Students for Africa

Mit dem Fahrrad durch Afrika: "Gefährlich sind nicht die Tiere, sondern die Lkw"

Annika Vogelbacher

Drei junge Freiburger sind seit einem Monat mit einem Zelt und drei Fahrrädern in Afrika unterwegs. Für fudder ziehen sie eine Zwischenbilanz: Im Mail-Interview berichtet Jacob Fach aus Sambia von Gefahren, besonderen Begegnungen und den Dingen, die sie vermissen.

Sie wollen Fahrradfahren und damit für eine ugandische Schule Spenden sammeln: Im Oktober sind die drei Freiburger Jacob Fach (19), Kenneth Dumevi (19) und Anton Köplin (20) nach Kapstadt aufgebrochen, um von dort bis nach Uganda zu radeln. Aktuell sind sie in Sambia und haben die Hälfte der Tour geschafft. Per E-Mail haben sie fudders Fragen beantwortet, weil die Internetverbindung für ein Telefongespräch zu schwach war.

Anfang Oktober seid ihr in Kapstadt gestartet. Euer Ziel ist ein kleines Dorf in Uganda, weil dort die Partnerschule eures ehemaligen Freiburger Gymnasiums liegt. Wo seid ihr aktuell und wie geht es euch?

Jacob Fach: Uns geht es wahnsinnig gut. Wir hatten in Südafrika, Namibia und Botswana zwar etwas entspanntere Radfahrtage als jetzt in Sambia, aber unsere Laune ist immer noch fantastisch. Das ist aber aufgrund dessen, was wir hier in Afrika erleben dürfen kein Wunder.

Ihr seid nur mit dem Rad unterwegs und habt nur ein Zelt dabei – dadurch seid ihr rund um die Uhr beieinander. Geht ihr euch auf die Nerven?

Wirklich auf die Nerven gegangen sind wir uns bisher eigentlich gar nicht. Das einzig Suboptimale an einem Zelt ist, dass es zu dritt doch recht warm und eng ist. Auf dem Fahrrad sind wir die meiste Zeit für uns alleine. Das ist ein ganz guter Ausgleich zum ständigen Aufeinanderhocken.

"Bisher hatten wir Glück, mit drei platten Reifen und sonst nur kleineren Geschichten wie einem kaputten Schaltzug."

Was war der schönste Moment, den ihr bisher erlebt habt?

Es ist schwierig, so viele Eindrücke auf einen einzigen Moment runterzubrechen. Aber es sind die Momente, wie die ersten Begegnungen mit Elefanten und Giraffen. Oder Abende, an denen wir bei einer wildfremden Familie aufgenommen wurden, als wären wir ihre lang vermissten Kinder. Und das, obwohl wir nur nach einem Platz für unser Zelt fragen wollten.

Wie viele Reifen und neue Bremsbeläge musstet ihr schon neu montieren?

Bisher hatten wir Glück, mit drei platten Reifen und sonst nur kleineren Geschichten wie einem kaputten Schaltzug. Allerdings ist uns bei einer Bremse ein Teil kaputt gegangen, das wir mehrere Hunderte Kilometer nicht auftreiben konnten und schließlich irgendwo im Nirgendwo bei einem Krimskramsladen für umgerechnet 20 Cent bekommen haben.

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Auf eurer Instagram-Seite sieht man wilde Tiere, die euch begegnen – habt ihr manchmal Angst?

Gefährlich für uns Fahrradfahrer sind tatsächlich weniger die wilden Tiere, da diese in der Regel scheu sind und wir meistens ein gutes Stück von ihnen entfernt waren. Deutlich mehr Bedenken haben wir bei den Lkw-Fahrern, für die der Mindestabstand weniger ein Gesetz als eine Floskel zu sein scheint.

Afrika heißt auch Wüste. Wie sieht es mit euren Wasservorräten aus?

Eine richtige Wüste konnten wir uns zum Glück ersparen. Das Wüstenumland hat uns schon genug abverlangt. Für zwei Tage hatten wir gut 30 Liter Wasser eingeplant. Absoluter Fail. Die Rechnung von fünf Liter Pro Tag geht nicht auf, wenn man bei 54 Grad durch die brütende Hitze fährt.
Podcast

3 Jungs, 3 Fahrräder, 3 Monate, 7000km, Afrika und ein Ziel: Spenden sammeln für die Schule St. Denis in Uganda.




Wie und was bekommt ihr zu essen?

