Mit dem Umsonstladen im Händelwohnheim will eine Freiburgerin das Konsumverhalten hinterfragen

Nora Ederer

In unseren Schränken und Regalen gibt es viele Dinge, die wir eigentlich nie brauchen und die trotzdem viel zu schade sind, um sie wegzuwerfen. Silvia Riccardi will diesen Gegenständen ein zweites Leben schenken: Sie betreibt den Umsonstladen.

Silvia, wie bist du mit dem Konzept "Umsonstladen" in Berührung gekommen?

Vor zwei Jahren bin ich von Italien nach Freiburg gezogen. Damals habe ich nur wenige Dinge mitgenommen. In meinem neuen Zimmer fehlten noch Vorhänge und da habe ich im Umsonstladen vorbeigeschaut, den damals noch eine andere Frau betrieben hat. Sie hat das Konzept aus ihrer Heimatstadt Reutlingen mitgebracht und mir gefiel die Idee. Es war so einfach und sinnvoll.

Im August 2014 wurde der Raum im Keller des Händelwohnheims dann leider überflutet. Deshalb musste ich ganz von vorne anfangen, als ich vor anderthalb Jahren übernommen habe. Ich habe dem Raum einen neuen Anstrich verpasst und ihn mit Möbeln von der Straße eingerichtet.

Was willst du mit dem Projekt erreichen?

Ich möchte, dass die Menschen, die in den Umsonstladen kommen, ihr Konsumverhalten überdenken. Wir alle besitzen so viel Gerümpel und Zeug, ohne dass die Sachen einen wirklichen Nutzen haben oder uns glücklich machen. Das raubt nicht nur viel Platz in unseren Wohnungen, sondern belastet uns auch mental.

Wenn ich aber weiß, dass mein zweites Paar Wanderstiefel oder mein alter Fahrradhelm für jemand anderes von Nutzen sein können, fällt es leichter, sich von den Dingen zu verabschieden. Darüber hinaus schont das Verschenken und Austauschen unsere Umwelt und Ressourcen. Und es spart natürlich Geld. Das ist vor allem für Studenten sehr praktisch.

Welche Gegenstände werden im Umsonstladen ausgetauscht?

Alles Mögliche! Angefangen von Lernmaterialien, über Kleidung und Accessoires, Haushaltsgegenstände wie Bilderrahmen und Küchenartikel, bis hin zu funktionstüchtiger Elektronik. Ich nehme allerdings keine Möbel oder hygienisch bedenkliche Artikel wie Unterwäsche oder Socken an.

Wichtig ist auch, dass der Umsonstladen nur für Bewohnerinnen und Bewohner des Händelwohnheims gedacht ist. Externe Leute können also nichts vorbeibringen oder mitnehmen.

Was war der außergewöhnlichste Gegenstand der jemals im Umsonstladen vertauscht wurde?

Einmal wurde ein sehr merkwürdiger schwarzer Kasten abgegeben. Er sah aus wie eine Fernbedienung ohne Knöpfe und hatte keine Anschlüsse oder Schraubstellen. Niemand wusste, für was er gut war, aber ich habe ihn für ein paar Monate im Umsonstladen behalten.

Da haben die Leute angefangen, über den Nutzen dieses Teils zu rätseln. Die lustigsten Vermutungen waren, dass man mit den Gerät Aliens anrufen könne und es Wellen aus dem Kosmos einfängt. Ich dachte, es wäre vielleicht eine kabellose Ladestation für Handys. Irgendwann hat ein Typ den Kasten dann mitgenommen – aber auch er konnte das Rätsel nicht lüften ...
Was: Der Umsonstladen im Händelwohnheim
Wo: Keller des Händelwohnheims, Aufgang F
Wann: Immer dienstags, 18.30 Uhr bis 19.30 Uhr

Facebook-Gruppe des Umsonstladens