Mit dem Rad durch Afrika: Zwei Freiburger berichten von ihrem Abenteuer

Merlin Gröber

Die beiden Freiburger Benjamin Beyersdorf und Felix Fach fahren seit Oktober 2016 mit dem Fahrrad durch Afrika. Ihr Ziel: Spenden für "Ärzte ohne Grenzen" sammeln. Im Interview berichten die 22-Jährigen von platten Reifen und Raubüberfällen.

Ihr seid schwierig zu erreichen. Wo seid Ihr gerade?

Benjamin: Normalerweise sind wir den ganzen Tag auf dem Fahrrad. Im Moment sind wir aber in Addis Ababa, der Hauptstadt Äthiopiens. Wir müssen auf ein Transitvisum warten. Die Situation ist angespannt, die Regierung hat vor zwei Monaten den Ausnahmezustand verhängt. Wir haben hier aber fast ausschließlich gute Erfahrungen gemacht.

Felix: Äthiopien ist unser Lieblingsland bisher. Die Menschen sind unglaublich gastfreundlich, es gibt Kaffee, gutes Essen und wunderschöne Natur.

Wann habt Ihr das letzte Mal in einem richtigen Bett geschlafen und geduscht?

Felix: Die letzte warme Dusche ist bestimmt einen Monat her. Meistens kriegen wir abends einen Eimer braunes Wasser. Damit können wir uns dann ein bisschen waschen. Alles in allem ist die Radtour in Sachen Hygiene aber eine echte Talfahrt.

Benjamin: Am Anfang haben wir viel im Zelt unter dem afrikanischen Sternenhimmel übernachtet. Mittlerweile schlafen wir auch oft in Restaurants, die kleine Zimmer vermieten. Manchmal sind diese Hotels auch gleichzeitig Stundenzimmer, das ist dann ein wenig seltsam.

Wie viele Pannen hattet Ihr auf der Tour bisher?

Felix: Wir hatten im ersten Monat 40 Platten. Das war wirklich eine Katastrophe. Wenn man den fünften Platten des Tages in der prallen Mittagssonne geflickt hat, möchte man sich am liebsten irgendwo vergraben.

Benjamin: Außer den Platten sind uns Felgen, Achsen und eine Schaltung gebrochen. Das haben wir aber alles irgendwie reparieren lassen und konnten weitereiern.

Mit dem Rad durch Afrika, wie kamt Ihr auf die Idee?

Felix: Eigentlich haben wir mit Radfahren nichts am Hut. Aber Fahrradfahren ist als Reiseart einfach nicht zu übertreffen. Man ist viel näher an den Menschen und deren Leben dran.

Benjamin: Wir leben im Moment einfach draußen, monatelang, das ist ein tolles Gefühl. Der Weg ist das Ziel. Der Spruch ist ausgelutscht, in unserem Fall passt er aber absolut.

Felix: Nach Afrika wollten wir, weil es für uns der spannendste und lebendigste Kontinent ist. Die Menschen haben uns mit ihrer Lebensfreude und Freundlichkeit beeindruckt.

Pannen, Hitze, Durst. Warum tut Ihr Euch das an?

Benjamin: Man rutscht in Deutschland schnell in eine Routine ab. Tag um Tag vergeht, ohne dass man wirklich weiß, was man eigentlich gemacht hat. Alltag ist nicht vergleichbar mit dem Freiheitsgefühl, das wir auf Reisen haben.

Felix: Wir haben das Glück und Privileg, solche Reisen machen zu können und das wollen wir auch nutzen. Jetzt sind wir jung und können Abenteuer erleben. Diese Reise werden wir nie vergessen. Außerdem sammeln wir Spenden für Ärzte ohne Grenzen. Mit dem Projekt "Give a chance", wollen wir etwas an die Menschen zurückgeben, auf deren Kontinent wir so viel Zeit verbringen dürfen.

Wie habt Ihr Euch auf eine so lange Radtour vorbereitet?

Felix: Am Anfang hatten wir keine Ahnung von Fahrrädern. Wir konnten nicht einmal Reifen flicken.

Benjamin: Zur Vorbereitung haben wir ein Praktikum bei einem Fahrradladen in München und eine Radtour durch Kamerun, Gabun und die beiden Kongos gemacht. Dann haben wir potentielle Sponsoren angeschrieben, an unserer Website gebastelt und viel gearbeitet um das Geld für die Tour zu verdienen.

Habt Ihr alles, was Ihr zum Leben braucht auf dem Fahrrad dabei?

Felix: Ja, wir haben insgesamt etwa 10 bis 15 Kilogramm Gepäck pro Rad. Der Großteil davon sind Sachen wie Zelt, Isomatten, Kocher und so weiter. In Wüsten oder weniger dicht besiedelten Gebieten kommt noch einmal das gleiche Gewicht an Wasser und Nahrungsmittel hinzu. Dafür haben wir bei der Kleidung ziemlich gespart und sehen deswegen meist katastrophal aus.

Was war der schönste Moment Eurer Reise bisher?

Benjamin: Es ist schwierig, so eine lange Tour auf einen einzelnen schönen Moment zu reduzieren. Unbezahlbare Erlebnisse sind die Kinder, die lachend mit uns mitrennen oder die Nächte im Nirgendwo unter dem klaren Sternenhimmel. Manchmal werden wir auch vom "Chef du village" eingeladen, um auf dem Dorfplatz zu zelten, oder zum Abendessen in verräucherten Wellblechhütten. Das sind großartige Momente.

Beschreibt die gefährlichste Situation eurer Reise.

Benjamin: In Kinshasa wurden wir einmal von einer Straßengang abgezogen, die auf einem Marktplatz versucht hat, unsere Pässe zu stehlen. Und in Namibia ist uns das Wasser ausgegangen. Äthiopien hat seinen Status als Lieblingsland noch mal aufs Spiel gesetzt, weil wir im Süden abends mit Steinen beworfen wurden.

Hättet Ihr in diesen Momenten die Tour am liebsten abgebrochen?

Felix: Nein, nie. Abzubrechen war keine Option, auch in Momenten, in denen einfach alles schief ging. Dass wir mal auf die Zähne beißen müssen war uns davor klar.

Benjamin: Wir wollten die Tour nicht abbrechen, auch wenn wir auf Schotterpisten bei 50 Grad den ganzen Tag nur bergauf gefahren sind, kein Abendessen bekommen haben und nachts das Zelt zusammengebrochen ist. Oder wir ohne Wasser in der Wüste saßen. Rückblickend sind gerade die Situationen, die uns an unsere Grenzen brachten, die Momente, die uns wirklich weitergebracht haben.

Was steht als nächstes auf dem Plan?

Felix: Sobald wir unser Visum haben, radeln wir weiter. Es liegen noch rund 4000 Kilometer vor uns. Dann sind wir in Kairo. Bis dahin hoffen wir, 8000 Euro für Ärzte ohne Grenzen gesammelt zu haben.
Seit dem 24. Oktober sind Benjamin Beyersdorf und Felix Fach mit dem Fahrrad in Afrika unterwegs. Ihre Tour führt die beiden von Kapstadt 12.000 Kilometer durch Afrika nach Kairo. 4000 Kilometer liegen noch vor ihnen. Mit der Aktion wollen die beiden Freiburger Geld für "Ärzte ohne Grenzen" sammeln. Mehr als 7000 Euro kamen bereits zusammen.