Seit wir in Sambia sind, wird das Einkaufen immer schwerer. Was nicht so schlimm ist, weil wir unseren Benzinkocher schon in Namibia kaputt gemacht haben. Dafür gibt es in jedem kleineren Dörfchen die Möglichkeit, für wenig Geld etwas zu essen zu bekommen. In der Regel handelt es sich dabei um Nshima: Ein fester Brei aus Mais mit Hühnchen oder Gemüse. Zum Nachtisch gibt es dann noch für jeden vier bis elf Mangos, die man hierzulande entweder selber sammeln oder für sehr wenig Geld kaufen kann. Alles in allem: Nicht die kulinarische Talfahrt, die wir erwartet hatten.

Wie leben die Menschen, die euch auf eurer Reise begegnen?

Die Menschen leben leider in zunehmend ärmeren Verhältnissen. Viele Familien beziehungsweise Großfamilien leben zusammen in mehreren Strohhüten unter einem Dach mit Ziegen, Hühnern und Rindern. Viele schlagen sich als Tagelöhner oder einfache Bauern durchs Leben.

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Pastor Miguel und sein Dorf

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Wie begegnen euch die Leute, die ihr trefft?

Egal wie klein, groß, arm oder reich die Städte und Dörfer sind, durch die wir kommen, die Leute sind ausnahmslos freundlich und hilfsbereit. Wenn wir irgendwo in ein Dorf aus Strohhütten kommen, rennen alle wild durcheinander und bieten uns einen Platz an. Falls wir ein Problem haben, werden Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt um zu helfen. Dabei wird wild herum telefoniert, durcheinander diskutiert und gestikuliert.

Gab es brenzlige Situationen?

Wirklich brenzlige Situationen sind uns bis jetzt zum Glück größtenteils erspart geblieben. Es gab höchstens unangenehme Momente, wie die ein oder anderen Überholmanöver von Autofahrern. Und Militär, welches ein Bestechungsgeld von uns verlangt hat, aus dem wir uns zum Glück rausschwätzen konnten. Wir hatten mal das Gefühl, zu wenig Wasser in Nähe der Wüste dabei zu haben. Oder das ein oder andere Schlagloch mitten auf der Hauptverkehrsstraße hat uns fast zu Tode erschreckt.

Habt ihr Heimweh?

Heimweh nicht direkt, dafür sind unsere Tage viel zu erfüllt. Wir erleben den ganzen Tag so wahnsinnig viel. Denn auch wenn es mal etwas Bitteres ist, lernen wir hier wirklich aus jedem einzelnen Tag. Wir sehen atemberaubende Sachen und lernen beeindruckende, witzige und interessante Menschen kennen. Abgesehen von den einzelnen Leuten, die wir vermissen, ist es eher der Komfort, den wir vermissen und vermutlich nach der Reise noch mehr als ohnehin schon wertschätzen werden.

Auf was freut ihr euch am meisten, wenn ihr wieder in Deutschland seid?

Anton: "Ich vermisse am meisten die Kälte und guten, warmen Kaffee."

Jacob: "Ich vermisse meine Freundin und den Luxus, das essen zu können, worauf ich Lust habe und ein Dach überm Kopf zu haben."

Ken: "Meine kleine Schwester und da kann ich Anton zustimmen: Gescheiten Kaffee, denn was hier als Kaffee bezeichnet wird, gilt in vielen Teilen Italiens vermutlich als Beleidigung."

Konntet ihr schon viele Spenden für die Schule in Uganda sammeln?

Mittlerweile haben auf unserer Webseite so viele Leute Geld auf das Fördervereinskonto unserer ehemaligen Schule gespendet, dass zehn Kinder in Uganda ein Jahr zur Schule gehen können. Aber da wir ja für einen guten Zweck Spenden sammeln, ist generell immer Luft nach oben. Wir und vor allem die Kinder würden sich natürlich sehr freuen, wenn noch mehr zusammen käme. Denn jede Spende, sei sie noch so gering, hilft.
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