tut, weiß man meistens schon. Die Auszeit vom Lernen sollte man einplanen – und dann auch ohne schlechtes Gewissen genießen.

3. Sortiere Deine Stress-Gedanken

Wer schon in der Schule nicht gut in Mathematik war, der resigniert schnell, wenn der Studienverlaufsplan Mathe oder Statistik vorschreibt. "Bei Angst neigt man dazu, zu übertreiben", sagt Margarete Dietl. Der Gedanke "Das kann ich einfach nicht", der dann aufkommt, ist daher unrealistisch, so die Diplompsychologin. Ein besserer Ansatz wäre: "Ich brauche jemanden, der es mir erklärt". Damit solche destruktive Gedanken wie "Ich kann das nicht" nicht ausbremsen, kann man sie durch eine Neubewertung konstruktiver machen. Der positive Gedanke muss jedoch echt sein, sagt Margarete Dietl: "Daher bringt uns ein ’Du schaffst das schon’ von Verwandten oder Freunden meist nicht weiter." Wer Hilfe bei der Neubewertung seiner negativen und stressfördernden Gedanken benötigt, dem könnte ein Gespräch mit den Psychologen des Studierendenwerkes helfen.

"Wenn die körperlichen Symptome wie Übelkeit oder Schlaflosigkeit überhand nehmen, sollte man sich mit dem Haus- oder Facharzt besprechen"Margarete Dietl

4.Bereite Dich so konkret wie möglich vor

Besonders bei Angst vor dem Prüfer ist es wichtig, diese Angst zu konfrontieren. Dietl rät: "In die Sprechstunden gehen, den Kontakt suchen, Fragen stellen." Und sich so gut wie möglich über die konkrete Form der anstehenden Prüfung informieren.

5. Greife nicht ohne Arzt zu Medikamenten

Der Griff zu Beruhigungsmitteln scheint oft die einfachste Lösung zu sein. Dennoch rät Margarete Dietl dringend von Selbstversuchen ab. "Wenn die körperlichen Symptome wie Übelkeit oder Schlaflosigkeit überhand nehmen, sollte man sich mit dem Haus- oder Facharzt besprechen", sagt sie. Ärzte können zumindest gegen körperliche Symptome vorgehen – und gegebenenfalls auch andere Ursachen wie eine Depression oder Angststörungen ausschließen.

6. Suche Dir professionelle Hilfe

Neben Einzelsitzungen bei den Psychologen des Studierendenwerks gibt es auch Seminare und Gruppentrainings gegen Prüfungsangst. "Dort finden sich Menschen, die offen über ihre Prüfungsangst reden", sagt Margarete Dietl. Studierende kämen häufig mit der Sichtweise zu ihr, sie seien die einzigen, die Probleme haben. Gruppenseminare jedoch können helfen, Gleichgesinnte zu finden und somit auch Scham abzubauen.

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