Lebensmittel

Mit diesen 5 Tricks ernährt sich eine Freiburger WG nachhaltig

Jannis Jäger

Urban Gardening, Apps und Foodsharing. Es gibt immer mehr Möglichkeiten, bewusster mit Lebensmittel umzugehen. Eine Freiburger WG hat 5 Methoden gefunden, um sich nachhaltiger zu ernähren.

Es gibt viele gute Gründe, seine Nahrungsaufnahme bewusster zu gestalten. Man wird weniger krank, tut etwas für die Umwelt und für die Gesellschaft. Doch gerade für Studierende ist ihr sozialer Status oft ein Grund, sich davon zu distanzieren.


Man ist pleite, hat keine Zeit und wenn es die Mensa schon mal gibt, kann man ja auch hingehen. Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, hat eine vierköpfige Freiburger WG teilweise radikale Schritte unternommen.

1. Kooperative GartenCoop Freiburg

"Regel Nummer eins: Man muss nichts, es wird nur angeregt", so charakterisiert Mitbewohnerin Nummer eins ihre Mitgliedschaft in der GartenCoop Freiburg. Dabei handelt es sich um eine selbstverwaltete Initiative für solidarische Landwirtschaft. Zugegeben, ein wenig Idealismus gehört dazu. Zum Start werden für die Mitgliedschaft erstmal 400 Euro fällig. Geld, das dafür gedacht ist, Saatgut, Werkzeuge und dergleichen zu finanzieren. Aber ist man mal drin, läuft alles nach Regel Nummer eins.

90 Euro Monatsbeitrag werden angeregt, aber wie es passt. Dafür ist man Teil der Gemeinschaft. Man hilft den Landwirten auf dem Feld bei Aussaat und Ernte, liefert Gemüse aus und verteilt es auf eine der Abholstationen. Mitglieder erhalten auf diesem Weg jede Woche eine Kiste mit Gemüse, das immer regional und saisonal ist. Alles zu gleichen Teilen. "Das fördert die regionale Landwirtschaft und hat einen großen Bildungseffekt," sagt Mitbewohnerin Nummer eins.

2. Apps gegen Lebensmittelverschwendung

Es ist eigentlich ein alter Hut, denn in größeren Städten boomen Apps gegen Lebensmittelverschwendung schon eine ganze Weile. In Freiburg jedoch waren die Möglichkeiten, die einem Apps wie "Too-Good-To-Go" oder der "ResQ Club" bieten konnten lange Zeit zu gering, um auch zufriedenstellend zu sein. Allerdings ändert sich das gerade, wie Mitbewohner Nummer zwei uns zeigt.

Seit fast einem halben Jahr ist Too-Good-To-Go nun schon auf seinem Handy installiert und wird intensiv genutzt. Über sein Handy findet er so Geschäfte im Einzelhandel oder der Gastronomie, die übriggebliebene Portionen zu einem reduzierten Preis verkaufen. "Viele kritisieren, dass man oft nicht frei wählen kann, was man bekommt und eine feste Uhrzeit zur Abholung erhält. Doch für mich ist das kein Hinderungsgrund", sagte er im Gespräch mit fudder.


3. Beet auf Balkon

"Wir haben zwei Wochen lang nur Mangold gegessen", erinnert sich Mitbewohner Nummer drei. Aber da ging noch mehr. Ein Jahr ist es her, da zimmerten die WG-Genossen aus ein bisschen Holz und einer Plastikscheibe ein kleines Beet und stellten es auf den Balkon. Von da an hatte man regelmäßig selbstgezogene Zucchinis, Tomaten, Radieschen, Salat und sogar Karotten.

"Zugegeben, wir hatten auch mehr Platz als der ein oder andere", sagt Mitbewohner Nummer drei, "aber ich habe auch Erfahrung damit, Kartoffeln in Ikea-Taschen zu pflanzen". Zwar läuft das Ganze wohl eher unter Hobbys, hat aber trotzdem bewiesen, dass aus wenig Raum relativ viel herauszuholen ist. Alles nach dem Motto: Kannst du die Berge nicht erreichen, hol’ den Schnee zu dir.

4. Schrebergarten

Ja, ihr habt richtig gelesen: Studierende im Schrebergarten. Lang, lang ist es her, dass sich einer der vier auf der Liste für neue Pächter eingetragen hat. Doch schließlich mit Erfolg. Auch wenn die Wartelisten kilometerlang und die Kaution für eine Parzelle ziemlich hoch ist, ließen sie sich nicht beirren. "Das Ganze läuft jetzt als Gemeinschaftsprojekt," sagt Mitbewohner Nummer vier, "Man teilt die Kosten und die Arbeit.

Alles mit dem Ziel, so viel eigenes Gemüse wie möglich zu haben und einen Ort, an dem man sich auch einfach mal treffen kann." Manch einer denkt jetzt vielleicht schon nostalgisch an seine Kuhkaff-Kindheit und tatsächlich war die Sehnsucht nach einem eigenen Garten für die ganze Aktion mit ausschlaggebend. "Wir haben alle von einem eigenen Garten geträumt," sagt Mitbewohnerin Nummer eins, "Und als Gemeinschaftsprojekt taugt es auch."

5. Foodsharing

Containern ist illegal, das stimmt, aber Foodsharing nicht. Ersteres kann mitunter als Diebstahl gewertet werden, da das Abholen der Tonnen durch die Müllabfuhr juristisch eine Eigentumsübertragung ist. Bei Letzterem handelt es sich um eine Initiative, die sich selbst an die Stelle der Müllabfuhr setzt. Die ehrenamtlichen Mitglieder der Foodsharing-Initiative können sich in Einkaufsläden oder Gaststätten durch Ausweise legitimieren und retten so, in Abstimmung mit den Besitzern, viele Lebensmittel.

Mitbewohner Nummer zwei hat gerade damit begonnen, sich einen solchen Foodsharing-Ausweis zu besorgen. "Das ist ein guter Weg, um etwas daran zu ändern, dass es Menschen gibt, die nichts zu essen haben, während gleichzeitig so viele Nahrungsmittel in der Tonne landen", begründet er seinen Schritt. "Unterm Strich muss man einer guten Ernährung einfach eine höhere Priorität zuteilen. Man muss erkennen, dass man mit ’Hauptsache billig und viel’ einfach nicht so gut lebt."



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